Schwarzmarkt – Instagram geht gegen modernen Sklavenhandel in Dubai vor
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Im Influencer-Paradies DubaiInstagram ist eine Drehscheibe für Zwangsarbeit– «Maids» erzählen

Auf Instagram hat sich ein Schwarzmarkt für «Hausmädchen» entwickelt. 200 Instagram-Konten von fragwürdigen Vermittlungsagenturen wurden jetzt geschlossen.

Auf Instagram vermitteln dubiose Agenturen Migrantinnen an Haushalte etwa in Dubai. Im Influencer-Paradies sind diese Frauen oft schutzlos und verrichten Zwangsarbeit (Symbolbild). 

Auf Instagram vermitteln dubiose Agenturen Migrantinnen an Haushalte etwa in Dubai. Im Influencer-Paradies sind diese Frauen oft schutzlos und verrichten Zwangsarbeit (Symbolbild).

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Darum gehts

  • Agenturen ohne Lizenzen nutzen Instagram, um dort Migrantinnen als «Hausmädchen» zu vermitteln.

  • Dort sind die Frauen zu sehen, inklusive Namen, Grösse, Gewicht, manchmal auch die Passnummern.

  • Nach Hinweisen der «Washington Post» hat Instagram über 200 solcher Accounts gesperrt.

Instagrams weltweiter Erfolg geht mit Schattenseiten einher. Auf dem Onlinedienst hat sich ein Schwarzmarkt für «Dienstmädchen» etabliert, der getrost als Sklaven-Markt bezeichnet werden kann. Zwielichtige Vermittlungsagenturen aus Äthiopien, Kenia und dem Nahen Osten zeigen auf ihren Accounts Fotos von Migrantinnen vor allem aus Asien und Afrika, unter denen man sich seine «maid» aussuchen kann.

Gegen eine saftige Vermittlungsgebühr kommen die arbeitsuchenden Frauen vor allem zu Haushalten aus den Golfstaaten. «Sobald eine Agentur ein Hausmädchen verkauft hat, kümmert sie nicht mehr, was danach mit ihm passiert», berichtet eine von ihnen.

Die Frauen haben keinerlei Garantie auf Lohn oder Schutz. Viele wissen auch nicht, dass sie auf Instagram zu finden sind – inklusive Angaben zu Nationalität, Jahrgang, Grösse und Gewicht. Oft geben die Vermittler auch den vollen Namen und Passport-Nummer der zu vermittelnden Frauen an.

«Ich weinte, weil ich so hungrig war»

So konnte die «Washington Post» auch mehrere von ihnen ausfindig machen. Sie berichten von Zwangsarbeit: 5 Uhr Morgens bis Mitternacht ohne Freitage oder Freizeit und viel tiefere Löhne, als ihnen zugesagt worden waren.

Einige erkrankten und wollten kündigen. «Mein Stellenvermittler wurde böse, weil der Arbeitgeber eine Rückerstattung wollte», erzählte eine Kenianerin (24) von ihrer Erfahrung im Influencer-Paradies Dubai. «Er sagte mir, er werde mich an einen Ort bringen, wo ich das für immer bereuen würde». Aus Angst tauchte sie unter und lebt seither illegal in Dubai.

200 Instagram-Konten

Nicht wenige berichten von Gewalt und Misshandlungen an ihrem Arbeitsort. «Ich kriegte oft nichts zu essen. Und wenn, dann weinte ich, weil ich so hungrig war», so eine Frau aus den Philippinen. Sie habe in diesen zwei Jahren fast 20 Kilo verloren.

Die «Washington Post» hat Instagram auf über 200 Konten von unlizenzierten Vermittlungsagenturen aufmerksam gemacht. Sie wurden in der Zwischenzeit geschlossen. Man arbeite «ständig daran, die Technologie zu verbessern, Accounts mit solchem Inhalt schneller ausfindig zu machen», hiess es von Instagram.

(gux)

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