«Ausgang ohne Angst» – In Zürich sollen demnächst Partys ohne Männer gefeiert werden
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«Ausgang ohne Angst»In Zürich sollen demnächst Partys ohne Männer gefeiert werden

Zwei Zürcherinnen planen eine Party-Reihe nur für Frauen. Das Thema wird kontrovers diskutiert. Feministinnen befürworten die Idee – es dürfe aber nur einer von vielen Schritten auf dem Weg zur Gleichberechtigung sein.

von
Christina Pirskanen
Daniel Graf
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«Würdest du vorbeikommen, wenn es in Zürich einen Frauen*-only Club geben würde?» Innert weniger Tage wurde dieser Videobeitrag auf TikTok über 16’000 Mal gelikt und mehr als 1500 Mal kommentiert.

«Würdest du vorbeikommen, wenn es in Zürich einen Frauen*-only Club geben würde?» Innert weniger Tage wurde dieser Videobeitrag auf TikTok über 16’000 Mal gelikt und mehr als 1500 Mal kommentiert.

Unsplash
Die Kommentare sind überwiegend positiv. 

Die Kommentare sind überwiegend positiv.

Screenshot TikTok
Viele Frauen scheinen sich auf ein solches Angebot zu freuen. 

Viele Frauen scheinen sich auf ein solches Angebot zu freuen.

Screenshot TikTok

Darum gehts

  • In einem Tiktok-Video wird die Frage gestellt, ob Frauen einen Zürcher Frauen-Only-Club besuchen würden.

  • Das Video wurde mehr als 16’000 mal gelikt und wird rege und vornehmlich positiv kommentiert – die zwei Frauen wollen das Projekt deshalb so schnell wie möglich realisieren.

  • Die Juso-Präsidentin Ronja Jansen hält den Ansatz zwar für richtig – es dürfe aber nur der erste Schritt sein.

  • Wie stark das Bedürfnis nach Partys nur für Frauen ist, werde sich anhand des Erfolgs oder Misserfolgs schnell zeigen, sagt Branchenkenner Alex Flach.

Auf Tiktok geht ein kurzes Video viral, in dem der Account «flinta_party» fragt: «Würdest du vorbeikommen, wenn es in Zürich einen Frauen*-only Club geben würde?» Innert weniger Tage wurde der Beitrag über 16’000 Mal gelikt und mehr als 1500 Mal kommentiert.

Die Party, die in Zukunft regelmässig stattfinden soll, sorgt bei der 20-Minuten-Community für geteilte Reaktionen.

(Video: Thomas Sennhauser)

Das Video erhielt derart viele positive Reaktionen (siehe Bildstrecke), dass sich die Betreiber des Accounts, zwei Frauen aus Zürich, zwei Tage später mit einem weiteren Beitrag meldeten: Diesmal kündigten sie an, das Projekt so schnell wie möglich auf die Beine stellen zu wollen – deshalb werde es vorerst anstatt einem Club eine FLINTA-Party geben, die eventuell regelmässig durchgeführt werde.

Was bedeutet FLINTA?

Die Abkürzung FLINTA steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen sowie agender. Sie soll alle Personen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität patriarchal diskriminiert werden, umfassen.

«Ziel muss ein belästigungsfreier Raum sein»

Dass das Bedürfnis nach Frauen- und FLINTA-Parties gross sei, zeige die Reaktion auf das TikTok-Video, sagt Anja Derungs, Leiterin der Zürcher Fachstelle für Gleichstellung, die das Projekt «Zürich schaut hin» lanciert hat. «Es ist einfach ein grosser Wunsch nach belästigungsfreien Räumen da – und das ist ein sehr berechtigtes Anliegen», so Derungs. Aber das sei nur ein Zwischenschritt: Das Ziel sei, sich überall belästigungsfrei bewegen zu können.

«Dass die Idee der FLINTA-Party gut ankommt, erstaunt mich überhaupt nicht», sagt Simone Eggler von der Organisation Brava, ehemals Terre des Femmes. Es sei Realität, dass viele weiblich gelesene Personen Übergriffe erleben. «Ein Mensch will sich aber frei bewegen können, ohne diese Belästigungen zu erleben – gerade deshalb ist es wichtig, solche Räume zu schaffen.»

Ähnlich sieht es Juso-Präsidentin Ronja Jansen: «Sichere Frauenräume sind etwas extrem Wichtiges, da sie einen Ort schaffen, wo Frauen sich gegenseitig ermächtigen können. Frauen sind nach wie vor in vielen Bereichen zu wenig sichtbar und solche ‹Safe Spaces› können dazu beitragen, das zu ändern.»

«Erfolg oder Misserfolg wird Bedarf zeigen»

Branchenkenner Alex Flach fände es vermessen, als Mann darüber zu urteilen, ob es Partys nur für Frauen brauche. Er sagt aber: «Belästigungen in Clubs sind seit Jahren ein Thema und es wurde viel unternommen, damit der Ausgang für alle ein sicherer Ort ist» So sei das Personal in vielen Clubs für die Thematik sensibilisiert. «Auf ein Handzeichen oder eine entsprechende Aussage hin werden Frauen, die sich belästigt fühlen, an einen sicheren Ort gebracht. Dann kümmert sich das Sicherheitspersonal um den oder die Belästiger und wirft sie raus.»

Überhaupt findet Flach, dass beim Thema sexuelle Belästigung oft die Clubs zu stark in den Fokus gerückt werden. «Klar kommt es zu Vorfällen. Aber im Gegensatz etwa zur Arbeit in einem Callcenter oder zur nächtlichen Reise im Zug ist in einem Club immer eine Ansprechperson vorhanden.» Ob ein Club nur für Frauen für viele Frauen ein Bedürfnis sei, müsste sich laut Flach zeigen. «Wenn ein solcher Club aufmacht, kann die Frage nach dem Bedarf danach anhand des Erfolgs oder Misserfolgs vermutlich schnell beantwortet werden – wie bei jedem Club, der neu öffnet.»

«Wer bezahlt dann meine Getränke?»

Doch die Idee einer Party nur für Frauen kommt nicht überall gut an: In den Kommentaren des Tiktoks tummeln sich auch etliche negative Reaktionen – vor allem Männer scheinen nicht begeistert. So schreibt ein User: «Ach, für mich als Typen schwierig, aber Perücke und bisschen Makeup regelt». Ein anderer meint «Für 75 Franken fühl ich mich wie eine Frau» und spielt damit auf die neue Gesetzeslage für die Änderung des Geschlechtseintrags an. Es gibt aber auch Kritikerinnen. Eine Userin fragt sich: «Nein, wer bezahlt denn dann meine Getränke?».

Gänzlich neu ist die Idee von Parties für Frauen oder FLINTA-Personen derweil nicht: Schon in den 1970er- und 80er-Jahren wurden sogenannte Frauenräume erschaffen. Im Frauenraum der Reitschule in Bern etwa findet seit 1988 jeden Monat die Frauen-Disco statt.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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