#bernerpendler: Instagrammer stellt peinliche Pendler bloss

Aktualisiert

#bernerpendlerInstagrammer stellt peinliche Pendler bloss

Unter dem Hashtag #bernerpendler werden Fahrgäste in unvorteilhaften oder entlarvenden Posen gezeigt. Das ist bestenfalls komisch, verstösst aber klar gegen geltendes Recht.

von
Simon Ulrich
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Ungünstige Posen: Zu den Sujets des Instagrammers gehören unter anderem sich in der Nase bohrende...

Ungünstige Posen: Zu den Sujets des Instagrammers gehören unter anderem sich in der Nase bohrende...

Instagram
...dösende...

...dösende...

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...Füsse hochlagernde Menschen.

...Füsse hochlagernde Menschen.

Instagram

Im Smartphone-Zeitalter ist die Kamera so schnell gezückt wie früher der Revolver: Jeder kann jeden im Nu ablichten und das Bild in sozialen Medien verbreiten. Perverse Züge nahm dies vor wenigen Tagen in Zürich an, als ein Spanner dabei erwischt wurde, wie er einer Frau das Handy unter den Rock hielt und dabei fotografierte oder filmte.

Unvorteilhaft und böse

Das Risiko, unbemerkt geknipst zu werden und später im Internet auf das eigene Antlitz zu treffen, scheint nun auch in der Region Bern erhöht: Unter dem Hashtag #bernerpendler veröffentlicht ein Instagrammer Bilder von Fahrgästen, die sich ziemlich unvorteilhaft gebaren: Sie bohren sich in der Nase, lagern die Beine samt Schuhen hoch oder gucken einfach nur blöd aus der Wäsche.

Zuweilen versieht der Betreiber des Accounts die Fotos mit zynischen Kommentaren. Zu einer Frau, die allein an der Bushaltestelle sitzt und den Eindruck erweckt, als würde sie gestikulieren, meint er: «Wir alle haben doch einen imaginären Freund – jedenfalls hat sie einen.» Eine Frau mit riesigem Dreadlock-Huppi betitelt er als Marge Simpson.

Recht einfordern braucht Ausdauer

Ob solche Bilder nun erheitern oder nicht: Sie verletzen das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Person. «Man darf niemanden ohne seine Einwilligung fotografieren geschweige denn das Foto ins Netz stellen», stellt Rechtsanwalt Tobias Herren klar. Grundsätzlich gelte das Recht am eigenen Bild. Keine Erlaubnis müsse dagegen eingeholt werden, wenn die abgebildete Person als Teil einer Menschenmenge wahrgenommen wird und nicht im Fokus des Bildes steht.

So eindeutig die Rechtslage, so schwierig dürfte es für die Opfer des Pendler-Schrecks werden, ihr Recht auch einzufordern. Das beginnt schon damit, dass in seinem Insta-Profil nicht ersichtlich ist, auf welchen Namen der Account läuft. «Am besten wendet man sich erst einmal an den Provider», rät Herren.

Dreisten Knipser ansprechen

Ist klar, wer einen unvorteilhaft ins Bild gesetzt hat, besteht die Möglichkeit einer zivilrechtlichen Klage. Doch Herren schränkt ein: «Als Klagender ist man zu einem Gerichtskosten-Vorschuss verpflichtet. Viele Betroffene schrecken davor zurück.» Wer den Gang vors Gericht dennoch wagt und obsiegt, für den bleibt die Ausbeute bescheiden: «Es gibt in der Regel ein paar Hundert Franken Genugtuung», sagt Herren. Und natürlich muss das Bild aus dem Netz verschwinden.

Bernmobil rät Passagieren, die bemerken, dass sie ungewollt fotografiert werden, den betreffenden Knipser darauf anzusprechen. «Am besten fordert man ihn auf, damit aufzuhören und die Bilder unverzüglich löschen», sagt Sprecher Rolf Meyer. Sollen auch Beobachter eingreifen? Das sei selbstverständlich jedem selbst überlassen, so Meyer. Er sagt aber auch: «Wenn die Regeln des Anstands gebrochen werden, begrüssen wir es grundsätzlich, wenn interveniert wird.»

Gerne hätte sich 20 Minuten mit dem Instagrammer über seine fotografische Tätigkeit unterhalten. Eine Anfrage blieb jedoch unbeantwortet.

Wurden auch Sie als #bernerpendler abgelichtet? Melden Sie sich bei uns unter 031 384 84 20 oder Mail.

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