Nati-Captain: Inler feiert gegen Litauen ein Jubiläum
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Nati-CaptainInler feiert gegen Litauen ein Jubiläum

Gökhan Inler bestreitet gegen Litauen sein 80. Länderspiel. Damit klettert er im Ranking der Spieler mit den meisten Spielen für die Schweizer Nati nach oben.

von
Eva Tedesco

Gökhan Inler steigt im illustren Kreis der Spieler mit den meisten Länderspielen für die Schweiz auf. Mit der Partie gegen Litauen kommt der 30-jährige Mittelfeldspieler auf 80 Partien. Gleich viele wie Severino Minelli, der an den Weltmeisterschaften 1934 und 1938 teilnahm. Angeführt wird das Ranking von Heinz Hermann mit 118 Partien vor Alain Geiger (112) und Stéphane Chapuisat (103). Nur noch vier Einsätze trennen den aktuellen Nati-Captain nach dem Litauen-Spiel von seinem Vorgänger Alex Frei (84), von dem er das Amt am 23. April 2011 übernommen hat und bereits 1302 Tage mit konstantem Elan und viel Verantwortungsgefühl ausübt.

Trotz 186 Wochen als Nati-Captain, Teilnahmen an der EM 2008 und den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 und 79 Länderspielen passiert es immer noch, dass der defensive zentrale Mittelfeldspieler unterschätzt wird. Natürlich tragen seine kommunikativen Schwächen dazu bei. Intern spielen sie keine Rolle, da ist er unumstritten der Chef. Die Spieler hören auf den ruhigen, unaufgeregten und überlegten Routinier. Sie spielen auch keine Rolle, weil er intern das Reden nicht allein übernehmen will. Bei Inler sollen alle mitreden können.

Teamgeist ist für Inler der Weg zum Erfolg. «Wir sind stark, so lange sich jeder als der Teil der Gruppe sieht», sagt er und lebt es in der Gruppe vor. Inler stellt seine Interessen nie über die der Mannschaft, aber er stellt sich stets vor die Mannschaft, wenn es darauf ankommt, wie in der Qualifikation für die WM 2014, als das Team ohne seinen Captain vier Treffer gegen Island kassierte und vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Norwegen unruhig wurde. Und er dient als Sohn türkischer Eltern mit Schweizer Pass im Team mit grossem Secondo-Anteil als Identifikationsfigur.

Das Privatleben ist praktisch tabu

Sein Leben neben dem Fussball ist Inler heilig und darüber spricht er auch nicht viel. Seine Bezugspersonen sind seine Freundin Raquel, mit der er ausserhalb von Neapel lebt, seine Familie – insbesondere seine Mutter –, einige wenige enge Freunde und auch sein Manager, der ihn seit vielen Jahren begleitet. Momente der Ruhe neben dem alltäglichen Training, den Spielen und den vielen Reisen sind ihm sehr wichtig und diese Momente nimmt er sich auch.

Dazu zählt auch die Entspannung auf dem Boot – das Meer hat Inler vor der Haustür. Zudem lange Spaziergänge mit seinen Hunden, der Besuch der Hundeschule und Abstecher in die Stadt, wenn auch nicht häufig. Nie bleibt er unerkannt. Inler interessiert sich dabei für die Geschichte Neapels, wie sich die Stadt entwickelt hat und natürlich auch für Themen rund um den Hausberg Vesuv.

Fähigkeiten neben dem Platz und Eitelkeit

Seine Talente liegen im Planen und in der Organisation. Dabei geht er ins Detail und überlässt nichts gerne dem Zufall. Inler ist einer, auf den man sich verlassen kann und nichts ist ihm mehr zuwider, als wenn er das nicht in gleichem Mass von anderen erwarten kann.

Der 30-Jährige legt Wert auf die richtige Ernährung, wobei ein Teller Pasta vor den Spielen dazugehört, damit der Kohlehydrat-Speicher voll ist. Gesunde Kost, Hygiene und Körperpflege gehören zu den Pflichten für den Profi, zumal der Körper eines Spitzensportlers sein Kapital ist. Für die mentale Fitness betreibt er Yoga oder sucht Kraft in der Meditation.

Keine spezielle Spielvorbereitung

Rituale, wie sie viele Spieler haben, pflegt Inler nicht. Er muss sich lediglich darauf verlassen können, dass seine Ausrüstung komplett und ordentlich auf seinem Platz in der Kabine ist. In der unmittelbaren Spielvorbereitung versucht er sich möglichst viel zu entspannen, egal ob im Flugzeug, im Hotel oder auf der Fahrt zum Stadion. Oftmals hört er Musik, um Ruhe zu haben. Wichtig ist ihm auch die Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe, um der Mannschaft - als Nati-Captain umso mehr - helfen zu können. In Gedanken geht er die letzten Trainings durch, die Vorgaben und Worte des Trainers aus der Teamsitzung und er holt sich erfolgreiche Szenen aus der Vergangenheit in Erinnerung, um mit positiven Gedanken ins Spiel zu gehen.

Und das wird er auch am Samstag in St. Gallen so handhaben. Zum 80. Mal für die Schweiz und zum 33. Mal als Captain der Nationalmannschaft.

Gökhan Inler über seine Länderspiel-Karriere

«Ich bin sehr stolz, dass ich für die Schweiz spielen darf und dankbar, dass der Verband, die Trainer und Mannschaftskollegen mich auf diesem Weg unterstützt haben. Ich hatte mich, wie vielleicht noch einige wissen, bereits für die Türkei entschieden gehabt. Als der damalige Nati-Coach Köbi Kuhn erfahren hat, dass das nicht geklappt hat, suchte er das Gespräch mit mir. Dass er den Schritt auf mich zu gemacht hat, und sein Vertrauen waren ausschlaggebend, dass ich mich für die Schweiz entschieden habe.

An mein erstes Spiel 2006 gegen Venezuela und an mein erstes Tor im März 2007 in Fort Lauderdale gegen Jamaika. Meine Spiele an der EM und den WM-Endrunden zähle ich zu den Highlights. Ich werde weiterhin das volle Pensum geben. An das 100. Spiel denke ich noch nicht. Ich mache weiter wie bisher: Step by step.»

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