Indischer Präsident in der Schweiz
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Indischer Präsident in der Schweiz

Im Vorfeld seines Staatsbesuchs hat Indiens Präsident Abdul Kalam in Lausanne und Zürich eine Tournee durch Schweizer Forschungsanstalten unternommen.

Kalam, der selber Wissenschafter ist, plädierte dabei für eine Grenzen überwindende Wissenschaft.

«Wissenschaft ist grenzenlos», betitelte A. P. J. Abdul Kalam seine Rede vor Bundesrat Pascal Couchepin, den Behörden aus Kanton und Stadt sowie vielen Forschern und Studierenden der ETH Lausanne. Dies hätten sowohl die Schweiz als auch Indien schon lange erkannt, erklärte er.

Indien sei diesen Weg weitergegangen und habe die Welt in den letzten Jahren mit einer ganzen Reihe Entwicklungen bereichert, sagte Kalam, der als «Vater» des indischen Raketenprogramms gilt.

Zusammenarbeit verstärken

Kalam liess keinen Zweifel darüber aufkommen, was er sich von der Wissenschaft erhofft: Sie soll der Welt und seinem Heimatland Fortschritt bringen. Die Menschheit sehe sich in Zukunft vor Herausforderungen gestellt, die nur gemeinsam gemeistert werden könnten.

Mit seinem Besuch hoffe er die Zusammenarbeit zwischen Forscherinnen und Forschern aus der Schweiz und Indien zu stärken. Beide Länder schlossen 2003 ein Rahmenabkommen für Wissenschaft und Technologie mit Austauschprogrammen für Studenten und Professoren. Davon haben seither Dutzende von Studierenden profitiert.

Weiter nach Zürich

Das ebenfalls 2003 aufgegleiste gemeinsame Forschungsprogramm habe sich auch gut entwickelt, erklärte Patrick Aebischer, Präsident der ETH-Lausanne.

Vom Ufer des Genfersees reiste der indische Präsident weiter nach Zürich, wo am späten Donnerstagnachmittag ein Besuch der ETH- Zürich auf dem Programm stand. Bereits am ersten Besuchstag hatte Kalam am Mittwoch bei Genf das Europäische Labor für Teilchenphysik (CERN) besichtigt.

Staatsbesuch in Bern

Ab Freitag steht die insgesamt viertägige Visite Kalams ganz im Zeichen des Staatsbesuchs. Zunächst wird er von Bundespräsident Samuel Schmid und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey empfangen. Nach diesen Gesprächen folgt die offizielle Begrüssung auf dem Bundesplatz mit militärischen Ehren.

Zum Abschluss ist Indiens Präsident am Samstag Gast von Bundespräsident Schmid in dessen Heimatkanton. Einige Gegenden sind in Indien sehr bekannt, dient doch das Berner Oberland seit Jahren als Kulisse für Streifen der «Bollywood» genannten indischen Filmindustrie.

Nicht nur Wachstum

Vier Schweizer Hilfswerke warnten anlässlich des Besuchs von Kalam davor, zu einseitig auf das wirtschaftliche Potenzial des Subkontinents zu blicken. In Indien seien nach wie vor 50 Prozent der Bevölkerung unterernährt, betonten Caritas Schweiz, Swissaid, Fastenopfer und HEKS in einer gemeinsamen Erklärung.

Sie appellierten an die Schweizer Wirtschaft und Politik, in Indien vermehrt die am meisten benachteiligten sozialen Gruppen ins Auge fassen. Investitionen sollten sozial- und umweltverträglich sein, forderten sie.

(sda)

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