09.01.2016 12:44

Schau, schau!Insekten tragen Brillen für die Forschung

Um herauszufinden, ob Gottesanbeterinnen räumlich sehen können, setzten ihnen Forscher kurzerhand 3-D-Brillen auf. Das Ergebnis ist eindeutig.

von
fee

Dass Fangschrecken wie die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ein gutes Auge haben, ist bekannt. Ob sie dreidimensional sehen können, war allerdings bisher nicht erwiesen. Denn die Wahrnehmung von Raumtiefe entsteht erst durch die Informationsverarbeitung im Gehirn – und damit nicht unbedingt vor den Augen von Forschern.

Britische Wissenschaftler haben sich des Themas nun angenommen – auf recht spektakuläre Weise: Aus winzigen Farblinsen bastelte das Team um Jenny Read von der Newcastle University kleine 3-D-Brillen und klebten diese den Tieren mit Bienenwachs auf die Augen. Dann befestigten die Forscher die Insekten kopfüber an einer speziellen Apparatur (siehe Video unten) und platzierten sie vor einen Bildschirm, auf dem sich Farbkreise bewegten. In Kombination mit der «Brille» führte dies zu einem 3-D-Effekt.

Schnappen als Bestätigung

Kung-Fu-Gottesanbeterin gegen Springspinne

Nach einigen Durchgängen mit Brille führten die Forscher den Versuch noch einmal durch. Dieses Mal aber mit unbebrillten Probanden.

Der Vergleich der Reaktionen zeigte: Nur wenn durch die Brillen ein 3-D-Effekt entstand – die Kreise also gleichsam aus dem Bildschirm hervortraten – schnappten die Insekten mit ihren Fangarmen nach den Ködern. Auf rein zweidimensionale Bewegungsreize reagierten sie hingegen nicht, schreiben Read und ihre Kollegen in den «Scientific Reports».

Die Erkenntnisse sollen laut Mitteilung helfen, die 3-D-Tiefenwahrnehmung von technischen Systemen wie Computern oder Robotern zu verbessern.

Nun ist es offiziell: Insekten können dreidimensional sehen.

(Video: Youtube/Newcastle University)

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