Tätowierungen, Tänze und Walfleisch zum Mittagessen: Indigene Influencer klären über ihre Lebensstile auf

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Tätowierungen, Tänze und Walfleisch zum MittagessenIndigene Influencer klären über ihre Lebensstile auf

Eine neue Generation von indigenen Influencern und Influencerinnen postet intensiv auf Social Media, um über ihre Kulturen und Traditionen aufzuklären. Dazu stellen sie sich Cyber-Mobbern entgegen und stärken die Gemeinschaft von innen heraus.

von
Jana Rutarux
Shina Novalinga aus Montréal berichtet auf Instagram und Tiktok von ihrem Alltag als Inuit-Frau.

Shina Novalinga aus Montréal berichtet auf Instagram und Tiktok von ihrem Alltag als Inuit-Frau.

Instagram/shinanova

Darum gehts

  • Inuk Shina Novalinga gehört zur einer Vielzahl an indigenen Content Creators, die durch Social Media zu wichtigen Advokaten ihrer Gemeinschaft geworden sind.

  • Kultur, Tradition und spezifische Nischenthemen werden mithilfe von kurzen Clips an eine breite Öffentlichkeit vermittelt. Das hilft jungen Personen bei der Identitätsfindung und stärkt  den Gemeinschaftssinn.

  • Soziale Medien werden dabei bereits als eine moderne Form von mündlicher Überlieferung angeschaut.

  • Dadurch entsteht jedoch auch Druck gegenüber jungen Menschen, ihre indigenen Wurzeln auf sozialen Plattformen zu präsentieren und sich allenfalls mit despektierlichen Kommentaren auseinandersetzen zu müssen.

Shina Novalinga isst gemeinsam mit ihrer Mutter rohes  Belugawal- und Karibufleisch, lässt sich das Gesicht tätowieren oder performt den traditionellen Kehlgesang der Inuits. Die Clips dazu lädt die 25-Jährige auf Social Media hoch. Shina ist eine Inuk und lebt in der kanadischen Stadt Montréal. Ihre enge Verbundenheit zu den Inuit-Traditionen verdankt sie ihrer Mutter, wie sie auf ihrem Instagram-Account erzählt. Hier thematisiert sie ihre Lebensart und teilt dies mit 1,9 Millionen Followern. Seit einer ihrer Tiktok-Clips im April 2020 viral ging, vergrössert sich Shinas Reichweite auf den sozialen Plattformen stetig. Nicht zuletzt ermöglichte ihr dieser Erfolg eine Einladung ans Influencer-Festival Coachella oder eine Coverstory im kanadischen Elle-Magazin. In den langen Kommentarspalten erfährt Shina viel Anerkennung für ihre Beiträge. Die Profilbesucher und Profilbesucherinnen fühlen sich weitergebildet und bekommen die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ermächtigt und stolz

Shina wurde  zu einer Repräsentantin und Advokatin ihrer Kultur und ist nur ein Beispiel von vielen aufstrebenden Influencern und Influencerinnen mit indigenen Wurzeln. Diese kommunizieren laut Aborigines-Organisation Creative Spirits mittels Social Media ihre Werte und zeigen, wer sie sind: stolz anstatt schüchtern, ermächtigt anstatt beiseite gedrängt. Damit stellen sie wichtige Identitätsfiguren für junge Personen dar und lassen Menschen aus aller Welt mit ihren Traditionen in Kontakt treten. Die Content Creators können sich die Reichweiten von Tiktok und Co. zugunsten der Verbreitung von Nischenthemen und der Diskussion von politischen Angelegenheiten zunutze machen und verschaffen so den Anliegen indigener Gruppierungen eine grössere Sichtbarkeit. Auf der anderen Seite wird laut Creative Spirits durch diese Entwicklung jedoch auch zunehmend Druck auf indigene Jugendliche ausgeübt, sich selbst und ihre Kultur einer digitalen Öffentlichkeit zur Schau zu stellen.

Der Kampf gegen Hassrede

Der Gebrauch von sozialen Medien ist bei indigenen Völkern beliebt, da sie leicht verständlich und zugänglich sind, schreibt das Medienunternehmensnetzwerk The Conversation. Zudem stellten sie ein wichtiges Werkzeug zur Vernetzung und zur Verstärkung des Gemeinschaftssinns dar. Hier können Kultur, Geschichte und Erbe so effektiv weitervermittelt werden, dass Social Media schon als eine moderne Erscheinungsform von mündlicher Überlieferung verstanden wird.  

Die Stärkung des Zusammenhalts und die gegenseitige Unterstützung auf Social Media ist für indigene Personen wichtig, da sie dort despektierlichen Kommentaren ausgesetzt sind. Eine Analyse des Departments für indigene Studien der Macquarie Universität in Australien ergab, dass 97 Prozent der indigenen Untersuchungsgruppen regelmässig schlechte Erfahrungen auf Social Media machen und dort diskriminiert und beleidigt werden. Das wiederum habe bedenkliche negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der betroffenen Personen. Deshalb sei es von Bedeutung, dass die versammelte Gemeinschaft für ihre einzelnen Mitglieder einsteht. In vielen Fällen zeige sich dies bereits.

Auch Shina Novalinga wird auf diese Weise ermutigt. «Kam in die Kommentarsektion um nach wertenden und unverschämten Äusserungen zu suchen und fand rasch viele davon. Einige von euch schauen viel zu vorschnell mit einer anglo-amerikanischen Perspektive auf fremde Kulturen, von denen ihr überhaupt nichts versteht», schreibt beispielsweise eine Followerin unter Shinas Video und versucht damit die Influencerin zu bestärken.

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