Insiderverdacht gegen früheren Swisscom-Präsidenten
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Insiderverdacht gegen früheren Swisscom-Präsidenten

Die von der Zürcher Justiz und der Bankenkommission geführten Untersuchungen wegen Insiderverdachts bei der Swisscom richten sich gegen Markus Rauh.

Der Ex-Präsident bestätigte dies, wies aber den Vorwurf zugleich zurück. Die Börse rügte am Montag die Swisscom wegen der Transaktion.

Der 67-jährige Rauh machte das von der Zürcher Staatsanwaltschaft geleitete Verfahren gegen ihn wegen Verdachts auf Insidervergehen in einem Interview des Zürcher «Tages-Anzeigers» bekannt. Veröffentlicht wurde es am Montag - einen Tag nach der Abstimmung über das verschärfte Asyl- und Ausländerrecht, das der frühere Swisscom-Verwaltungsratspräsident an der Spitze eines bürgerlichen Komitees bekämpft hatte. Zum Stand des Verfahrens gegen Rauh waren bei der Staatsanwaltschaft Zürich keine Angaben erhältlich.

Rauh sagte, er habe am 21. November 2005 eine Absicherungstransaktion in Form von Put-Optionen für seinen Teil der Swisscom-Beteiligung getätigt. An jenem Tag habe er keine Ahnung davon gehabt, dass der Bundesrat zwei Tage später seine Beschlüsse über die Swisscom fällen werde. Ein Insidervergehen sei damit aber nicht verbunden gewesen.

Mit den Put-Optionen wollte Rauh laut seinen Angaben den Wert eines Swisscom-Aktienpakets sichern, weil ihm die Kurse unsicher schienen und weil er im Juni eine fixe finanzielle Verpflichtung hatte. Um dieser Verpflichtung nachkommen zu können, habe er die Aktien wie geplant verkauft. Irrtümlicherweise sei er davon ausgegangen, dass die Management-Transaktion nicht meldepflichtig sei. Die Aussagen Rauhs kommen insofern überraschend, als die «SonntagsZeitung» den ehemaligen Swisscom-Präsidenten vor zwei Wochen noch mit der Aussage zitiert hatte: «Ich habe die Puts nicht gekauft». Im TA-Interview rechtfertigte sich Rauh mit dem Abstimmungskampf. Die Gegenseite hätte versucht, aus dem Fall Kapital zu schlagen, wenn er früher zugegeben hätte, dass ein Verfahren gegen ihn laufe.

Unabhängig von den Verfahren der Staatsanwaltschaft und der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) sprach die Schweizer Börse SWX am Montag wegen der gleichen Transaktion einen Verweis gegen die Swisscom aus. Denn der Kauf der 131 Put-Optionen auf Swisscom-Aktien mit einem Marktpreis des Basiswerts in der Höhe von 548.890 Franken war eine Management-Transaktion, die innerhalb von zwei Börsentagen gemeldet werden müsste, was jedoch nicht geschah.

Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus bestätigte den gerügten Sachverhalt. Das Unternehmen habe inzwischen die nötigen Vorkehrungen getroffen, damit sich dies nicht wiederhole. Die Mitglieder von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung seien über das Vorgehen bei solchen meldepflichtigen Management-Transaktionen instruiert worden.

Bundespräsident Moritz Leuenberger äusserte sich am Montag in der Fragestunde des Nationalrats nur zurückhaltend zum Fall. Auf die Frage nach den möglichen personellen Konsequenzen bei einer späteren Bestätigung des Verdachts gegen Rauh sagte Leuenberger, dass dann - weil es sich um ein früheres Mitglied des Verwaltungsrat handeln würde - keine solchen Konsequenzen mehr zu ziehen wären. (dapd)

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