Knaller in São Paulo: Inler, Messi und die Last der Geschichte
Aktualisiert

Knaller in São PauloInler, Messi und die Last der Geschichte

«Respekt, aber keine Angst.» Gökhan Inler will am Dienstag die historische Chance packen und erstmals seit 60 Jahren in einen WM-Viertelfinal einziehen.

von
S. Compagno und E. Tedesco
São Paulo

Über die Favoritenrolle muss vor diesem Spiel zwischen der Schweiz und Argentinien nicht diskutiert werden. «Es wird ein spezielles Spiel gegen einen Top-Favoriten», sagt Gökhan Inler. Der Nati-Captain wurde an der Medienkonferenz vom Montagnachmittag gefragt, ob er die Last der Geschichte auf den Schultern spüre, schliesslich würde die Schweiz mit einem Sieg ihren grössten Erfolg der Fussball-Neuzeit feiern: «Wir haben Respekt vor Argentinien, aber keine Angst. Wir wissen: Wenn es passiert, dann schreiben wir Geschichte!»

Die Last der Geschichte spürt auch Gegner Argentinien. Vor allem die Statistik lässt manchen Fan der Gauchos etwas ratlos zurück: 28 Jahre ist es her, dass die Argentinier an einer WM ein «Alles-oder-nichts»-Spiel gegen einen europäischen Kontrahenten in der regulären Spielzeit gewinnen konnten. Der letzte Sieg datiert vom 29. Juni 1986, als Diego Maradona die «Albiceleste» in Mexiko zum 3:2-Finalsieg gegen Deutschland und zum zweiten Weltmeistertitel nach 1978 führte.

Beide Teams in der Abwehr anfällig

25-jährig war Maradona damals, der heute 27-jährige Lionel Messi gilt als sein legitimer Erbe. Weniger Spielmacher zwar, dafür mehr Vollstrecker, ist der Superstar vom FC Barcelona der Mann, den es zu stoppen gilt, will die Schweiz die Fussball-Welt staunen lassen und in den Viertelfinal einziehen.

Beide Mannschaften haben ihre Stärken in der Offensive, ihre verwundbaren Punkte im Abwehrzentrum. Das Ziel der Schweizer Defensive wird sein, Lionel Messi auf Distanz zu halten: Inler und Behrami vor der Abwehr sowie die Aussenverteidiger Lichtsteiner und Rodriguez werden ein Netz spannen, hinter dem Djourou und Schär im Idealfall nur noch ein paar hohe Bälle (gegen nicht sehr gross gewachsene Gauchos) zu klären haben.

Kein Vergleich zur Spanien-Sensation

«Probleme sind da, um gelöst zu werden. Ich habe Vertrauen in meine Abwehr», sagt Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Ein Spiel wie am 16. Juni 2010 in Durban, als eine ultradefensive Schweiz die favorisierten Spanier mit 1:0 bezwang, erwartet Hitzfeld nicht mehr: «Man kann die beiden Mannschaften nicht miteinander vergleichen. Zudem stehen mir heute andere Mittel zur Verfügung, die ich anwenden kann.»

Xherdan Shaqiri ist so ein Mittel. 2010 war er 18, heute ist er 22 und nähert sich seinem Leistungszenit. Shaqiri muss seine Freiheiten im Zentrum so nutzen wie beim 3:0 gegen Honduras. So gross der Respekt der Schweizer vor Lionel Messi ist, so wiesen die Argentinier in den letzten Tagen auch immer wieder auf die Qualitäten Shaqiris hin. «Ihm dürfen wir keinen Platz lassen», sagt Javier Mascherano, der Scheibenwischer vor der argentinischen Viererkette und Meister des taktischen Fouls.

Argentinien hat schlechte Erinnerungen an europäische Gegner, die Schweiz hat schlechte Erinnerungen an Argentinien: Noch nie konnte eine SFV-Auswahl gegen die «Albiceleste» gewinnen: 4 Niederlagen, 2 Unentschieden in 6 Spielen, Tordifferenz 3:14 ...

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