Aktualisiert 06.02.2018 19:52

Ernährungstrend Superfood

Ingwer, Bulgur, Quinoa – die Importe explodieren

Trendige Lebensmittel werden wie wild importiert. Eine Expertin sieht den Hype um den Superfood kritisch.

von
the/daw
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Die Schweizer lieben Superfood wie Avocado oder Kichererbsen oder Ingwer.

Die Schweizer lieben Superfood wie Avocado oder Kichererbsen oder Ingwer.

Instagram/superfoodsberlin
Ein Blick in die Schweizer Importstatistik zeigt: Der Ingwer-Trend führt zu einer starken Zunahme der Einfuhr.

Ein Blick in die Schweizer Importstatistik zeigt: Der Ingwer-Trend führt zu einer starken Zunahme der Einfuhr.

Pexels
Auch die Avocado-Importe haben stark zugenommen. Ernährungsberaterin Stéphanie Bieler von Nutrinfo sieht dies kritisch: «Wenn die ganze Welt scharf auf Avocados ist, fördert das unter anderem Monokulturen – mit drastischen Folgen für das Ökosystem.»

Auch die Avocado-Importe haben stark zugenommen. Ernährungsberaterin Stéphanie Bieler von Nutrinfo sieht dies kritisch: «Wenn die ganze Welt scharf auf Avocados ist, fördert das unter anderem Monokulturen – mit drastischen Folgen für das Ökosystem.»

Mimalefi

Viele Schweizer setzen in der kalten Jahreszeit auf ein Wurzelgewächs, das noch vor kurzem eher ein Schattendasein in Grosis Tee fristete: Ingwer. Als Shot soll der Ingwersaft viele positive Wirkungen auf den Körper haben. Er soll das Immunsystem stärken, bei der Verdauung helfen und gegen Erkältungen und Kater wirken. Die Kunden kaufen die Regale leer (20 Minuten berichtete).

Ein Blick in die Importstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigt: Der Ingwer-Trend führt zu einer starken Zunahme der Einfuhr. Wurden im Jahr 2000 rund 264 Tonnen des Gewächses importiert, waren es letztes Jahr bereits über 2000 Tonnen. Drei Viertel der Importe des vergangenen Jahres stammen aus China, weitere 300 Tonnen kommen aus Peru.

Auch Quinoa und das Trend-Getreide Bulgur boomen. Sie sind vor allem wegen des hohen Eiweissgehalts beliebt. Die Importe haben sich in den letzten Jahren vervielfacht, genau wie diejenigen von Couscous.

Auch andere Lebensmittel kommen in immer grösseren Mengen in den Detailhandel: Von der als sehr gesund geltenden Avocado wurden letztes Jahr 14'000 Tonnen importiert, im Jahr 2000 waren es noch 3740 Tonnen. Der Grossteil der Früchte stammt aus Chile, Peru und Spanien. Auch die Importe von Mangos und Granatäpfeln, deren Kerne immer häufiger im Salat der Schweizer landen, sind regelrecht explodiert.

Für andere Superfoods wie Goji-Beeren oder Chia-Samen ist keine Aussage möglich, da der Zoll diese Lebensmittel in einer Kategorie mit vielen anderen Waren erfasst.

«Goji-Beeren als Statement»

Ernährungsberaterin Stéphanie Bieler von Nutrinfo sieht mehrere Gründe für den Import-Boom: «Durch das veränderte Reiseverhalten kommen immer mehr Schweizer mit exotischen Lebensmitteln in Berührung – und sei es nur über den Instagram-Post eines Freundes.» Überhaupt spiele Ernährung in den sozialen Medien eine wichtige Rolle: «Esse ich Goji-Beeren, ist das ein Statement.»

Bieler sagt, der Boom habe auch seine Schattenseiten: «Es macht überhaupt keinen Sinn, ein bestimmtes Lebensmittel zu hypen. Das ist vor allem geschicktes Marketing.» Vielmehr komme es darauf an, sich möglichst abwechslungsreich zu ernähren.

«Baumnüsse und Leinsamen werden unterschätzt»

Auch mit einheimischen Lebensmitteln lasse sich die erforderliche Menge an Nährstoffen und Vitaminen problemlos abdecken. «Unterschätzt sind beispielsweise Baumnüsse mit ihren wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Leinsamen wiederum haben sehr ähnliche Eigenschaften wie Chia-Samen», so Bieler. Holunderbeeren seien wegen ihres dunklen Farbstoffs genial.

Zugleich gehe schnell vergessen, dass ein Boom im Erzeugerland negative Konsequenzen haben könne. «Wenn die ganze Welt scharf auf Avocados ist, fördert das unter anderem Monokulturen – mit drastischen Folgen für das Ökosystem.»

Hoher Wasserverbrauch und höhere Preise

So berichten Umweltschützer von illegalen Rodungen in Mexiko für den Anbau des grünen Goldes. Zudem ist der Wasserverbrauch der Plantagen enorm. Laut Greenpeace-Sprecher Yves Zenger kann der Boom auch negative Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung in den Erzeugerländern haben: «Weil die Nachfrage nach Quinoa so gross war, stieg der Preis von Quinoa. Die ärmsten Einheimischen können es sich plötzlich nicht mehr leisten.» Das sei eine ungesunde Entwicklung und alles andere als nachhaltig.

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