Aktualisiert 04.06.2015 12:08

Konjunktur

Industrie übersteht den ersten Frankenschock

Nach dem Dämpfer durch die Aufhebung des Euromindestkurses steigt das KMU-Barometer wieder. Allerdings liegen die Werte weit vom langjährigen Mittel entfernt.

von
kko
Bessere Stimmung: KMU in der Industrie verzeichnen wieder mehr Bestellungen.

Bessere Stimmung: KMU in der Industrie verzeichnen wieder mehr Bestellungen.

In der Schweizer Industrie haben sowohl die kleinen und mittleren als auch die grossen Unternehmen den ersten Schock nach der Aufhebung des Euromindestkurses überstanden. Bei beiden Gruppen hellte sich die Stimmung aufgrund von mehr Bestellungen im April auf.

Das Barometer für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Industrie stieg von minus 1,28 Punkten im März auf minus 0,68 im April, wie die Grossbank UBS am Donnerstag in ihrem KMU-Barometer ausweist. Bei den grossen Unternehmen kletterte der Indikator von minus 0,85 auf minus 0,18 Zähler.

Allerdings sind damit beide Werte weit vom langjährigen Mittel von 0,13 Punkten für KMU und 0,15 Punkten für Grossunternehmen entfernt. Neben dem Bestellungseingang dürfte der etwas schwächere Franken zur optimistischeren Einschätzung beigetragen haben. Die Aufträge aus dem Ausland blieben aber verhalten.

Düstere Ertragslage im zweiten Quartal

Besonders düster schätzten die Industrieunternehmen die Ertragslage im zweiten Quartal ein. Die Erträge nämlich sanken nach einer Stagnation seit 2011 beträchtlich. Die UBS geht deswegen von mehr Entlassungen und einer Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent im Gesamtjahr aus.

Im Baugewerbe liess die Dynamik bei den Grossunternehmen merklich nach, die Geschäftslage beurteilten sie aber weiterhin als gut. Bei den KMU hingegen verbesserte sich die Lage leicht.

Auch bei den Dienstleistern fiel die Lagebeurteilung zu Beginn des zweiten Quartals trotz schwächerer Dynamik gut aus. Sowohl Nachfrage als auch Erträge gingen aber zurück. Zudem erwarten die Dienstleister sinkende Verkaufspreise.

Tourismus und Detailhandel leiden besonders

Tourismus und Detailhandel zeigten sich von der Frankenstärke besonders stark betroffen. Die grossen Detaillisten schätzten die Geschäftslage zwar im April als befriedigend ein, doch die Erträge sanken. Auch bei der Umsatzerwartung waren sie vorsichtiger.

Deutliche Bremsspuren gab es hingegen bei den KMU im Detailhandel. Sie bezeichnen die Geschäftslage seit einem Jahr als schlecht. Noch düsterer ist das Bild im Tourismus.

Als KMU definiert die UBS Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern, Grosskonzerne als solche mit über 200 Angestellten. Das KMU-Barometer basiert auf einer monatlichen Befragung der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. (kko/sda)

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