Insiderhandel mit Moderna und Biontech? Finma schaut genau hin

Aktualisiert

Finma ermitteltGab es Insidergeschäfte mit Aktien von Covid-Impfstoffherstellern?

Bundesangestellte sollen mit Insiderinformationen und Aktien von Moderna, Biontech und Lonza abgesahnt haben. Ein Rechtsanwalt erklärt, was das für Konsequenzen haben könnte.

von
Marcel Urech
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Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) untersucht, ob Bundesangestellte mit Insiderhandel Geld mit Aktien von Moderna, Biontech und Lonza verdient haben.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) untersucht, ob Bundesangestellte mit Insiderhandel Geld mit Aktien von Moderna, Biontech und Lonza verdient haben.

20min/Marco Zangger
Bei Hinweisen auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten informiert die Finma die Strafverfolgungsbehörden oder die Bundesanwaltschaft.

Bei Hinweisen auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten informiert die Finma die Strafverfolgungsbehörden oder die Bundesanwaltschaft.

20min/Simon Glauser
In der Schweiz ist es verboten, vertrauliche Informationen für den Aktienhandel zu nutzen, wenn sie die Kurse erheblich beeinflussen können.

In der Schweiz ist es verboten, vertrauliche Informationen für den Aktienhandel zu nutzen, wenn sie die Kurse erheblich beeinflussen können.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) kann gegen Personen, die gegen das Verbot des Insiderhandels verstossen, eine Einziehung von unrechtmässig erzielten Gewinnen anordnen.

  • Aus strafrechtlicher Sicht drohten bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, in besonders gravierenden Fällen sogar bis zu fünf Jahren, sagt ein Rechtsanwalt.

  • Ob Angestellte des Bundes Aktien kaufen dürfen, entscheidet die jeweilige Behörde.

Die Gerüchte kursieren schon lange: Bundesangestellte sollen mit Insiderhandel viel Geld mit Aktien von Moderna, Biontech und Lonza verdient haben. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) leitete eine Untersuchung ein. Nun hat sie diese ausgeweitet, wie die Behörde gegenüber «Inside Paradeplatz» erklärt.

Ein aufsichtsrechtliches Verfahren sei bis jetzt nicht nötig, die Finma (siehe Box) kläre die Lage aber weiter ab. Bei Hinweisen auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten informiere sie die Strafverfolgungsbehörden oder die Bundesanwaltschaft. Auch diese sagt, dass sie «die nötigen Abklärungen» treffe, so der Blog.

So geht die Finanzmarktaufsicht gegen Insiderhandel vor

In der Schweiz ist es verboten, vertrauliche Informationen für den Aktienhandel zu nutzen, wenn sie die Kurse erheblich beeinflussen können. Die Banken und die Finanzmarktaufsicht gehen dagegen vor. Um Missbräuche zu verhindern, kooperiert die Behörde mit den Börsen Six und BX. Insiderhandel ist oft schwierig nachzuweisen, zwei wichtige Indikatoren sind starke Veränderungen der Volumina und Preise.

Der Bund kündigte im August 2020 an, 4,5 Millionen Impfdosen von Moderna zu beziehen, im November 2020 folgte eine weitere Bestellung bei Biontech. In dieser Zeit hätten politisch exponierte Personen über die UBS Aktien der Impfstoffhersteller gekauft, schreibt «Inside Paradeplatz». Die UBS nahm dazu keine Stellung.

So entwickelte sich die Moderna-Aktie in den letzten drei Jahren.

So entwickelte sich die Moderna-Aktie in den letzten drei Jahren.

Screenshot/Finanzen.ch

Diese Vorgänge rückten den E-Mail-Austausch zwischen Bersets Kommunikationschef Peter Lauener und Ringier-CEO Marc Walder in ein neues Licht, schreibt der Finanzblog, ohne Hinweise dafür zu liefern. Der «Blick» äusserte sich nicht dazu. Und die Finma bestätigt den Zusammenhang auf Anfrage von 20 Minuten nicht: Zu Einzelfällen und zum Kreis allenfalls betroffener Personen äussere man sich nicht.

So entwickelte sich die Biontech-Aktie in den letzten drei Jahren.

So entwickelte sich die Biontech-Aktie in den letzten drei Jahren.

Screenshot/Finanzen.ch

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Was könnte die Finma-Untersuchung für Konsequenzen haben? Der auf Wirtschaftskriminalität und Finanzmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Daniel S. Weber von der Anwaltskanzlei Wenger Vieli nimmt Stellung.

«Bei Insiderhandel drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, in besonders gravierenden Fällen sogar bis zu fünf Jahren», sagt der Rechtsanwalt Daniel S. Weber von der Anwaltskanzlei Wenger Vieli.

«Bei Insiderhandel drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, in besonders gravierenden Fällen sogar bis zu fünf Jahren», sagt der Rechtsanwalt Daniel S. Weber von der Anwaltskanzlei Wenger Vieli.

Privat

Herr Weber, wann gilt der Kauf von Aktien als Insiderhandel?

Als Insiderhandel wird das Ausnützen von Insiderinformationen für den eigenen Vorteil oder den Vorteil Dritter verstanden. Die Insiderinformation ist eine vertrauliche Information, deren Bekanntwerden geeignet ist, den Kurs von Aktien und anderen Effekten zu beeinflussen, die an einer Börse mit Sitz in der Schweiz zum Handel zugelassen sind. Neben dem strafrechtlichen Verbot des Ausnützens von Insiderinformationen gibt es auch einen aufsichtsrechtlichen Insidertatbestand, wobei beide weitgehend deckungsgleich sind.

Wann greift das Schweizer Insiderverbot?

Die Insiderinformationen müssen sich auf Aktien beziehen, die an einer Börse mit Sitz in der Schweiz kotiert sind (Six/BX). Im Gegensatz zu den Aktien der Lonza sind die Aktien von Biontech und Moderna an ausländischen Börsen kotiert, weshalb das Schweizer Insiderverbot hier nicht direkt greift.

Welche Strafen gibt es?

Gegen Personen, die gegen das Verbot des Insiderhandels verstossen, kann die Finma etwa eine Einziehung von unrechtmässig erzielten Gewinnen anordnen. Aus strafrechtlicher Sicht drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, in besonders gravierenden Fällen sogar bis zu fünf Jahren. Hinzu kommt bei Bundesangestellten die Frage des strafbaren Amtsmissbrauchs.

Darf das Bundespersonal denn gar keine Aktien kaufen?

Ob Angestellte des Bundes Aktien kaufen dürfen, entscheidet die jeweilige Behörde. Regelmässig bestehen allerdings personalrechtliche Vorgaben, die ein solches Verhalten verbieten.

Ist es überhaupt realistisch, dass die Kurse der Moderna- und Biontech-Aktien hochgehen, nur weil die Schweiz Impfdosen bestellt?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, sie spielt aber eigentlich keine Rolle: Es kommt einzig auf die Kursrelevanz der vertraulichen Information an.

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