Pflege mit Corona: Infizierte müssen im Spital St. Gallen arbeiten
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Pflege mit CoronaInfizierte müssen im Spital St. Gallen arbeiten

Im Kantonsspital St. Gallen müssen laut einer Angestellten positiv getestete Mitarbeiter weiterarbeiten. Und das, obwohl kein Personalmangel herrscht.

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bsc/zos
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Im Kantonsspital St. Gallen müssen Angestellte trotz positivem Corona-Test weiterarbeiten.

Im Kantonsspital St. Gallen müssen Angestellte trotz positivem Corona-Test weiterarbeiten.

Keystone/Jean-christophe Bott
Das berichtet eine Pflegefachfrau vor Ort: Eine Angestellte musste trotz Corona nach 48 Stunden wieder bei der Arbeit erscheinen.

Das berichtet eine Pflegefachfrau vor Ort: Eine Angestellte musste trotz Corona nach 48 Stunden wieder bei der Arbeit erscheinen.

Keystone/Laurent Gillieron
Das Kantonsspital St. Gallen hält in den Richtlinien fest, dass erkrankte Angestellte mit milden Symptomen und ohne Fieber sich 48 Stunden isolieren sollen.

Das Kantonsspital St. Gallen hält in den Richtlinien fest, dass erkrankte Angestellte mit milden Symptomen und ohne Fieber sich 48 Stunden isolieren sollen.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Trotz eines positiven Corona-Tests muss eine Pflegefachfrau im Kantonsspital St. Gallen weiterarbeiten. Bei ihrer Arbeitskollegin Aurelia* sorgt das für Kopfschütteln. Nicht nur sei es riskant, sondern auch unnötig. Im Moment gäbe es genug Personal: «Wir arbeiten zurzeit zu zweit, statt wie üblich zu dritt.»

Denn die Mitarbeiter müssen Überstunden abbauen und Minusstunden generieren. So könnte dann im Fall eines Ansturms bis zu 60 Stunden pro Woche gearbeitet werden, erklärt Aurelia. Das Kantonsspital St. Gallen hat für einige Abteilungen auch bereits Kurzarbeit angefordert, wie ein internes Schreiben vom 1. April an die Mitarbeiter zeigt.

Ohne Symptome gehts zurück zur Arbeit

In ihrem eigenen Team arbeite niemand mit Corona, sagt Aurelia. Sie habe von dem Fall erfahren, weil sie in einer anderen Abteilung aushelfen musste. Die betroffene Pflegerin habe sich bei einem Patienten angesteckt, bei dem zu spät festgestellt wurde, dass er Corona hat. «Sie hat dann zwei Tage frei bekommen und in dieser Zeit das positive Testergebnis erhalten.»

Weil die Angestellte keine Symptome hat, musste sie nach zwei Tagen wieder zur Arbeit erscheinen. «Sie fühlt sich nicht wohl dabei», erklärt Aurelia. Auch die Teammitglieder der erkrankten Pflegerin hätten ein schlechtes Gefühl bei der Sache: «Wir verstehen nicht, wieso die kranke Kollegin kommen muss, während jemand Gesundes zuhause bleibt.»

10 Tage eine Maske tragen

Das Kantonsspital St. Gallen hält in den Richtlinien fest, dass erkrankte Angestellte mit milden Symptomen und ohne Fieber sich 48 Stunden isolieren sollen. Danach muss die Arbeit wieder aufgenommen werden, «wenn möglich mit Tragen einer chirurgischen Maske für 10 Tage seit Beginn der Symptome».

Damit hält sich das Spital an die Empfehlung von Swissnoso, dem nationalen Zentrum für Infektionsprävention. Dieses empfiehlt, erkranktes Gesundheitspersonal mit Maske weiterarbeiten zu lassen. Damit soll die Versorgung und Sicherheit der Patienten im Fall eines akuten Personalmangels gewährleistet werden.

Empfehlung ist nur Notlösung

Laut BAG sollen kranke Personen nicht arbeiten. Bei der Empfehlung von Swissnoso handle es sich um eine Notlösung für die ausserordentliche Lage aufgrund des Coronavirus. Diese soll «nicht angewendet werden, solange die Versorgung und Sicherheit der Patienten anders gewährleistet werden kann».

Im Kantonsspital St. Gallen herrscht aber noch kein Personalmangel: «Weil medizinische Eingriffe ausfallen, sind derzeit über 300 Betten frei. Deshalb halten wir das Personal dazu an, wenn möglich Überzeit abzubauen», heisst es auf Anfrage.

«Ist jemand leicht erkältet, kann er arbeiten»

Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspital verteidigt das Vorgehen des Spitals: «Ist jemand nur leicht erkältet, kann weiter gearbeitet werden. Es macht keinen Sinn, Personal einzusetzen, das die Abläufe nicht kennt.»

Die Standardmassnahmen würden dafür sorgen, dass die Patienten geschützt seien. «Es besteht daher kein erhöhtes Übertragungsrisiko», so der Sprecher. «Zudem müssen wir davon ausgehen, dass wir – wie alle Spitäler – auch medizinisches Personal mit nicht erkannter COVID-Infektion im Einsatz haben», sagt Lutz.

Doch die BAG-Richtlinien sagen klar, dass erkrankte Personen nur im äussersten Notfall arbeiten sollen. Und auch Andreas Widmer, Präsident von Swissnoso, sagt: «Die Richtlinien von St. Gallen entsprechen offensichtlich nicht unseren Empfehlungen.»

*Name geändert

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