Aktualisiert 08.10.2019 17:06

Kantonsspital FrauenfeldInfizierten Ärzte Frau mit gefährlichen Bakterien?

C. H.* musste im Spital Frauenfeld am Fuss operiert werden. Seither leidet sie unter starken Schmerzen. Das Spital nimmt zurzeit keine Stellung zu den Vorwürfen.

von
juu

Im Interview spricht C.H.* über ihr Leben mit den Schmerzen. (Quelle: 20 Minuten Video)

«Die Operation war ein riesiger Pfusch», behauptet C. H.* Die Thurgauerin leidet seit 2013 unter starken Schmerzen im linken Fuss. Zwei Jahre später konnte eine Diagnose gestellt werden: H. hatte eine Knochenzyste im dritten Mittelfussknochen. «Mein Knochenmark hatte sich aufgelöst. Es war nur noch eine dünne Knochenwand sichtbar, die irgendwann ohne Operation gebrochen wäre», erklärt die dreifache Mutter gegenüber 20 Minuten. Dies sei eine sehr seltene Erkrankung.

Am 29. Mai 2015 stand der vermeintlich rettende OP-Termin im Kantonsspital Frauenfeld an. Dabei wurde H. Knochenmark aus dem Schienbein entnommen und zusammen mit einem chemischen Gemisch im Mittelfussknochen eingesetzt. Für diesen Schritt musste man beide Knochen (Mittelfuss und Schienbein) mit einem Loch öffnen. «Ich hatte nach der Operation

sehr starke Schmerzen sowie einen blauen, geschwollenen Fuss», klagt die 46-Jährige. Laut H. nahmen die Ärzte darauf keine Rücksicht: «Mir wurde gesagt, dass es jetzt keine Beschwerden mehr geben kann. Sie gingen überhaupt nicht auf mich ein, und ich wurde als Simulantin dargestellt.» Das Spital äussert sich zurzeit nicht dazu.

Klinik bestätigt «gefährliches» Bakterium

Rund ein halbes Jahr später verwies sie ihr Hausarzt zum Fussspezialisten in die Klinik Rosenberg in St. Gallen. Dort stellten die behandelnden Ärzte fest, dass sich das aufgefüllte Knochenmark erneut verflüssigt hatte und es einen Trümmerbruch vom Mittelfussknochen her bis in die Fusswurzel gab.

Im Februar 2016 wurde H. erneut operiert, diesmal in einer Spezialklinik in Heiden. «Die Flüssigkeit wurde ausgeschabt und mein Schienbein erneut geöffnet, um Knochenmark von unterhalb des Knies zu transplantieren.» Da die Ärzte sich die Verflüssigung nicht erklären konnten, machten sie eine Biopsie. Das Ergebnis: In H.s Knochen wurde das Bakterium Propionibacterium acnes festgestellt.

20 Minuten liegt ein Schreiben der Orthopädie Rosenberg vor, das den Infekt bestätigt. Darin heisst es: «Der festgestellte Keim ist ein Hautkeim. Daher ist anzunehmen, dass dieser tendenziell auf dem operativen Weg in den Knochen gelangt ist.» Der Blutweg sei ebenfalls nicht ganz ausgeschlossen. H. behauptet: «Die Ärzte im Spital Frauenfeld haben mich mit dem gefährlichen Bakterium infiziert.» Ob sich dieser Vorwurf medizinisch beweisen lässt, ist jedoch offen.

Fussschmerzen, Hüftprobleme und Bandscheibenvorfälle

Um das Gelenk der Thurgauerin wieder zu stabilisieren, wurde ihr eine Platte mit insgesamt sechs Schrauben in den Fuss implantiert. «Seither sind drei meiner Zehen steif, und ich leide stark unter Gleichgewichtsstörungen», so H. Über Monate war sie auf Gehhilfen angewiesen. Danach habe sie das Gehen zuerst mit der Hilfe einer Physiotherapeutin wieder erlernen müssen. Doch richtig laufen kann sie bis heute nicht: «Spazieren gehen geht gar nicht mehr. Auch wenn ich längere Zeit stehe, werden meine Beine taub und fühlen sich wie gelähmt an.» Doch neben den Schmerzen im Fuss leidet die 46-Jährige an Hüftproblemen, Bandscheibenvorfällen, Rückenschmerzen und Belastungsproblemen. All dies führten mehrere Mediziner auf die Fehlbelastung des Fusses zurück.

Zudem führten die Schmerzen von H. dazu, dass sie ihren Job als Altenpflegeassistentin schweren Herzens aufgeben musste. Bis November 2018 habe sie noch auf dem Beruf gearbeitet, danach sei es nicht mehr aushaltbar gewesen. Seither ist sie auf amtliche Unterstützung angewiesen. «Ich habe seit diesem Sommer rund 2000 Franken vom Sozialamt bekommen. Nun werde ich von der Arbeitslosenversicherung unterstützt. Doch das Geld reicht vorne und hinten nicht», klagt die dreifache Mutter.

«Wir würden dazu stehen»

Ihre IV-Anträge wurden abgelehnt. Der Zeitung liegt ein Schreiben vor, in dem die IV-Stelle erklärt, dass eine leidensadaptierte Tätigkeit zumutbar wäre. Eine Umschulung werde H. aber nicht bezahlt. Die Thurgauerin ist ratlos.

Das Spital konnte auf Anfrage zurzeit keine Stellung nehmen, da dem Kantonsspital nicht die dazugehörigen Akten von der Klinik Rosenberg vorliegen. Wenn Frau H. eine offizielle Beschwerde einreiche und die Freigabe zu den dazu gehörigen medizinischen Akten gebe, werde man der Krankengeschichte nachgehen. «Sollte sich ein medizinisch begründetes Verschulden unsererseits effektiv ergeben, würden wir selbstverständlich dazu stehen», sagt Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG.

*Name der Redaktion bekannt.

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