Aktualisiert 23.04.2019 19:48

Social Media Instagram-Betrüger machen die Runde

Über kopierte Instagram-Profile versuchen Kriminelle, an Handynummern zu gelangen und andere User abzuzocken. Die Polizei rät, Anzeige zu erstatten.

von
jk
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Betrug im Internet ist ein bekanntes Problem, momentan versuchen es Betrüger mit einer altbekannten Masche auf Instagram.

Betrug im Internet ist ein bekanntes Problem, momentan versuchen es Betrüger mit einer altbekannten Masche auf Instagram.

Dkart
Leserin A. K. wurde von einem Betrüger angeschrieben. Sie begriff schnell, was vor sich ging.

Leserin A. K. wurde von einem Betrüger angeschrieben. Sie begriff schnell, was vor sich ging.

Ein weiterer Leser-Reporter wurde vor wenigen Tagen ebenfalls von einem Cyber-Betrüger angeschrieben, der sich als Bekannter ausgab.

Ein weiterer Leser-Reporter wurde vor wenigen Tagen ebenfalls von einem Cyber-Betrüger angeschrieben, der sich als Bekannter ausgab.

«Hey, gib mir mal deine Handynummer!», wurde A. K.* letzte Woche auf Insta von einem Bekannten aufgefordert. Schnell wurde sie stutzig: Wozu fragte er nach ihrer Nummer – auf Hochdeutsch? Nach kurzen Nachforschungen begriff sie, dass es sich um einen Betrüger handeln musste. Das Social-Media-Profil existierte plötzlich zweimal, einmal mit einem zusätzlichen Buchstaben im Namen. Auf beiden Seiten waren fast dieselben Fotos gepostet. A. K. antwortete der Person entsprechend (siehe Bildstrecke).

Die junge Frau ist nicht die einzige Betroffene. Auch R. N.* wurde vor vier Tagen von einem Insta-Freund nach der Nummer gefragt. Im Gegensatz zu A. K. liess er sich erst einmal darauf ein. Er ging davon aus, dass sein vermeintlicher Bekannter seine Nummer aus geschäftlichen Gründen benötigte. Doch als dieser dann Herzchen schickte und nach einem Bestätigungscode fragte, merkte auch R. N., dass er es mit einem Betrüger zu tun haben musste. Wer seine Nummer weitergegeben hat und eine SMS mit einem Code erhält, sollte diesen nicht an die Betrüger weitergeben. Damit könnte eine Zahlung ausgelöst werden (siehe Box).

Alte Masche neu auf Instagram

Die Masche ist nicht neu. Früher hatten vor allem Facebook-Nutzer damit zu kämpfen. Nun sind die Betrüger auf Instagram unterwegs: Sie hacken oder kopieren Profile und senden Freundschaftsanfragen an die Kontakte des betroffenen Profils. Durch die erschlichenen Freundschaften wollen sie an möglichst viele Handynummern gelangen. Sie fragen in aller Regel per Privatnachricht danach.

Ziel der Betrüger ist es, über die Nummern Bestellungen zu tätigen, die anschliessend per Handyrechnung der Opfer bezahlt werden sollen. Dazu fehlt ihnen nur noch eines: der entsprechende Bezahlcode. Wie im Fall von R. N. fragen die Betrüger unter einem Vorwand danach, meist sprechen sie von einem Wettbewerb.

Betrügerprofil melden

User bemerken in der Regel vorerst nichts davon, dass ihr Profil kopiert wurde. A. K. wies ihren Bekannten darauf hin. Er warnte darauf seine Follower per Post und rief dazu auf, das Fake-Profil bei Insta zu melden. Viel tun konnte er nicht. Nach zwei Tagen wurde das Fake-Profil gelöscht.

Ein Instagram-Sprecher nimmt Stellung: «Ungewollte Nachahmung auf Instagram verstösst gegen unsere Nutzungsbedingungen und ist nicht gestattet. Wir investieren laufend in Kontrollen, Meldemöglichkeiten und Technologien, um verdächtige Inhalte und Konten zu erkennen, zu melden und zu blockieren.»

Ein Sprecher der Kantonspolizei Bern bestätigt, dass das Problem polizeilich bekannt sei. Die Polizei empfiehlt Betroffenen, Anzeige zu erstatten. Bei der Stadtpolizei Zürich ist dieses Jahr eine entsprechende Anzeige eingegangen, so Sprecher Marc Surber.

Konsumentenschutz kennt das Problem

Alex von Hettlingen vom Konsumentenschutz sagt: «Wenn man im Internet nach persönlichen Daten gefragt wird, müssen sofort alle Alarmglocken läuten. Bevor irgendetwas übermittelt wird, muss man bei der Person nachfragen, ob sie wirklich die ist, für die sie sich ausgibt.» Der Konsumentenschutz habe Kenntnis davon, dass dieselbe Masche schon auf Facebook oder per Mail angewandt wurde.

Sie scheint weiter zu funktionieren. Das Fedpol vermerkte 2017 insgesamt 2614 Fälle von Cyber-Betrug. Da in der Schweiz keine Meldepflicht für Cyber-Angriffe existiert, ist die Dunkelziffer sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches höher.

«Masche wird sich totlaufen»

Datenschutz-Experte Stefan Thöni geht davon aus, dass die Betrüger sich vermehrt auf Instagram tummeln, weil die Masche auf Facebook oder per Mail nun bekannt ist: «Instagram-User sind im Schnitt jünger und haben entsprechende Erfahrungen noch nicht gemacht. Es ist gut möglich, dass die Cyber-Betrüger es deshalb auf sie abgesehen haben.»

Thöni glaubt nicht, dass die Betrugsmasche noch sehr lange erfolgreich bleiben wird. «Irgendwann hat die Gesellschaft gelernt, dass man die Haustüre schliessen muss, um sich vor Einbrechern zu schützen. So wird es sich auch bei Internet-Betrug verhalten. Die Leute werden schlauer.»

Wurdest du auch Opfer von einem Insta-Betrüger und hast es zu spät gemerkt? Melde dich per Kontaktformular. Die Angaben werde vertraulich behandelt.

*Name der Redaktion bekannt

So funktionieren Einkäufe per Handyrechnung

Annina Merk, Mediensprecherin der Swisscom, erklärt: «Grundsätzlich funktionieren Einkäufe mit Handyrechnung via NATEL Pay / Direct Carrier Billing bei der Swisscom nur, wenn zusätzlich zur Natelnummer noch ein Bestätigungscode eingegeben wird, den wir an die Nummer des Kunden schicken. In dieser SMS sind auch Informationen zur Bestellung und der Hinweis zum verbindlichen Kauf enthalten. Mit der Nummer alleine können noch keine Käufe getätigt werden.»

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