30.06.2020 09:53

Hat Contact Tracing versagt?

Infizierte standen nicht auf Flamingo-Liste

Die Clubs haben noch nicht lange geöffnet, und bereits hat Zürich mit dem ersten «Superspreader»-Event zu kämpfen. Das Tracing-System des Clubs scheint versagt zu haben, so standen zahlreiche falsche Angaben auf der Kontaktliste.

von
Bianca Lüthy
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Am letzten Samstag, knapp eine Woche nach dem «Superspreader»-Event, standen die Besucher vor dem Club Flamingo Schlange. Keiner trug eine Maske.

Am letzten Samstag, knapp eine Woche nach dem «Superspreader»-Event, standen die Besucher vor dem Club Flamingo Schlange. Keiner trug eine Maske.

Tamedia
Ein Mann, der den Zürcher Club Flamingo besuchte, wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Ein Mann, der den Zürcher Club Flamingo besuchte, wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

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Der Mann war am 21. Juni im Club an einer Party.

Der Mann war am 21. Juni im Club an einer Party.

20 Minuten

Darum gehts

  • Dem Club, wo das Coronavirus ausgebrochen ist, droht die Schliessung.
  • Die Kontaktliste des Clubs soll zahlreiche falsche Angaben enthalten haben.
  • Eine Bar in Spreitenbach, die mit dem Fall im Zusammenhang steht, hat bereits die Türen geschlossen.

Ists bald schon wieder vorbei mit Party machen? Nachdem im Zürcher Nachtclub Flamingo ein «Superspreader» mehrere Personen mit dem Coronavirus angesteckt hat, soll der Club die Türen bis am Sonntag schliessen. Das sieht eine superprovisorische Verfügung vor, wie es laut «Blick» heisst.

Auf der Contact-Tracing-Liste vom Flamingo standen laut Kantonsärztin Christina Meier diverse Fake-E-Mail-Adressen und falsche Telefonnummern. Zudem sei die Liste nicht vollständig gewesen. Der Partygänger Reto Hanselmann war am besagten Abend im Club, doch wurde er nicht über den Corona-Ausbruch im Flamingo informiert. Auch seine Angaben standen nicht auf der Kontaktliste.

Hat das Contact-Tracing-System der Nachtclubs versagt? Laut superprovisorischer Massnahme kann das Flamingo frühestens am 6. Juli den Clubbetrieb wieder aufnehmen. Der Betreiber des Clubs kann bis am Dienstagnachmittag zur Verfügung Stellung nehmen.

War ein Fehler im System schuld?

Cédric Schweri ist Pächter des Clubs und vermietet diesen an Betreiber Vito Macchia. Nach Angaben von Macchia zufolge hat der Club von allen Partygängern die Kontaktangaben verlangt. «Wir haben die Angaben der Leute elektronisch erfasst und beim Einlass kontrolliert, dass sie sich wirklich eingetragen haben. Ich kann mir nur vorstellen, dass es einen Systemfehler gegeben hat», so Macchia. Zu viele Leute seien demnach nicht eingelassen worden. Aber: «Einige wenige Freunde des Hauses kamen an dem Abend rein, ohne sich auf die Liste zu schreiben.» So kenne er vier der Corona-Infizierten persönlich.

«Es war ein grosser Fehler, doch weiss ich auch, dass die Personen nicht nur im Flamingo waren. Sie sind auch in andere Clubs gegangen», erzählt Macchia. Er kritisiert, dass die Gesundheitsdirektion ausschliesslich den Namen seines Clubs veröffentlicht hat. Die Zürcher Gesundheitsdirektion hingegen sagt, der «Superspreader» habe angegeben, nur im Club Flamingo gewesen zu sein.

Infektionsherd auch in Spreitenbach ausgemacht

Doch der Infektionsherd betrifft nicht nur Zürich, sondern auch eine Bar im Spreitenbach, wo sich 20 Personen mit dem Virus angesteckt haben. Am besagten Abend sollen sich in der Tesla-Bar 100 Menschen aufgehalten haben. Die Kontaktpersonen dieses Lokals versucht der Kanton Aargau nun zu eruieren. Die Bar habe man geschlossen, nachdem man vom Ausbruch gehört habe. Der Chef der Aargauer Bar ist selbst infiziert. Er und seine Angestellten befinden sich nun in Quarantäne.

Am Wochenende wurden von der Verwaltungspolizei 15 Betriebe kontrolliert, wovon 2 beanstandet wurden. Es würden jedoch lediglich Stichproben durchgeführt. Ob es zu Verzeigungen oder Schliessungen kommt, ist nicht bekannt. In der Clubszene will man sich zum ersten «Superspreader»-Event nicht äussern.

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