Aktualisiert 07.01.2020 15:26

Fake?

Instagram vs. Reality im Home-Office

Gemütliches arbeiten zu Hause? Na ja: So falsch werden Home-Office-Arbeitsplätze auf Instagram dargestellt

von
Daniela Gschweng
1 / 11
Die Home-Offices, die man auf Instagram sieht, sind meist sehr hübsch: viele Blumen, ...

Die Home-Offices, die man auf Instagram sieht, sind meist sehr hübsch: viele Blumen, ...

Instagram / @mybusinesscorner
... viel Dekoration und eigentlich nicht besonders viel Platz.

... viel Dekoration und eigentlich nicht besonders viel Platz.

Unsplash
Ein weiteres beliebtes Instagram-Motiv ist das «Sommer Home Office», meistens entweder im Garten, an einem Pool oder sogar von den Strandferien.

Ein weiteres beliebtes Instagram-Motiv ist das «Sommer Home Office», meistens entweder im Garten, an einem Pool oder sogar von den Strandferien.

Instagram / @fabies_instaplace

Die Füsse hochgelagert, die Kaffeetasse neben dem Laptop und auf dem Balkon noch ein bisschen arbeiten: So oder so ähnlich sehen Home-Office-Arbeitsplätze in den sozialen Medien aus. Die Realität ist eine andere. Auch diese findet sich in den sozialen Medien, allerdings weit weniger häufig.

Zwischen viel Grün und zwitschernden Vögeln das nächste Meeting vorbereiten, das ist gefühlt fast so wie Ferien – eher Me-Time als Arbeit. Das Home-Office ist ein Wohlfühlort, stellen viele Bilder dar. Blumen auf dem Tisch heben die Laune, in der dunklen Jahreszeit leuchten neben Laptop und Tastatur stimmungsvoll ein paar Kerzen. An der Wand hängt auf vielen Bildern ein inspirierendes Theme-Board.

Mehr Inspiration als Realität

Solche Bilder sind durchaus im Interesse derer, die sie posten. Wer gelegentlich oder öfter zu Hause arbeitet, weiss: die Realität sieht meist ganz anders aus. Der Küchentisch, auf dem noch die Reste des Abendessens stehen, ist eben nicht so fototauglich. Arbeiten auf dem Balkon beschränkt sich, realistisch gesehen, auch auf wenige Stunden im Sommerhalbjahr.

Aber wer lässt sich nicht gern inspirieren – und wer gibt schon gern zu, dass die Arbeitsecke sich in einer dunklen Nische befindet? Für Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter, die nur gelegentlich eine Stunde zu Hause arbeiten, etwa nach Feierabend, ist das völlig in Ordnung. Ein paar Mails checken, noch einen Termin eintragen, dafür braucht es keine Büroinfrastruktur.

Privates und berufliches Trennen ist zu Hause schwieriger

Wer ganze oder halbe Tage zu Hause arbeitet, weiss: Wer arbeitet, braucht Platz, den es oft nicht gibt, genauso wie eine inspirierende Arbeitsatmosphäre. Auf den Schreibtisch stapelt sich Privates wie Berufliches durcheinander und «bitte nicht stören» ist ein frommer Wunsch.

Der Pöstler klingelt während der Telefonkonferenz, die Katze zerfetzt währenddessen sehr unfotogen wichtige Unterlagen und der Kaffee ist schon seit Stunden kalt. Falls es Platz für ein Theme-Board gibt, setzt es schon lange Staub an.

Echter Arbeitsplatz vs. Fotospot

Realistische Bilder gibt es, auch auf Instagram. Wer solche Bilder finden will, muss unter Umständen ein wenig scrollen. Erkennbar sind sie meist sofort. Die Ausleuchtung ist eher mässig, auf der mehr oder weniger grossen Arbeitsplatte stapeln sich Papiere und diverser Kleinkram.

Falls es ein Fenster gibt, ist selten heller Sommer. Meisten ist nicht einmal überhaupt Tag und der Drucker ist auch nicht hübsch. Stattdessen muss der Schreibtisch im Schlafzimmer Platz finden und überall sind sichtbare Kabel.

Instagram und Co. vermitteln ein falsches Bild

Das Bild, das Instagram und Co. zur Heimarbeit vermitteln, ist nicht nur aufgehübscht, es kann sogar gesundheitsschädlich sein. Den meist weniger fotogenen Bürostuhl vermeiden beispielsweise sowohl Influencer wie professionelle Fotografen bei ihren Motiven gern.

Wer mehr als gelegentlich ein paar Stunden im Home-Office arbeitet, sollte sich einen anschaffen, empfiehlt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in einer aktuellen Broschüre. Arbeit vor dem Bildschirm ist zu Hause nicht anders als im Büro. Arbeitsplatte und Sitzfläche sollten gegeneinander verstellbar sein, sonst drohen auf Dauer orthopädische Probleme.

Das gilt auch für den auf Fotos beliebten Blick aus dem Fenster, das direkt hinter dem Bildschirm ist. Noch fotogener ist ein verglaster Erker. Das ist ansprechend für den Betrachter, für die Augen aber Gift. Hat der Hintergrund eine grössere Helligkeit als den Bildschirm, und das ist am Fenster quasi immer der Fall, ist das im besten Fall ermüdend. Auf Dauer droht ein Sehschaden. Gegen Blumen und Theme-Board spricht aber nichts.

Fehler gefunden?Jetzt melden.