Industrie läuft auf Volldampf
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Industrie läuft auf Volldampf

Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz hat sich im dritten Quartal überraschend abgekühlt. Vor allem die Banken erwiesen sich als Bremser. Dennoch dürfte die Wirtschaft 2006 so stark wachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Freitag bekannt gab. Im zweiten Quartal hatte die Expansionsrate 0,6 Prozent betragen.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug das BIP-Wachstum 2,4 Prozent. Im zweiten Quartal war ein Wachstum von 3,0 Prozent verzeichnet worden.

Ökonomen enttäuscht

Die Verlangsamung überraschte die Ökonomen: Sie hatten im Schnitt mit einem BIP-Wachstum von 0,7 Prozent zum Vorquartal und von 2,9 Prozent zum Vorjahresquartal gerechnet.

Für das gesamte Jahr dürfte die optimistische Prognose von 3 Prozent damit nur schwer zu erreichen sein, wie Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Das Wachstum werde dennoch deutlich über 2,5 Prozent liegen. Damit dürfte die Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr so stark zulegen wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Damals hatte das BIP-Wachstum 3,6 Prozent betragen.

Der Chefökonom des Wirtschaftsverbands economiesuisse, Rudolf Walser, hatte ebenfalls mehr erwartet. Die Verlangsamung im dritten Quartal sei aber nicht gravierend. «Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung», sagte Walser und verwies auf die nach wie vor starken Export-Zahlen.

Mehr exportiert

Die Export-Wirtschaft fand nach der Stagnation im zweiten Quartal auf ihren dynamischen Wachstumspfad zurück und legte um 2,8 Prozent zu. Die Importe nahmen dagegen um 1,2 Prozent ab.

Die privaten Haushalte stützten das Wachstum auch im dritten Quartal: Die Konsumausgaben, die etwa 60 Prozent zum BIP beisteuern, nahmen um 0,5 Prozent zu.

Schwache Banken

Die Abschwächung im dritten Quartal ist laut SECO vor allem auf den Rückgang der Wertschöpfung bei den Banken zurückzuführen. Weil die Versicherungen zulegten, ergab sich für den Finanzmarkt-Sektor insgesamt aber nur ein Wachstumsrückgang von 0,1 Prozent.

Der Effekt der Banken ist nach Ansicht von Ökonomen ohnehin zu relativieren: Viele Institute hätten den Einbruch am Aktienmarkt zwar bis ins dritte Quartal gespürt. Das vierte Quartal dürfte aber wieder sehr gut ausfallen, sagte Acket.

Auch Walser zeigte sich wenig beeindruckt: Der Finanzsektor sei schwankungsanfälliger als andere Branchen. Und wegen seiner grossen Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft wirkten sich Abschwächungen in diesem Sektor unmittelbar auf die Konjunkturzahlen aus.

Weniger investiert

Schwächer fielen überdies die Investitionen aus; sie büssten um 0,2 Prozent ein. Das ist vor allem auf die Ausrüstungsinvestitionen zurückzuführen, die - auf hohem Niveau - um 1,0 Prozent abnahmen. Allerdings schlug ein Sonderfaktor zu Buche: die stark gesunkenen Investitionen in Linienflugzeuge.

Die Bauinvestitionen hingegen profitierten weiterhin von der starken Konjunktur. Sie legten vor allem dank der gestiegenen Hochbau-Investitionen um 0,9 Prozent zu. (sda)

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