«Situation ist gefährlich» – Infektiologen kritisieren Berset für Zögern bei neuen Massnahmen
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«Situation ist gefährlich»Infektiologen kritisieren Berset für Zögern bei neuen Massnahmen

Via Twitter informierte Bundesrat Alain Berset, dass zurzeit keine weiteren Covid-Massnahmen geplant seien. Bei Infektiologen stösst dieses Zögern auf Kritik.

von
Christina Pirskanen
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Am Mittwoch verkündete Gesundheitsminister Alain Berset via Twitter, dass zurzeit keine weiteren Corona-Massnahmen eingeführt werden.

Am Mittwoch verkündete Gesundheitsminister Alain Berset via Twitter, dass zurzeit keine weiteren Corona-Massnahmen eingeführt werden.

20min/Simon Glauser
Ein Massnahmenpaket inklusive Schliessungen stehe aber bereit und könne eingesetzt werden. Das Zögern des Bundesrats wird von Infektiologen kritisiert.

Ein Massnahmenpaket inklusive Schliessungen stehe aber bereit und könne eingesetzt werden. Das Zögern des Bundesrats wird von Infektiologen kritisiert.

20min/Simon Glauser
privat

Darum gehts

  • Gesundheitsminister Alain Berset verkündete am Mittwoch, dass noch keine weiteren Massnahmen eingeführt werden.

  • Ein Massnahmenpaket inklusive Schliessungen stehe jedoch bereit.

  • Infektiologen kritisieren das Abwarten des Bundes.

  • Anders sieht es Gesundheitspolitiker Lorenz Hess: «Es braucht jetzt den Mut, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.»

Das Bundesamt für Gesundheit vermeldete am Donnerstag 19’032 Coronafälle – die Mehrheit der Ansteckungen lässt sich auf die Omikron-Variante zurückverfolgen. Trotz den massiv steigenden Infektionszahlen wartet der Bundesrat mit weiteren Massnahmen ab. Dies vermeldete Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwochabend via Twitter.

Gemäss Berset steht ein nächstes Massnahmenpaket bereit – auch Schliessungen seien möglich. Trotzdem wolle der Bundesrat mit der Entscheidung zu weiteren Massnahmen abwarten, bis weitere Daten zur Omikron-Variante vorhanden seien. Dieser Entscheid stösst auf Kritik.

«Virus verbreite sich enorm effizient in Familien»

«Ich verstehe nicht, wieso mit weiteren Massnahmen abgewartet wird», sagt etwa der Infektiologe Andreas Cerny. Es sei klar, dass mit den hohen Fallzahlen auch die Hospitalisationen zunehmen würden – das zeige sich in anderen Ländern wie Grossbritannien oder den USA. «Gouverner, c’est prévoir: Wer die Verantwortung hat, muss auch vorwärts schauen und sehen, was um uns herum passiert», sagt Cerny.

Durch das Abwarten sei schon wichtige Zeit verloren gegangen, Vorbereitungen für die Umsetzung der Massnahmen würden verzögert. Wichtig sei nun, vor allem in Hinsicht auf die Silvesterfeiern, eine Kontaktbeschränkung. «Man soll nicht zu viele Familien mischen, es sollen sich maximal Gäste von zwei Familien treffen. Zudem sollte man sich unbedingt testen, also das 2G+-Konzept anwenden», rät der Infektiologe. Omikron sei bereits infektiös, bevor sich Symptome entwickeln und durch die hohe Ansteckungsgefahr verbreite sich das Virus enorm effizient in Familien.

«Wir wissen nicht, wohin wir momentan fahren»

Auch Infektiologe Christian Garzoni kritisiert das Zögern des Bundesrats: «Die Situation ist gefährlich, instabil und unklar. Der Bundesrat müsste sofort handeln, er kann nicht einfach auf weitere Daten warten.» Man habe in den vergangenen Tagen gesehen, dass sich das Virus massiv verbreite. «Wir wissen nicht, wohin wir momentan fahren», so Garzoni.

Die Situation in den Spitälern sei schon schwierig genug, die Zahlen in der Deutschschweiz steigen seit Anfang Dezember. Die Hoffnung, dass der Omikron-Verlauf milder sei, bestehe zwar noch. Aber: «Es ist ganz klar, dass die Lage kritisch ist. Die Kantone oder der Bundesrat müssen nun reagieren.»

«Wir machen einen Tanz auf dem Vulkan»

Gesundheitspolitiker und Mitte-Nationalrat Lorenz Hess hingegen findet, dass der Entscheid des Bundesrates in Ordnung ist: «Wir fahren seit zwei Jahren relativ gut mit den milderen Massnahmen – da muss man auch den Mut haben, diese Linie während Silvester weiterzufahren.» Für den Nationalrat ist dennoch klar, dass die Silvesterfeiern noch höhere Fallzahlen mit sich bringen könnten – bereits jetzt verzeichnet die Schweiz so hohe Infektionszahlen pro Tag wie noch nie.

«Wir machen momentan sowieso einen Tanz auf dem Vulkan. Es wäre schon ein wahnsinniges Wunder, wenn diese Omikronwelle einfach an der Schweiz vorbeigehen würde», so Hess. Es müsse in den kommenden Wochen alles daran gesetzt werden, um einen Lockdown, wie er beispielsweise in Österreich oder Frankreich stattgefunden hat, zu verhindern. «Anstelle von Schliessungen befürworte ich gute Massnahmen – wie beispielsweise eine Kapazitätsgrenze für Personen in der Gastrobranche und in Läden», sagt Hess.

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