Gondiswil BE: Insektenparadies muss Rasen weichen – zahllose Tiere verlieren Zuhause 

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Gondiswil BEInsektenparadies muss Rasen weichen – zahllose Tiere verlieren Zuhause 

Nicole Heimgartners Naturgarten in Gondiswil war eine Oase für zahllose Insekten und Vögel. Nun aber muss die Familie ihr Daheim verlassen – und den Garten zurückbauen. 

von
Simon Ulrich
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In den besten Jahren hat Heimgartner etwa 8000 Schmetterlinge aufgezogen und in die Freiheit entlassen. Das Bild zeigt ein Schwalbenschwanz-Männchen. 

In den besten Jahren hat Heimgartner etwa 8000 Schmetterlinge aufgezogen und in die Freiheit entlassen. Das Bild zeigt ein Schwalbenschwanz-Männchen. 

Nicole Heimgartner 
Von Jahr zu Jahr haben sich neue Falter-Arten auf der Biodiversitätsfläche niedergelassen.

Von Jahr zu Jahr haben sich neue Falter-Arten auf der Biodiversitätsfläche niedergelassen.

Nicole Heimgartner
Heimgartners Naturgarten war ein Paradies für zahllose Tiere. Bild: Teich mit Holz, Wasserdost, Nachtkerze, Blutweiderich, Wasserminze und vielem mehr.

Heimgartners Naturgarten war ein Paradies für zahllose Tiere. Bild: Teich mit Holz, Wasserdost, Nachtkerze, Blutweiderich, Wasserminze und vielem mehr.

Nicole Heimgartner 

Darum gehts

  • Nicole Heimgartner (39) muss ihren prächtigen Naturgarten in Rasen zurückverwandeln. 

  • Der Grund: Die Bernerin und die Vermieterin hatten andere Vorstellungen davon, wie die häusliche Umgebung auszusehen hat.

  • Nun können bei Heimgartner in Gondiswil allerhand Pflanzen ausgegraben werden. 

Ob Beinwell oder Eisenkraut, Zitronenmelisse oder Königskerzen, wilde Karde oder koreanische Minze: Was bei Nicole Heimgartner in Gondiswil BE noch bis kommenden Freitag kostenlos an Stauden und Sträuchern bezogen werden kann, lässt die Herzen von Pflanzenliebhaberinnen und Pflanzenliebhabern höher schlagen. Der Grund für die Gratis-Abgabe ist indes kein freudiger: Heimgartner und ihre Familie müssen bis spätestens Ende 2023 ihren üppigen Naturgarten in Rasenfläche umgewandelt und das ehemalige Bauernhaus, in dem sie zur Miete wohnen, verlassen haben. 

«Leider hatten die Vermieterin und wir unterschiedliche Vorstellungen, wie der Umschwung des Hauses aussehen soll», sagt Heimgartner zu 20 Minuten. Im vergangenen Herbst erhielt die 39-Jährige die Kündigung. Seither hat sie ihr Naturparadies nach und nach zurückgebaut – was ihr sehr schwerfiel: «Es hat mir das Herz zerrissen.» Bereits im letzten Oktober waren nach einem Aufruf auf ihrer Facebook-Seite «1000 und 1 Flügelschlag» Freunde und Bekannte vorbeigekommen und hatten Mutterpflanzen und Naturmodule ausgebuddelt, um diesen bei sich zuhause ein zweites Leben zu schenken. Dass die Pflanzen an anderen Orten nun wieder Lebensraum schaffen, ist für Heimgartner zwar ein Trost. Beim Anblick der Löcher im Boden überkamen sie aber die Emotionen: «Zwischendurch liefen mir die Tränen nur so herunter und ich musste mich kurz ins Haus zurückziehen. Es war echt hart.»

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8000 Schmetterlinge pro Jahr geschlüpft

Kein Wunder: Während über zwölf Jahren hat die Oberaargauerin den rund 450 Quadratmeter umfassenden Garten gepflegt und umgestaltet. Die unzähligen Sträucher, Beete, Naturmodule und das Biotop boten Insekten, Vögeln, Igeln, Reptilien und Amphibien ein Zuhause. Heimgartners grösste Leidenschaft galt aber schon immer den Schmetterlingen: «In den Spitzenjahren habe ich bis zu 8000 Raupen aufgezogen.» Von Jahr zu Jahr hätten sich neue Falter-Arten auf der Biodiversitätsfläche niedergelassen. Die dreifache Mutter bot sogar Schmetterlingskurse an und führte Schulklassen und Vereine durch ihre grüne Oase. Deren Verschwinden sei nicht nur für sie selbst, sondern auch für die vielen Tiere ein Verlust: «Sie müssen sich nun ein neues Daheim suchen.» 

Ein solches haben die Heimgartners bislang noch nicht gefunden. Um mögliche Differenzen mit dem Vermieter über die häusliche Umgebung zu umgehen, habe man ursprünglich ein Eigenheim kaufen wollen, sagt die Natur- und Schmetterlingsfreundin. Angesichts der aktuellen Immobilienpreise und beschränktem Eigenkapital werde das aber kein leichtes Unterfangen. «Mittlerweile ziehen wir daher auch ein neuerliches Miethaus in Betracht.» Ob sich in diesem Fall aber wieder die Möglichkeit zum Bau eines Naturgartens bietet, ist ungewiss.  

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