Aktualisiert 08.12.2008 15:10

Martha «Sunny» von BülowIns Koma gespritzt oder getrunken?

Nach 28 Jahren im Koma ist Martha «Sunny» von Bülow in New York gestorben. Bis heute ist unklar, was ihren Zustand verursachte. Ehemann Claus von Bülow wurde vom Mordverdacht freigesprochen, doch die Zweifel bleiben.

«Sunny», wie sie wegen ihres sonnigen Gemüts genannt wurde, war eine Ikone der High Society, eine Millionenerbin, die nach Hochzeiten mit Männern aus Europa einen altehrwürdigen Namen trug. Doch sie endete im Koma: nach Überzeugung der Geschworenen, weil Claus von Bülow ihr Insulin spritzte. Das Gericht verurteilte ihn 1982 nach einem spektakulären Prozess zu 30 Jahren Gefängnis, doch im Berufungsverfahren wurde er freigesprochen. Die Verteidigung porträtierte Martha von Bülow als eine von Alkohol und Medikamenten abhängige Frau, die sich selbst ins Koma getrunken habe.

Harvard-Rechtsprofessor Alan Dershowitz hatte von Bülow im zweiten Prozess beraten und den Fall im Buch «Reverse of Fortune» geschildert, das mit Glenn Close und Jeremy Irons verfilmt wurde und Irons den Oscar einbrachte. Claus von Bülow, ein Brite mit dänischer und deutscher Herkunft, lebe jetzt in London und kümmere sich um seine Enkel. «Es ist das traurige Ende einer Tragödie, die einige Leute zu einem Verbrechen machen wollten», sagte Dershowitz. «In einem solchen Fall gibt es keinen Gewinner. Ich bin froh, dass ich eine Rolle dabei spielte, dass die strafrechtliche Verurteilung aufgehoben wurde.»

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Claus von Bülow habe seine Frau loswerden wollen, um an ihr Geld zu kommen und seine Geliebte heiraten zu können. Er habe «Sunny» darum 1979 und noch einmal 1980 Insulin gespritzt. Tatsächlich erlitt sie 1979 einen Zusammenbruch, von dem sie sich wieder erholte, doch am 21. Dezember 1980 wurde sie leblos im Badezimmer ihres Anwesens in Newport aufgefunden. Sie erwachte nie mehr aus dem Koma. Zu den Zeugen im Prozess gehörten der Schriftsteller Truman Capote und Joanne Carson, die Ehefrau des Fernsehmoderators Johnny Carson.

Von Stiefkindern angeklagt

Claus von Bülows erbittertste Ankläger waren die Kinder aus der ersten Ehe seiner Frau, Prinzessin Annie Laurie von Auersperg-Kneissl und Prinz Alexander von Auersperg. Sie erneuerten 1985 ihre Vorwürfe gegen ihren Stiefvater einen Monat nach dessen Freispruch in einem Zivilprozess. Claus und Martha von Bülow hatten eine Tochter, Cosima, die einen italienischen Grafen heiratete und in London lebt.

Zwei Jahre später erklärte von Bülow den Verzicht auf alle Ansprüche auf das bis 40 Millionen Dollar geschätzte Vermögen seiner Frau. Er stimmte einer Scheidung zu, verliess die USA und zog keinen Profit aus der Sensationsgeschichte. Auch gegenüber der britischen Zeitung «The Times» wollte er sich nicht mehr zum Fall äussern. «Meine Tochter und ich sind sehr traurig», sagte von Bülow einzig.

Bis zuletzt habe er gehofft, seine Frau könne dank medizinischem Fortschritt geheilt werden, berichtete die «Times» unter Berufung auf einen «engen Freund». Doch Martha von Bülow starb in einem Pflegeheim. Ihr Arzt sagte in einem der Prozesse aus, im ersten Jahr - 1981 - hätten die Pflegekosten 375 000 Dollar betragen. Für die Folgejahre sind keine Zahlen bekannt, in den 90er Jahren dürften aber rund 1500 Dollar am Tag – 547 000 Dollar im Jahr - plus 200 000 bis 300 000 Dollar für Pflege rund um die Uhr angefallen sein.

Erste Heirat mit mittellosem Adligen

Von Bülow wurde am 1. September 1931 als Martha Sharp Crawford in Pittsburgh geboren. Ihr Vater, der Energie-Milliardär George Crawford, starb, als sie vier Jahre alt war. Auf einer Europareise 1957 lernte sie Prinz Alfred von Auersperg kennen - einen mittellosen Adeligen, der als Tennislehrer in einem österreichischen Hotel arbeitete. Sie heirateten im gleichen Jahr. 1965 kam die Scheidung, nachdem Martha alleine mit ihren beiden Kindern nach New York zurückgekehrt war. Ein Jahr später heiratete sie von Bülow, der danach seinen Job als Mitarbeiter des Ölmilliardärs J. Paul Getty aufgab.

(pbl/ap)

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