Aktualisiert 23.09.2019 14:31

Werbung mit Rabattcodes Insta blockt Diät-Posts von Schweizer Influencern

Für Minderjährige sollen Posts für Diätbonbons oder Detox-Tees unsichtbar sein. Auch Ärzte dürften keine Werbung machen, sagt eine Foodbloggerin.

von
bz
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Kim Kardashian pries ihren Followerinnen einen appetithemmenden Lollipops an.

Kim Kardashian pries ihren Followerinnen einen appetithemmenden Lollipops an.

Instagram/Kimkardashian
Posts, die mit «wundersamen» Diätversprechen kommerzielle Werbung machen, sollen für unter 18-Jährige Nutzer gesperrt werden.

Posts, die mit «wundersamen» Diätversprechen kommerzielle Werbung machen, sollen für unter 18-Jährige Nutzer gesperrt werden.

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Noch härter Durchgreifen will Instagram bei Mittelchen, die auf «Hokuspokus-Wissenschaft» beruhen und einen Rabatt-Code anbieten: In diesen Fällen werden die Posts vollständig entfernt.

Noch härter Durchgreifen will Instagram bei Mittelchen, die auf «Hokuspokus-Wissenschaft» beruhen und einen Rabatt-Code anbieten: In diesen Fällen werden die Posts vollständig entfernt.

AP/Jenny Kane

Haufenweise spielen Influencerinnen auf Instagram Apothekerin. An vorderster Front mit dabei sind die Kardashians. Ohne mit der Wimper zu zucken, preisen sie ihren Followerinnen etwa Diät-Tees oder appetithemmende Lollipops an. Am Mittwoch zog der Facebook-Konzern, zu dem auch Instagram gehört, nach einer Welle der Kritik die Reissleine.

Posts, die mit «wundersamen» Diätversprechen kommerzielle Werbung machen, sollen für unter 18-Jährige Nutzer gesperrt werden. Noch härter Durchgreifen will Instagram bei Mittelchen, die auf «Hokuspokus-Wissenschaft» beruhen und einen Rabatt-Code anbieten: In diesen Fällen werden die Posts vollständig entfernt.

Funktion, um Posts zu melden

Damit User die Posts melden können, erstellt Instagram in den nächsten Wochen auf der App eine entsprechende Funktion. Ebenso gesperrt oder entfernt für Minderjährige werden Posts, die Werbung für Beauty-OPs machen.

Dafür mobil gemacht hatte die Bodypositivity-Aktivistin und Schauspielerin Jameela Jamil. «Das ist ein grosser Gewinn für unseren unermüdlichen Kampf gegen die Diät/Detox- Industrie», sagte sie. Mit dem Einsatz zum Schutz der physischen und mentalen Gesundheit sendeten Facebook und Instagram eine wichtige Botschaft in die Welt.

Diätshakes und Kaubonbons vor Weihnachten

Unverblümt preisen auch Schweizer Influencer auf Instagram Diätprodukte und Schönheits-Ops an. Personal Trainerin Cindy Landolt mit über 600 000 Followern macht etwa Bodybuilding-Präparate eines britischen Anbieters für Sporternährung schmackhaft. In einem Post bittet sie ihre Follower, ihren Beitrag zu teilen und zu verbreiten. Im Gegenzug profitiere man von ihrem persönlichen Rabatt-Code, verspricht sie. Unter den beworbenen Produkten sind auch Diätshakes. Der Anbieter beschreibt diese etwa als hoch proteinhaltige, kalorien- und fettarme Shakes und «perfekt während einer Diät mit dem Ziel, Gewicht zu verlieren».

Fitness-Influencerin Andrea Schärer posierte vor Weihnachten mit einer pinken Packung Kaubonbons. Das darin enthaltene Glucomannan führt laut dem Hersteller zu einer aufquellenden Reaktion im Magen-Darm-Trakt. Dadurch zügle es den Appetit und wirke gegen Heisshungerattacken. Zum Kauf animieren wollte das Fitnessmodel ihre Followerinnen mit einem Rabatt-Code von zehn Prozent. Die beiden Frauen waren für 20 Minuten bis Redaktionsschluss am Sonntag nicht erreichbar.

«Ärzte dürfen auch keine Werbung machen»

Foodbloggerin Sylwina begrüsst, dass Instagram Minderjährige vor solchen Werbeposts schützen will. «Ärzte dürfen keine Werbung machen. Dann sollte dies für Influencer auch verboten sein», sagt sie. Sie sei immer wieder überrascht, wie sehr die Leute auf solche Produkte reinfielen. Gerade junge Mädchen liefen zudem Gefahr, etwa in Detox-Tees das ultimative Rezept zum Abnehmen zu sehen. «Dabei haben ihre Models genau dieselben Problemzonen, posieren sie nicht gerade im perfekten Licht.»

Auch bei Modebloggerin und Fotografin Andrea Monica Hug haben Werbeanfragen für Diätprodukte oder Schönheitseingriffe keine Chance. «Auf solche Anfragen gehe ich nie ein, weil ich solche Angebote nicht promoten will», sagt sie. 2017 prangerte sie eine Anfrage von einer Praxis an, die ihr gratis alle zwei Monate eine Unterspritzung mit Hyaluron anbot. «Ich kann nicht verantworten, dass Teenager und junge Mädchen wegen mir das Gefühl haben, sie müssten sich die Lippen aufspritzen oder sich gar noch liften lassen», stellte sie damals klar. Blogger mit vielen Followern hätten eine Vorbildfunktion.

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