Aktualisiert 12.12.2006 17:01

Insiderhandel: Grossrazzia bei Airbus

Die feierliche Zulassung des Airbus-Superjumbos A380 ist von einer Razzia beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS überschattet worden.

Wegen Verdachts auf Insiderhandel von zahlreichen Führungskräften durchsuchte die Polizei die Unternehmenszentrale der Airbus-Mutter in Paris, wie eine Sprecherin der AP bestätigte. Beamte suchten zudem in den Büros der Lagardère-Gruppe nach belastendem Material. Lagardère ist neben DaimlerChrysler industrieller Hauptaktionär von EADS.

Die Razzien wurden nach Angaben aus Justizkreisen von zwei Untersuchungsrichtern angeordnet, die dem Verdacht auf Insiderhandel sowie Irreführung der Börsenöffentlichkeit nachgehen. Grund ist eine Klage von Aktionärsschützern gegen massive Aktienverkäufe von Topmanagern des Konzern. Bis zu 800 EADS-Mitarbeiter trennten sich im Frühjahr von ihren Anteilsscheinen, bevor das Unternehmen am 13. Juni Lieferverzögerungen beim Airbus-Superjumbo A380 bekannt gab und damit einen Kurssturz verursachte.

Parallel zu den Richtern prüft die französische Börsenaufsicht AMF bereits die verdächtigen Aktienverkäufe und durchsuchte im Juni Büros von EADS und Airbus. Medienberichten zufolge hat sie Hinweise, wonach die Führungsspitze, und damit auch DaimlerChrysler und Lagardère, bereits im März über mögliche Lieferverzögerungen beim A380 informiert gewesen sein sollen.

Bis zum Juni trennten sich einige Topmanager von ihren Papieren. Darunter auch der frühere EADS-Chef Noël Forgeard, der Anteile für 2,5 Millionen Euro veräusserte, was ihn schliesslich zum Rücktritt nötigte. Auch DaimlerChrysler und die Lagardère-Gruppe stiessen Anfang April ein Viertel (7,5 Prozent) ihres Aktienpaketes ab.

Sie alle beteuern, nichts von den möglichen Lieferverzögerungen gewusst zu haben. Auch EADS erklärte, es seien auf einer Sitzung der Führungsspitze (Board of Directors) am 7. März keine Informationen über die schwerwiegenden Montageprobleme bekannt gewesen. EADS-Co-Chef Tom Enders liess indes vor einer Woche offen, ob Insiderwissen kursierte. Er persönlich habe keine Aktien verkauft, betonte er vor Journalisten in München.

Feiererliche Lizenzvergabe für A380 vermasselt

Die Zulassung für den A380 wurde am Nachmittag in Toulouse gefeiert. Der Problemvogel, der Airbus und seinen Mutterkonzern wegen Lieferproblemen in die Krise stürzte, bestand in den vergangenen Monaten alle Belastungs- und Alltagstest mit Bravour.

Zur Unterzeichnung der Zulassung waren Mitglieder der europäischen und amerikanischen Luftsicherheitsbehörden EASA und FAA nach Toulouse gereist. Der französische Verkehrsminister Dominique Perben nannte die Lizenz «den besten Beweis dafür, dass der A380 ein exzellentes Flugzeug ist.»

Mit der Zulassung nimmt Airbus eine entscheidende Etappe, um die ersten drei A380 im kommenden Oktober an Singapore Airlines auszuliefern - zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Airbus-Chef Louis Gallois erklärte am Vorabend, die Produktionsprobleme bei dem Doppeldecker-Jumbo würden in «einigen Wochen oder Monaten» gelöst. EADS muss wegen der Verzögerungen in den kommenden vier Jahren Ausfälle von 4,8 Milliarden Euro verkraften und hat einen drastischen Sparkurs für Airbus beschlossen, von dem auch Arbeitsplätze in Deutschland bedroht sind. (dapd)

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