Fatale Tektonik: Indo-Australische Platte bricht auseinander
Aktualisiert

Fatale TektonikIndo-Australische Platte bricht auseinander

Wissenschaftler haben herausgefunden, was die beiden schweren Erdbeben ausgelöst hat, die im April überraschend Indonesien heimgesucht haben: Die Kontinentalplatte ist instabil.

von
I. Reichert
DAPD
Das Epizentrum der Erdbeben ist mit roten Sternen markiert (Bild: Keith Koper, University of Utah).

Das Epizentrum der Erdbeben ist mit roten Sternen markiert (Bild: Keith Koper, University of Utah).

Die Erdkruste unter dem Indischen Ozean beginnt zu zerbrechen und bildet eine neue Plattengrenze. Davon zeugt ein schweres Beben, das im April dieses Jahres die Erde südwestlich der indonesischen Insel Sumatra mit einer Stärke von bis zu 8,7 erschütterte. Die Indo-Australische Platte riss dabei innerhalb von zweieinhalb Minuten an vier Stellen über mehrere Kilometer hinweg ein, berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam im Fachmagazin «Nature». Dabei verschoben sich die Erdmassen horizontal gegeneinander.

Hätten sie sich vertikal bewegt, wäre es vermutlich zu ähnlichen Tsunamis wie nach dem Beben im Jahr 2004 gekommen, als meterhohe Wellen Teile Indonesiens und Thailands überfluteten, schreiben die Forscher. Sie konnten zudem aufzeigen, dass dieses Beben weltweit weitere starke Erschütterungen nach sich zog. Das Erdbeben vom 11. April 2012 vor der Küste Sumatras sei eines der schwersten der vergangenen hundert Jahre gewesen. «Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt ein Beben dieser Stärke im Indischen Ozean erwartet», sagt Thorne Lay von der University of California.

Seltsames Erdbeben

Der Geowissenschaftler ist der Leiter eines der drei Forscherteams, die das Erdbeben im Südwesten Sumatras genauer analysierten und ihre Ergebnisse nun gemeinsam vorstellten. Zusätzlich untersuchten sie die Ausbreitungsgeschwindigkeit und Stärke der seismischen Wellen weltweit. «Das Erdbeben war eines der seltsamsten, die wir je gesehen haben», kommentiert Lay. Denn die meisten Beben mit einer Stärke über 8,0 entstünden dadurch, dass zwei Kontinentalplatten aufeinanderstossen, wobei eine sich unter die andere schiebt.

Bei dem Erdbeben im April hatten sich jedoch offensichtlich die Erdmassen innerhalb der Indo-Australischen Platte horizontal aneinander gerieben, berichten die Geowissenschaftler. Dies sei nicht nur die grösste jemals beobachtete horizontale Verschiebung in der Erdkruste, sondern mit zwei Epizentren auch das stärkste bisher gemessene Erdbeben im Inneren einer Platte. So entstanden innerhalb von 160 Sekunden vier bis zu 180 Kilometer lange und 90 Kilometer tiefe Risse. Entlang dieser habe sich der Meeresboden zwischen 6 und 30 Meter gegeneinander verschoben. Die Ursache des Bebens seien Spannungen innerhalb der Erdkruste, erklären die Wissenschaftler.

Platte droht zu zerbrechen

Die Platte ist auf dem Weg, in zwei oder gar drei Teile zu zerbrechen, folgern die Forscher aus ihren Daten. Dies sei ein Prozess, der schon vor etwa 50 Millionen Jahren begonnen habe. «Wo genau die neue Grenze sich durchzieht, ist jedoch noch unklar», sagt Lay. Denn es seien noch Hunderte bis Tausende ähnlicher Erdbeben nötig, bis die äussere Erdkruste in diesem Gebiet in einigen Millionen Jahren ganz durchtrennt sei. Die gute Nachricht sei, dass die Erdmassen - sofern sie sich weiterhin nur horizontal gegeneinander verschieben - das Meer kaum in Bewegung setzten und keine Tsunamis auslösten.

Die Forscher fanden allerdings auch heraus, dass sich das ungewöhnliche Beben im Indischen Ozean bis auf die andere Seite der Erdkugel auswirkte: In der Woche nach den Erschütterungen registrierten Messstationen fünfmal mehr Erdbeben rund um den Globus, als normalerweise erwartet.

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