Aktualisiert 18.05.2008 19:23

Integration im Job finden

Interkulturelle Kompetenz heisst auch, mit anstatt gegen ausländische Mitbürger zu arbeiten. Wie schaut die Praxis aus, wenn Schweizer und Ausländer gemeinsam arbeiten?

von
Gabriel Aeschbacher

Roger* arbeitet als Sekundarlehrer an einer Privatschule. Dort ist der Ausländeranteil bescheiden, so dass die Integration der fremdsprachigen Schülerschaft quasi von alleine funktioniert. Zum Teil anders ist die Situation an öffentlichen Schulen. Das Streikbeispiel aus Affoltern am Albis zeigt, dass von Ausländerinnen und Ausländern verübte Gewalt nicht mehr hingenommen wird. Was an Schulen offenbar mehr und mehr zum Problem wird, kann sich im Erwerbsleben oft zum Guten wenden.

Die Restaurationsleiterin Michèle ist sich die Arbeit mit Fremdsprachigen gewohnt. Sie erachtet die Sprache als wichtigstes Instrument, wenn es um Integration geht. Ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag sind positiv. «Ich nehme viele meiner Mitarbeitenden als extrem motiviert wahr», sagt sie. Auch punkto Ausbildung sei es so, dass die Mitbewerber – vor allem aus dem deutschsprachigen Ausland - sehr gut auf ihre Arbeit vorbereitet seien.

Stark von ausländischen Arbeitskräften geprägt ist die Baubranche. Dort geht es schon mal rau zu und her, wie Thomas* berichtet. Als selbstständiger Unternehmer arbeitet er vorwiegend mit ausländischen Arbeitskräften. Mit der Mehrheit von ihnen hat er kein Problem, «auch wenn ich dann und wann den Tarif erklären muss». Thomas hebt die Gewissenhaftigkeit hervor, mit denen seine Arbeiter ihre Aufträge verrichteten. „Viele Leute meinen immer noch, auf der Baustelle werde getrunken, gestritten und wenig gearbeitet".

Das Gegenteil sei der Fall, denn in Zeiten von intensiver Bautätigkeit und noch grösserem Preiskampf sei alles andere als seriöse Arbeit gar nicht möglich. Dass viele Arbeiter im Baugewerbe aus dem Ausland kommen, schleckt keine Geiss weg. Solange die Konjunkturlage gut sei, könnten auch fast alle von ihnen integriert und gebraucht werden, sagt Thomas.

*Namen geändert.

Zusammenarbeit mit Ausländern – Himmel oder Hölle?

Max, 16, Steinhausen

Mit ausländischen Mit schülern habe ich selten bis nie eine schlechte Erfahrung gemacht. Im Gegenteil: Meistens bin ich mit ihnen mehr zusammen als mit anderen, weil man einfach mehr Sachen unternehmen kann. Als ich noch in Sarnen wohn haft war, zählte ich mehrheitlich Ausländer zu meinen Freunden.

Fabian, 32, Luzern

Im Gastgewerbe habe ich vorwiegend mit Portugiesen und Italienern zusammengearbeitet. Spürbar war dabei der Machtkampf zwischen den beiden Nationen, was ab und zu Konfliktpotenzial mit sich gebracht hat. War zum Beispiel der Italiener der Vorgesetzte des Portugiesen, hat es mit der Akzeptanz nicht immer geklappt.

Matthias, 15, Schaffhausen

Viele meiner ausländischen Kollegen schät zen es, dass sie in der Schweiz leben dürfen. Ich habe fast nur positive Erfahrungen mit ihnen gemacht. Schade finde ich, dass Ausländerinnen und Ausländer oft in ein schlechtes Licht gestellt werden. Viele sind nämlich sehr bemüht, sich korrekt und angemessen zu be nehmen.

Manuel, 27, Rotkreuz

Ich habe fast nur gute Erfahrungen gemacht, weil ich bei den meisten Mitarbeitenden grossen Willen und Einsatzbereitschaft ausgemacht habe. Allerdings habe ich auch gesehen, dass ausländische Mitarbeitende tendenziell eine straffe Führung brauchen, damit im Betrieb geordnete Verhältnisse herrschen.

Andrea, 44, Cham

Als Lehrerin arbeite ich mit Leuten zusammen, die für ihre Weiterbildung bezahlen und entsprechend interessiert sind, etwas zu lernen. Als positiv erachte ich den kulturellen Austausch, der innerhalb dieser heterogenen Gruppe möglich wird. Negativ ist, dass einige meiner Klienten bereits nach drei Monaten wieder gehen.

«Musts» für den Berufsalltag

– Sprechen Sie nicht um jeden Preis schweizerdeutsch.

– Meiden Sie Witze über die Eidgenossen.

– Keine privaten Fragen. Herr und Frau Schweizer mögen Diskretion.

– Seien Sie pünktlich. Zu spät kommen gilt in hiesigen Gefilden als Todsünde.

– Geiz ist nicht geil. Qualität ist geil – und die hat ihren wohl verdienten Preis!

– Meiden Sie direkte Ansagen und Kritik: Schweizer nehmen es

persönlich!

Regina Reinhardt ist 42 Jahre alt und arbeitet im eigenen Kommunikationsbüro in Winterthur

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