Game-Manager: «In zwei Jahren gibts auch Schweizer Game-Profis»
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Game-Manager«In zwei Jahren gibts auch Schweizer Game-Profis»

Diese Woche findet in Seattle die Endrunde des höchstdotierten E-Sport-Events aller Zeiten statt – noch ohne Schweizer Beteiligung.

von
Ill-FiL
Als Manager der amtierenden «Dota 2»-Schweizermeister spielt Cédric Schlosser das Game zwar auch ab und zu. Hauptsächlich kümmert er sich aber um die Sponsorensuche und organisiert Team-Reisen an wichtige Game-Events.

Als Manager der amtierenden «Dota 2»-Schweizermeister spielt Cédric Schlosser das Game zwar auch ab und zu. Hauptsächlich kümmert er sich aber um die Sponsorensuche und organisiert Team-Reisen an wichtige Game-Events.

Seit dem 16. Mai dieses Jahres messen sich die weltweit besten Teams im Echtzeitstrategiespiel «Dota 2». Der E-Sport-Wettkampf kulminiert diese Woche in Seattle, wo an einem der bekanntesten Finalturniere der Szene das Siegerteam ermittelt wird.

16 Mannschaften kämpfen in diesen Tagen um die Krone am «The International» – um nicht weniger als 18 Millionen Dollar Preisgeld. Die entscheidenden Matches können entweder auf der offiziellen Website oder über Twitch mitverfolgt werden. Um den Sieg wird am Samstagabend, 8. August 2015, ab 19 Uhr (MESZ) gekämpft.

Fans machen Sieger reich

Die astronomische Summe von über 18 Millionen US-Dollar wird teils von Valve selber, teils von Sponsoren bezahlt. Immerhin 25 Prozent des Betrages übernehmen allerdings «Dota 2»-Fans auf der ganzen Welt. Von den Online-Verkäufen des interaktiven Kompendiums zum Mega-Event fliesst nämlich ein Viertel der Einnahmen direkt in den Preisgeld-Pool.

Der Megagewinn wird unter allen 16 am Finalturnier spielenden Teams aufgeteilt. Die Siegermannschaft gewinnt dieses Jahr stolze 6,57 Millionen Dollar, die zweitplatzierten Spieler erhalten 2,83 Millionen. Der Bronze-Platz ist mit knapp 2,2 Millionen Dollar dotiert, und das Team, das das Turnier auf dem vierten Rang beendet, bekommt noch 1,55 Millionen.

«Nur wenige Eltern unterstützen Profi-Gamer»

Auch in der Schweiz wird «Dota 2» gespielt. Ende Juni fand in Zürich das Finale der ersten offiziellen «Dota 2»-Schweizer-Meisterschaft statt. Gewonnen hat das Turnier Myinsanity.

Wer im E-Sport-Bereich international erfolgreich sein will, muss sein Hobby, ähnlich wie im Spitzensport, zum Beruf machen. Cédric Schlosser ist Team-Manager des Schweizer «Dota 2»-Champions Myinsanity. Er sagt, Schweizer «Dota 2»-Mannschaften hätten momentan (noch) keine Chance, würden sie gegen die weltbesten Teams antreten. Schweizer E-Sportler hätten zwei grundlegende Probleme im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz: «Es fehlt hierzulande an der gesellschaftlichen Akzeptanz und an Geld.»

Verantwortlich dafür sei einerseits das sehr hohe Lohnniveau in der Schweiz. «Dadurch ist die Hürde für Spieler, ihren normalen Job aufzugeben und nur noch vom Gaming zu leben, höher als in anderen Ländern», so Schlosser. Andererseits kritisiert der Team-Manager, dass nur wenige Eltern ihre Kinder unterstützen würden, sollten diese Profi-Gamer werden wollen: «Der Support von zu Hause ist meiner Meinung nach sehr wichtig», sagt Schlosser.

Nur Amateure in der Schweiz

Dennoch gebe es bereits einige wenige Schweizer «Dota 2»-Mannschaften, die am Niveau der weltbesten Spieler zumindest kratzen würden. «Der offensichtlichste Mangel hierzulande ist das Fehlen von Profispielern. Wir als amtierende Schweizer Meister gehen alle nebenbei noch einem normalen Job nach», sagt Schlosser. Da auch E-Sport-Training enorm zeitaufwendig sei, könnten nur echte Profis mit den weltbesten Mannschaften mithalten.

Schlosser hat sich ein Ziel gesetzt: Der Myinsanity-Manager will das erste Schweizer Profi-Gamer-Team auf die Beine stellen. Um das zu schaffen, arbeitet er bereits heute mit potenziellen Geldgebern wie Logitech oder Red Bull zusammen und ist überzeugt, dass «bereits in den nächsten zwei Jahren die ersten Profi-Teams in der Schweiz entstehen werden».

Public Viewing zu «The International»:

Die Swiss Dota Community organisiert zusammen mit Gamerbase und den Schweizermeistern von Myinsanity eine Live-Übetragung des grossen «International»-Finales. Das Public Viewing findet im Gaminghouse der SwissDC statt in Kirchlindach (Bern) statt. Der Eintritt kostet 30 Franken. Im Preis inbegriffen sind Steaks, Chips und Bier à discretion. Interessierte können sich hier über den Event informieren.

In den USA wird «The International 2015» in 400 Kinos live übertragen.

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