Aktualisiert 15.05.2007 18:46

Indirekte Emissionen verhageln Schweizer CO2-Bilanz

In der Schweiz sind die im Inland direkt verursachten Treibhausgas-Emissionen im internationalen Vergleich tief. Wird aber auch der Austausch von Waren und Dienstleistungen über die Grenzen erfasst, sinkt die Schweiz zum OECD-Durchschnitt ab.

Das zeigt eine Studie des Bundesamtes für Umwelt (BAFU). Deren Grundlage war das Jahr 2004. In jenem Jahr beliefen sich die Treibhausgas-Emissionen im Inland auf 53,0 Millionen Tonnen CO2- Äquivalente. Diese Einheit entspricht der Wirkung aller Treibhausgase.

93,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente

Wird der Saldo von Importen und Exporten eingerechnet, steigen die Schweizer Emissionen auf 93,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Pro Kopf würde der Ausstoss zusammen mit diesen so genannten grauen Emissionen von 7,2 auf 12,5 Tonnen CO2-Äquivalente steigen. Beim CO2-Ausstoss pro Kopf sind es nicht mehr 6, sondern 10,7 Tonnen.

Mit 32 Prozent erzeugt der Sektor Energieträger und Strom die meisten indirekten Treibhausgas-Emissionen. Gase werden etwa bei der Förderung, der Raffinierung und beim Transport von Erdöl freigesetzt. 20 Prozent der grauen Emissionen stammen aus dem Sektor «Bearbeitete Waren», etwa Metalle, Papier und Textilien.

18 Prozent der grauen Emissionen entfallen auf «Chemische Erzeugnisse» und 2,5 Prozent auf den Flugverkehr. Mit exportiertem Strom bessert die Schweiz indessen die Bilanz von Italien und Deutschland auf: Ein Ausstoss von rund 17 Millionen Tonnen CO2- Äquivalente pro Jahr fällt in diesen Ländern nicht an.

Ergebnis überrascht nicht

Angesichts des Wohlstandsniveaus der Schweiz und der starken Abhängigkeit des Landes von fossilien Energieträgern überrasche dieses Ergebnis nicht, schreibt das BUWAL. Die oft gehörte Behauptung, die Schweiz verursache deutlich weniger Emissionen als vergleichbare Industrieländer, werde widerlegt.

Ein direkter Vergleich der Schweiz mit anderen Industrieländern ist nur beim CO2 möglich. Graue Emissionen mitgerechnet, ist der Ausstoss in der Schweiz ähnlich gross wie das Mittel der OECD- Ländern. Gemäss der Untersuchung liegt die Schweiz etwa gleichauf mit den Niederlanden, Grossbritannien oder Südkorea.

Kein klarer Entwicklungstrend

Zwischen 1990 und 2004 sind die von der Schweizer Bevölkerung direkt verursachten Treibhausgas-Emissionen insgesamt stabil geblieben, obwohl die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner gestiegen ist. Werden auch die grauen Emissionen berücksichtigt, lässt sich nach Angaben des BAFU kein Entwicklungstrend ablesen.

Kohlendioxid ist in der Schweiz mit einem Anteil von 85 Prozent an der Gesamtsumme das mit Abstand bedeutendste Treibhausgas. Auf Methan entfallen 8 Prozent und auf Lachgas 5 Prozent - diese zwei Gase werden vorwiegend durch die Landwirtschaft verursacht. Die übrigen Gase steuern knapp 2 Prozent zum Gesamtausstoss bei.

Die Klimakonvention der UNO verpflichtet die Staaten, in ihren Inventaren nur die im Inland freigesetzten Treibhausgas-Mengen ausweisen. Die Emissionen, die ein Land durch Importe im Ausland verantwortet, müssen bislang nicht berücksichtigt werden. Das dies künftig der Fall sein könnte, sei aber nicht auszuschliessen. (sda)

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