Bundesrat winkt ab: Insekten sollen nicht auf den Teller kommen
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Bundesrat winkt abInsekten sollen nicht auf den Teller kommen

Der Bundesrat will Insekten nicht als Lebensmittel zulassen. Denn diese könnten giftig sein, Allergien auslösen oder Krankheiten übertragen.

von
dp
«Der Verzehr von Insekten sorgt für eine genügende Proteinzufuhr und gleicht so die mangelnde Verfügbarkeit von Fleisch aus», sagt die GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley.

«Der Verzehr von Insekten sorgt für eine genügende Proteinzufuhr und gleicht so die mangelnde Verfügbarkeit von Fleisch aus», sagt die GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley.

Gegrillte Grillen, knusprige Heuschrecken, karamellisierte Mehlwürmer – das verschlägt dem Bundesrat den Appetit. Zwar sei der Konsum von Insekten nicht verboten, schreibt er in der Antwort auf die Interpellation der grünliberalen Nationalrätin Isabelle Chevalley. Auch begrüsse er die Bestrebungen, Alternativen für eine nachhaltige Ernährung zu finden.

Doch die Abgabe und das Anbieten von Insekten als Lebensmittel sei nicht erlaubt – und soll auch nicht erlaubt werden: «Bis heute fehlen verlässliche Daten, die aufzeigen, dass die zum Verzehr vorgesehenen Insekten keine giftigen Substanzen enthalten, die die Gesundheit schädigen können», so der Bundesrat. Es fehlten auch verlässliche Daten, ob die Proteine der Insekten allergisch wirken könnten und ob durch den Konsum Krankheiten auf den Menschen übertragen werden können.

«Meeresfrüchte und Pilze sind ebenfalls gefährlich»

Chevalley, die selber schon Larven und Mehlwürmer gegessen hat, findet die Antwort des Bundesrates absurd: «Seit Millionen Jahren essen Milliarden von Menschen Insekten. Und jetzt hat man Angst vor Allergien?» Wie viele Menschen seien auf Pilze und Meeresfrüchte allergisch und würden sogar davon sterben. Dennoch verbiete man diese nicht. Auch die Angst vor Krankheitsübertragungen und giftigen Substanzen sei lächerlich: «Die Insekten würden ja gezüchtet und nicht auf der freien Wildbahn eingefangen.»

Aufgeben will Chevalley aber nicht. Sie plant bereits einen weiteren Vorstoss, mit dem Ziel, Insekten als Lebensmittel kaufen zu dürfen.

Vorbild ist Belgien, wo im Dezember letzten Jahres zehn Insektenarten als Lebensmittel zugelassen wurden.«Der Verzehr von Insekten sorgt für eine genügende Proteinzufur und gleicht so die mangelnde Verfügbarkeit von Fleisch aus», sagt die Waadtländerin. Pro Hektare könnten viel mehr Insekten- als Tierproteine hergestellt werden.

Insekten-Snack im Bundeshaus

Nun will Chevalley ihren Parlamentarierkollegen die Tierchen schmackhaft machen. Am 10. März offeriert sie im Bundeshaus einen Insekten-Snack.

Unterstützt wird Chevalley von den Gründern des Start-ups EntoMonde aus der Ostschweiz. Es entwickelt zurzeit eine Zuchtbox, die es Interessierten erlauben soll, zu Hause legal Insekten für den privaten Konsum zu züchten. Die Produktion von Insekten sei sowohl sozial, ökologisch als auch ökonomisch nachhaltiger als die anderer Tiere.

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