Interview mit Mario Roncoroni: «Inkassobüros wollen einfach nur Geld sehen»
Aktualisiert

Interview mit Mario Roncoroni«Inkassobüros wollen einfach nur Geld sehen»

Seit 25 Jahren unterstützt die Berner Schuldenberatung Leute in den Miesen. Leiter Mario Roncoroni über arme Menschen, unerbittliche Gläubiger und unfaire Inkassobüros.

von
Nina Jecker
Berns Schuldensanierer Mario Roncoroni. (Foto: Alessandro Meocci)

Berns Schuldensanierer Mario Roncoroni. (Foto: Alessandro Meocci)

Was hat sich in den letzten 25 Jahren verändert?

Mario Roncoroni: Gegründet wurde die Stelle wegen zunehmender Bankschulden. Heute stehen hingegen vier von fünf Klienten beim Fiskus in der Kreide. Auch die Krankenkassenrechnung können viele nicht bezahlen.

Was bedeutet diese Verlagerung?

Die Schulden bei der Krankenkasse sind für Schuldner und Berater äusserst mühsam, weil die Kassen oft nicht zu einem vernünftigen Dialog bereit sind. Zudem können sie einen Leistungsaufschub anordnen.

Welche Trends machen Ihnen ausserdem Sorgen?

Immer häufiger übergeben Gläubiger das Eintreiben der Schulden an Inkassobüros. Diese wollen dann einfach Geld sehen, alles andere interessiert nicht.

Das heisst?

Schulden können sich durch Inkassounternehmen vervielfachen. Ein besonders krasses Beispiel aus unserer Praxis: Das Inkassobüro verlangt 700 Franken – offen waren ursprünglich nur 70 Franken.

Was würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?

Dass das Inkasso künftig we­niger unerbittlich betrieben wird und man armen Haushalten wieder mehr Luft zum ­Atmen lässt.

Berner Schulden: Zahlen und Fakten

Die Anzahl der Hilfe­suchen­den auf der Berner Schuldenberatung stieg in den letzten Jahren stetig: 2009 ­wurden noch 741 Erstberatungen am Telefon durchgeführt und 368 Dossiers eröffnet; 2010 ­waren es schon 1079 Anrufer und 557 Dossiers. Im Schnitt waren die Berner letztes Jahr mit 80 000 Franken pro Haushalt in den Miesen. Insgesamt beschäftigten sich die Berner Berater mit einer Schuldensumme von satten 44,5 Millionen Franken.

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