Speed-Hating: In Zürich streiten - ohne Hemmungen
Aktualisiert

Speed-HatingIn Zürich streiten - ohne Hemmungen

Beleidigungen statt Nettigkeiten: Der neue Trend Speed-Hating kann als Ventil dienen, sagen Psychologen. Allerdings wenn das ganze verbal und auf einem gewissen Niveau bleibt.

von
Deborah Sutter
Mit Unbekannten streiten: Bei Speed-Hating ist Zoffen angesagt. (Screenshot: YouTube)

Mit Unbekannten streiten: Bei Speed-Hating ist Zoffen angesagt. (Screenshot: YouTube)

Am 23. Mai kann man ab 19 Uhr im Kunstwarenhaus an der ­Stockerstrasse in Zürich nach Lust und Laune wettern und schimpfen: Erstmals findet dort ein ­sogenanntes Speed-Hating statt. «Technisch läuft das gleich ab wie das Speed-Dating – es sitzen sich etwa 20 Leute während sieben Minuten gegenüber», sagt Veranstalter Oliver Münchow. Doch statt Unbekannten schöne Augen zu machen, streitet man miteinander: «Das unkonventionelle Konzept stammt aus London», so Münchow.

Auch andere Dating-Regeln werden mit Füssen getreten: «Wir servieren eine ­Menge Drinks, Chnobli-Brot oder Mohnbrötchen – und der Mohn bleibt garantiert an den Zähnen kleben», sagt Münchow. Falls die Streithähne Inspiration brauchen, können sie aus einem Topf Vorschläge ziehen, worüber sie sich in die Haare geraten könnten.

Streiten ohne Hemmungen kann laut dem Psychologen ­Erhard Grieder befreiend sein: «Wir verdrängen negative Gefühle oft, wollen geliebt und anständig sein – es braucht aber ein Ventil für Hass oder Abneigung.» Das Ganze könne auch kippen: «Lässt man jahrzehntelang Verdrängtes auf einmal raus, kann das zu unkontrollierbaren Situationen führen – damit müssen die Veranstalter rechnen», so Grieder. Securitys sind für den Abend zwar nicht angeheuert – Münchow betont aber: «Die Streitigkeiten müssen verbal und auf einem gewissen Niveau bleiben, sonst greifen wir ein.»

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