Fall Hildebrand: Informatiker Reto T. und Anwalt Lei streiten weiter
Aktualisiert

Fall HildebrandInformatiker Reto T. und Anwalt Lei streiten weiter

Reto T., der die Screenshots von Hildebrands Devisenkonto erstellte, besteht darauf, dass seine Beziehung zu Hermann Lei «anwaltschaftlich» war. Derweil droht einem Staatsanwalt ein Straverfahren.

von
sry

Vergangene Woche wurde der Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei wegen Beihilfe zur Verletzung des Bankgeheimnisses schuldig gesprochen.

Gleichzeitig stellte die Zürcher Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn wegen Verletzung des Anwaltsgeheimnisses ein. Dagegen wehrt sich Reto T., einst IT-Mitarbeiter der Privatbank Sarasin. «Wir reichen Beschwerde ein gegen die Einstellungsverfügung», sagt T.s Anwalt Viktor Györffy im «SonntagsBlick».

«Lei verletzte das Anwaltsgeheimnis»

T. erfuhr im Oktober 2011 von den Dollargeschäften des damaligen SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand. Er erstellte Printscreens von dessen Sarasin-Konto – und legte sie Lei vor. «Mein Mandant hatte rechtliche Fragen. Er wäre nicht zu Herrn Lei gegangen, wenn dieser nicht Anwalt wäre», sagt der Anwalt von T., Viktor Györffy (45). Lei habe dann weitererzählt, was T. ihm anvertraute. «Lei verletzte das Anwaltsgeheimnis», sagt Györffy.

Anders sieht das die Zürcher Staatsanwaltschaft. Demnach waren Lei und T. Freunde, die sich informell austauschten. Folglich bestand keine anwaltschaftliche Beziehung, als T. ihm die Kontoauszüge zeigte, auf denen Hildebrands Devisengeschäft ersichtlich sind.

Diese Sicht schade der Schweiz, sagt Györffy im «SonntagsBlick»: «Für den Rechtsstaat ist es zentral, dass man mit einem Anwalt im Schutz des Anwaltsgeheimnisses vertraulich sprechen und ihn um Rat bitten kann – selbst in Fällen, in denen nachher kein Mandat zustande kommt.»

T. schildert im SonntagsBlick, dass er sich am 4. November mit Lei traf: «Ich ging zu ihm, weil ich rechtliche Hilfe suchte.» Drei Fragen habe er gestellt: Wie sind die Devisen-Geschäfte juristisch zu werten? Welche Wege gibt es, sie zu melden? Und hat er – T. – eine Meldepflicht? «Lei nahm sofort das Strafgesetzbuch zur Hand», sagt T. «Wie das jeder Anwalt tut.»

«Die Beziehung war anwaltschaftlich»

Gleichzeitig bot Lei an, die Printscreens aufzubewahren. Und versprach, bei einem Thurgauer Staatsanwalt abzuklären, ob Hildebrand womöglich Insider-Geschäfte tätigte. «Lei beriet mich, er bewahrte Papiere auf, und er nahm Abklärungen vor», sagt T. «Die Beziehung war anwaltschaftlich.»

Leis Anwalt Valentin Landmann widerspricht im «SonntagsBlick»: «Herr Lei bestreitet die Schilderung von T. Es bestand einzig eine kollegiale Beziehung.»

Staatsanwalt droht Strafverfahren

In einem Verfahren im Fall Hildebrand hat das Zürcher Obergericht am 27. September eine Ermächtigung für eine Strafuntersuchung gegen den verantwortlichen Staatsanwalt erteilt.

Es handelt sich um Umberto Pajarola, der das Verfahren gegen den Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid führt. Das Obergericht hält in seinem Entscheid fest, Pajarolas Verhalten sei «geeignet, den Verdacht auf eine Nötigungshandlung und damit Amtsmissbrauch zu begründen», wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Deshalb könne eine Strafuntersuchung gegen den Staatsanwalt «durchaus (…) auf die eine oder andere Seite Klarheit schaffen».

SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hatte Staatsanwalt Umberto Pajarola im April angezeigt. Pajarola habe ihn genötigt, einen Strafbefehl und damit eine Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe zu akzeptieren, schrieb Schmid in seiner Anzeige. Andernfalls drohten eine «markant» höhere Strafe und ein «Presserummel».

Pajarola bestreitet diesen Vorwurf, heisst es im noch nicht rechtskräftigen Entscheid des Obergerichts. Weil es sich beim Angezeigten um einen Beamten handelt, musste das Obergericht über die Anzeige und die Ermächtigung für eine Strafuntersuchung gegen ihn entscheiden, wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt.

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