Aktualisiert 04.07.2014 14:13

Flüchtlingswelle

«Integration muss vom ersten Tag an beginnen»

Die Schweiz erwartet eine grosse Zahl syrischer und afrikanischer Flüchtlinge - viele werden hierbleiben. Politiker fordern deshalb eine systematische Integrationsplanung.

von
N. Glaus

Wenn sich Menschen aus anderen Kulturen in der Schweiz niederlassen, klappt das nicht immer reibungslos. Beispiele mangelnder oder gescheiterter Integration von Flüchtlingen gibt es viele: Wöchentlich melden sich mehrere junge Schweizerinnen mit Migrationshintergrund bei der Organisation Zwangsheirat.ch, weil ihnen eine Zwangsehe droht. Auch der Fall beim Letzigrund, wo ein Pakistaner seine 16-jährige Tochter mit einer Axt erschlug, um die Familienehre zu retten, hat mit mangelnder Integration zu tun.

Nun kommt eine weitere grössere Flüchtlingswelle auf die Schweiz zu. Das Bundesamt für Migration (BFM) rechnet mit tausenden Asylsuchenden aus Syrien, dem Irak und mehreren afrikanischen Staaten - Länder also mit einer grossen kulturellen Distanz zur Schweiz. Neben der Bereitstellung der Infrastruktur brauche es deshalb koordinierte Massnahmen für eine rasche und systematische Integration jener Flüchtlinge, die voraussichtlich ohnehin hierbleiben werden, fordern Politiker:

Schnelles, korrektes Asylverfahren

«Man muss verhältnismässig schnell klären, wer längerfristig in der Schweiz bleiben darf», sagt der Genfer Nationalrat der Grünen, Ueli Leuenberger. Wenn man jemandem schnell Asyl gewährt, kann die Integration früher beginnen. «Je länger man wartet, desto schwieriger wird es.» Auch der Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn ist für eine «sofortige» Abklärung, ob jemand Asylrecht erhält oder nicht: «Damit diejenigen, die den Status nicht erhalten, blitzartig wieder zurückgeschickt werden und Platz für andere Hilfsbedürftige schaffen.»

Integration ab dem ersten Tag

Die Geschwindigkeit im Integrationsprozess ist auch für den Schwyzer SP-Nationalrat Andy Tschümperlin entscheidend: «Die Integration muss vom ersten Tag an beginnen.» Nur so könne gewährleistet werden, dass die Asylsuchenden schnell selbständig seien und Mitverantwortung in der Schweiz übernehmen können. So brauche es sofort Sprachkurse, damit sich die Betroffenen so rasch wie möglich im Land verständigen können.

Recht auf Arbeit

Um die Integration zu verbessern, brauche es für Menschen, die in der Schweiz bleiben können, und auch für Asylsuchende ein Recht auf Arbeit, ist der Genfer Nationalrat der Grünen, Ueli Leuenberger, überzeugt. Heute ist dieses Recht beschränkt. «Der schnelle Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert es den Ausländern, sich besser in der Gesellschaft zurechtzufinden.»

Zuhause in Schweizer Familien

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe prüft zurzeit ein Modell, um Asylsuchende bei privaten Familien unterzubringen. «Wir gehen davon aus, dass die Flüchtlinge so den Schweizer Alltag besser kennen lernen», erklärt Sprecher Stefan Frey. Es gehe um ganz einfache Dinge, die unbekannt seien und zum Teil zu Problemen führen: zum Beispiel das Einkaufen. Die Integration würde so zudem «normaler» ablaufen als in grossen, anonymen Asylzentren.

Wiederintegration im Herkunftsland

Weniger Integration in der Schweiz und dafür Wiederintegration im Herkunftsland ist das Rezept des Schwyzer SVP-Ständerates Peter Föhn. Demnach sollen die Flüchtlinge, die in der Schweiz bleiben dürfen, zwar ausgebildet werden, aber gezielt im Hinblick darauf, dass sie wieder in ihr Heimatland zurückgehen und dort beim Wiederaufbau helfen. «Man könnte auch spezielle Kurse in den Asylzentren dafür anbieten.» Dabei solle man immer wieder betonen, dass sie dieses Wissen später in ihrem Heimatland wieder brauchen.

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