Aktualisiert

Habkern BEInstagrammer verursachen Stau auf Augstmatthorn

An schönen Wandertagen wird das Augstmatthorn im Oberland regelrecht überrannt. Manche Einheimische freuts, doch andere sind skeptisch.

von
Mira Weingartner
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Pure Idylle: Auf dem Augstmatthorn ob dem Brienzersee lässt die Natur einem den Atem rauben.

Pure Idylle: Auf dem Augstmatthorn ob dem Brienzersee lässt die Natur einem den Atem rauben.

Instagram / ramiravasio
Die Bilder von Ausflügen auf die Wildhorndecke verbreiten sich im Internet in Windeseile.

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Instagram / janareichen
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Die Aussicht könnte atemberaubender nicht sein: Vom Augstmatthorn ob Habkern liegt einem die Welt regelrecht zu Füssen. Unten im Tal erstreckt sich der Brienzersee, in der Ferne ist gar der Thunersee zu sehen. Im Rücken der Wildhorndecke zeigen sich gleichzeitig die Emmentaler Alpen in ihrer vollen Pracht. «Bei uns auf dem Augstmatthorn ist es noch schöner als auf dem Jungfraujoch», meint der einheimische Hotelier Alexander Huser. Und das Spektakel ist erst noch günstig: Für nur wenige Franken fürs ÖV-Ticket oder die Parkgebühr kann man die Höhenwanderung im Berner Oberland bestreiten.

Blogger locken unzählige Touristen an

Doch nun mutiert der einstige Geheimtipp je länger je mehr zum beliebten Hotspot: Die Ausflugsdestination wird durch Bilder auf Social Media und Mund-zu-Mund-Propaganda immer bekannter. «An manchen Tagen wird der Grat regelrecht überrannt», sagt Huser, der für die dortigen Wanderwege zuständig ist. Dies komme nicht bei allen gut an: «Der Besucherandrang führt an schönen Tagen auf den schmalen Bergpfaden gar zu Stau.»

Nebst Wanderern erobern auch Biker, Picknicker und zunehmend auch Blogger, die sich vor dem Panorama fürs perfekte Foto in Szene setzten, die dortigen Gipfel. Besonders beliebt bei den Ausflüglern ist etwa die Aussicht vom Suggiture – «dort wird es teils etwas brenzlig», meint Huser. Links und rechts der acht Quadratmeter breiten Bergplattform geht es steil in die Tiefe. «Bei vielen Leuten würde ich die Situation dort als unangenehm empfinden», meint Huser.

Charme geht verloren

An Wochenendtagen mit strahlend blauem Himmel rät der Hotelier seinen Gästen deswegen von der beliebten Höhenwanderung ab – «bei so vielen Leuten macht die Wanderung nicht mehr wirklich Spass.» Der Charme der Natur gehe zudem verloren. «Ich gehe derzeit nur noch beruflich hinauf, um die Wanderwege zu kontrollieren.»

«Wir leben von den Touristen»

Gemeindepräsident Markus Karlen (SVP) sieht es etwas anders: Als Touristenort müsse man Menschen mögen. Hier oben lebe man von der Landwirtschaft und dem Tourismus. «Es ist nach wie vor jedermann willkommen, um die schöne Landschaft bei uns zu geniessen», sagt er.

Während die meisten Bergler friedlich und ohne Hektik über die den Grat wandern, gibt es auch Besucher, die sich nicht an die Regeln halten: «Wildes Campieren auf dem Augstmatthorn wird immer beliebter», sagt Huser. Dies ist eigentlich verboten. «In solchen Fällen hat auch schon der zuständige Wildhüter für Ruhe und Ordnung gesorgt», sagt der Gemeindepräsident. Wer beim Campen erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen. Auch Biker, die abseits der vorgegebenen Bikeroute fahren, müssen mit einer Busse rechnen. Für Huser ist klar: «Es ist wichtig, dem schönen Flecken im Berner Oberland seine Unberührtheit zu lassen.»

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