#helpiran: Instagram-Accounts der Stars werden mit Mahsa-Amini-Hashtags geflutet

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#helpiranInstagram-Accounts der Stars werden mit Mahsa-Amini-Hashtags geflutet

Im Iran wüten die Proteste um die verstorbene Masha Amini. Jetzt kapern Social-Media-Nutzer die Accounts der Stars, um den Missständen im Land Gehör zu verschaffen.

von
Katja Fässler
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Der Proteste im Iran, die durch den Tod der Iranerin Mahsa Amini ins Rollen kamen, weiten sich immer mehr aus. 

Der Proteste im Iran, die durch den Tod der Iranerin Mahsa Amini ins Rollen kamen, weiten sich immer mehr aus. 

Getty Images
Viele Menschen zeigen ihre Solidarität in den Strassen. Andere machen online auf die Missstände aufmerksam. Besonders die Social-Media-Accounts der Stars werden mit Kommentaren zum Iran und Mahsa Amini geflutet. 

Viele Menschen zeigen ihre Solidarität in den Strassen. Andere machen online auf die Missstände aufmerksam. Besonders die Social-Media-Accounts der Stars werden mit Kommentaren zum Iran und Mahsa Amini geflutet. 

AFP
Ed Sheeran spricht in diesem Instagram-Post über seine Lieblingsgitarre, doch in den Kommentaren ist praktisch nur von Mahsa Amini die Rede. 

Ed Sheeran spricht in diesem Instagram-Post über seine Lieblingsgitarre, doch in den Kommentaren ist praktisch nur von Mahsa Amini die Rede. 

Screenshot Instagram

Darum gehts

Ed Sheeran (31) spricht über seine Lieblingsgitarre, Victoria Beckham (48) präsentiert einen Lippenstift ihrer eigenen Make-up-Marke und Leonardo DiCaprio (47) macht Werbung für den Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia: Diese vor kurzem publizierten Instagram-Posts der Stars haben alle etwas gemeinsam: Ihr eigentlicher Inhalt wird kaum kommentiert. Stattdessen hinterlassen unzählige Userinnen und User Hashtags zu Mahsa Amini und den Protesten im Iran

Die Hintergründe dazu finden sich seit Tagen in den weltweiten Schlagzeilen: Mahsa Amini war eine 22-jährige Iranerin, die am 16. September durch die Sittenpolizei festgenommen wurde, weil sie ihr Kopftuch angeblich falsch getragen hatte. Noch am Tag der Festnahme musste die junge Frau in ein Krankenhaus gebracht werden, wo sie nach drei Tagen im Koma verstarb. Die Ursache ihres Todes dürfte Polizeigewalt gewesen sein, auch wenn die Behörden dies bestreiten. 

Lahmgelegtes Internet, Stars nutzen Reichweite

Seit Tagen kommt es in den Strassen Irans deshalb zu grossen und blutigen Protesten, die laut Menschenrechtsorganisationen bereits Dutzende Todesopfer gefordert haben. Seit Beginn der Demonstrationen wurden ausserdem Hunderte Menschen festgenommen, der Zugang zu Internet und Online-Diensten wurde eingeschränkt. Der Aufschrei hallt nicht nur durch den Iran, sondern durch die ganze Welt. Einige Prominente nutzten ihre Reichweite, um auf die Missstände und die Brutalität, mit denen die Polizei gegen die Demonstrierenden vorgeht, aufmerksam zu machen.

So erstellte etwa US-Model Bella Hadid Beiträge über Mahsa Amini für ihre 55 Millionen Followerinnen und Follower. «Unsere Schwestern werden für ihr Recht ermordet, selbst über ihren eigenen Körper zu entscheiden», schreibt die 25-Jährige in einem davon. «Patriarchat ist Gewalt. Bitte teilt aus Solidarität mit allen Frauen #Mahsaamini, verbreitet die Informationen über den Iran.» Die Fans feiern Hadid für diese Aufforderung. Und tatsächlich: In sämtlichen Kommentarspalten internationaler Stars findet sich derzeit dieser Hashtag.

Wie findest du die Hashtag-Aktion in den Star-Accounts?

«Ein Like oder Kommentar sind schnell gemacht»

«Die Gesellschaft erwartet von populären Menschen, dass sie sich zu grossen Weltgeschehnissen äussern», sagt Katja Rost, Professorin des Soziologischen Instituts an der Universität Zürich. «Es ist interessant zu sehen, dass der Impuls in diesem Beispiel von unten kommt und die Nutzerinnen und Nutzer den Multiplikatoren-Effekt in den Kommentarspalten nutzen. Ich sehe dies als spannende, soziale Bewegung», so Rost weiter. 

Es stelle sich jedoch immer die Frage, wie nachhaltig ein solches Online-Engagement ist. «Es gibt so viele Themen, die unsere Aufmerksamkeit verlangen, wie die Klimakrise oder der Krieg in der Ukraine. Die Liste ist scheinbar endlos. Es ist demnach nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Welle der Empörung die vorherige ablöst. Und Solidarität in den sozialen Medien zu bekunden ist mit einem Like oder einem Kommentar oder Hashtag schnell gemacht.»

«Es liegt jetzt an uns, für sie zu sprechen!»

Beispiele für Online-Solidarität finden sich viele. Der britische Sänger Yungblud nutzte gleich die Bühne während des Firefly Festivals im US-Bundesstaat Delaware. «Ich bin gerade so verdammt wütend. Und jedes Mal wenn so etwas in der Welt passiert, frage ich mich, ob ich darüber reden soll oder nicht», rief der 25-Jährige ins Publikum.

«Aber es sind Tausende von euch da draussen und Tausende sehen von zu Hause aus zu. Also, heute habe ich keine Wahl! Das Internet wurde an einigen Orten im Iran lahmgelegt, sie können also nicht mit dem Rest der Welt kommunizieren. Also ist es jetzt an uns, für sie zu sprechen!». 

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