Nach Atrillerie-Angriff: Inselbewohner flüchten in Panik
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Nach Atrillerie-AngriffInselbewohner flüchten in Panik

Die Bewohner der südkoreanischen Insel Yeonpyeong waren nach dem Angriff der Nordkoreaner in Todesangst. Scharen rannten zum Hafen und versuchten mit einer Fähre zu fliehen.

Auf der kleinen südkoreanischen Insel Yeonpyeong ist eigens ein Truppenkontingent stationiert, um die nahegelegene, von Nordkorea angefochtene Seegrenze zu verteidigen. Der nordkoreanische Artillerie-Angriff auf die Insel traf die Bewohner am Dienstag trotzdem völlig unerwartet.

In Panik flüchteten sie sich in Bunker, als dutzende Granaten auf Yeonpyeong niedergingen. Andere liessen alles stehen und liegen, um eine der letzten Fähren zum Festland zu erreichen. Von «Todesangst» berichten die Inselbewohner und können es nicht fassen, dass ihre kleine Insel zum Brennpunkt des seit Jahrzehnten schwelenden Konflikts mit Nordkorea wurde.

Scharen rannten zum Hafen um zu fliehen

«Blitze und ein Donnern waren an verschiedenen Stellen in unserem Dorf zu sehen», berichtet Woo Soo Woo in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. «Verängstigte Dorfbewohner eilten zu nahe gelegenen Luftschutzräumen, während andere in Scharen zum Hafen rannten, um zu fliehen.»

Auch Woo hetzte ohne langes Überlegen zum Hafen und rettete sich mit einer Fähre in die grosse Hafenstadt Incheon auf dem südkoreanischen Festland. Der 62-jährige Besitzer einer Pension ist immer noch geschockt. Auf Yeonpyeong sei noch nie ein Granatangriff verübt worden.

Durch den Beschuss wurden zwei südkoreanische Soldaten getötet. 15 Weitere wurden verwundet, auch drei Zivilisten erlitten Verletzungen.

Gefährliche Lage

Die sieben Quadratkilometer grosse Insel, die von etwa 1600 Zivilisten bewohnt wird, ist wegen ihrer Lage gefährdet. Sie befindet sich im Gelben Meer in der Nähe der Seegrenze, welche die Vereinten Nationen nach dem Ende des Korea-Kriegs 1953 gezogen hatten.

Nordkorea erkannte die Grenze nie an. Immer wieder gab es in dem Gebiet zwischen den beiden koreanischen Staaten Scharmützel bis hin zu Seeschlachten.

Zur Sicherung der Insel und der umliegenden Gewässer ist auf Yeonpyeong ein südkoreanisches Truppenkontingent stationiert. Unmittelbar vor dem nordkoreanischen Artillerie-Angriff hätten die südkoreanischen Soldaten eine Militärübung abgehalten, sagt Woo.

Auf Fähre geflüchtet

Die 52-jährige Inselbewohnerin Han Mi Soon erzählt der Nachrichtenagentur Yonhap nach ihrer Flucht nach Incheon, dass sie den nordkoreanischen Granatenbeschuss erst für eine Militärübung gehalten habe.

«Aber dann sah ich überall Rauchsäulen über den Häusern aufsteigen und Soldaten um uns herum sagten, die Lage sei 'real'.» Die Soldaten hätten ihr und ihrer Familie geraten, in einen Luftschutzraum zu fliehen, und hätten dann selbst das Weite gesucht.

«Wir rannten um unser Leben», erzählt Han. Als sie am Hafen angekommen seien, habe die Fähre bereits abgelegt. «Ich schrie mit 20 anderen und winkte sie zurück zu uns», schildert Han ihre dramatische Flucht.

Weil sie beim Rennen zur Fähre ihre Schuhe verloren habe, sei sie barfuss an Bord gegangen. Später wurde aus Sicherheitsgründen der gesamte Schiffsverkehr rund um die Insel ausgesetzt, fast 90 Fischkutter und zwei Passagierdampfer in der Umgebung wurden in sichere Gewässer eskortiert.

Waldbrände ausgelöst

Nach ihrer Rückkehr zu ihren Häusern werden für die Bewohner von Yeonpyeong die Spuren des Granatenangriffs nicht zu übersehen sein. Auf einigen Hügeln der Insel lösten die Explosionen der Granaten Waldbrände aus. Auch mehrere Häuser gerieten in Brand. Dichte Rauchschwaden hingen über der Insel, die Stromversorgung wurde komplett lahmgelegt.

Ein 52-jähriger Bewohner bringt die Fassungslosigkeit über das Chaos und die Zerstörung gegenüber Yonhap auf den Punkt: «Ich lebe hier in dem Dorf, in dem ich auch geboren wurde, aber ich habe noch nie etwas Derartiges gesehen.»

(sda)

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