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Umstrittene RTL-ShowIntelligenz auf Probe

Der Rummel um «Erwachsen auf Probe» war gross, doch um die Babys in der neuen Reality-Show muss man sich keine Gedanken machen. Die ihnen zugeteilten Teenager dagegen sind die wahren Sorgenkinder.

von
Philipp Dahm

Der Feuilleton und die einschlägigen Vereine hatten aufgeschrien, als der Sender RTL das Konzept für «Erwachsen auf Probe» vorstellte. Für jeweils vier Tage sollten die vier teilnehmenden Kandidaten-Paare Babys in ihre Obhut nehmen. Denen folgen ebenfalls für vier Tage Kleinkinder, dann Schulkinder und schliesslich Jung-Teenies. Die Kritiker hatten selbst bei Gericht versucht, die Premiere am 3. Juni zu stoppen (20 Minuten Online berichtete).

Echte Eltern haben Babys im Blick

Doch daraus wurde nichts und wer die Sendung gesehen hat, weiss: mit Recht! Um die Werbetrommel zu rühren, hatte der Kölner Sender wichtige Details verschwiegen: Die echten Eltern bleiben nicht nur in Häusern in der Nähe ihrer Kinder und behalten per Kamera stets den Überblick über das Geschehen, sondern auch ein Erzieher schaut den Show-Kandidaten permanent über die Schulter. Passieren kann den Kleinen während «Erwachsen auf Probe» also nichts.

Zu Beginn des Formats steht ohnehin Theorie auf dem Lehrplan: Die vier Paare im Alter zwischen 16 und 19 Jahren müssen Lebensaufgaben verteilen: Wer von beiden geht für die neue Familie arbeiten? Wer schmeisst den Haushalt? Nach einer Hebammen-Einweisung, bei der die Teilnehmer das richtige Halten von Babys oder das Wickeln lernen, wird die Schwangerschaft simuliert: Ein künstlicher Babybauch zeigt den Mädchen, wie sich ihr Körper vor der Geburt verändert.

Oh mein Gott: Elvir und Mario

In der nächsten «Eskalationsstufe» bringt ein Storch den Paaren Nachwuchs: Eine Puppe, die schreit, wenn ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, ist der letzte Lernschritt, bevor die Acht sich um einen echten Menschen kümmern dürfen. Weil deren Eltern jederzeit ein Veto einlegen und ihre Kinder herausholen können, steht die Gesundheit der Kinder jedoch nicht auf dem Spiel. Eines von ihnen schläft etwa jede Nacht bei der Mutter und war auch in Drehpausen bei ihr, berichtet diese später bei Günter Jauchs «Stern TV».

Die wahren Sorgenkinder sind die jugendlichen Paare selbst. Offenbar hat RTL beim Casting Problemfällen den Vorzug gegeben (siehe auch Bildstrecke). Besonders negativ aufgefallen sind dabei die Herren Elvir und Mario. Letzterer ist im Kölner Stadtteil Ehrenfeld gross geworden, der für seine bunte Bevölkerungsmischung und seinen hohen Anteil an Jugendkriminalität bekannt ist. Mario passt in das Klischee: 15 Anzeigen hat er auf seinem Kerbholz, unter anderem wegen Raub und Körperverletzung. Selbst während der Dreharbeiten musste er sich vor Gericht wegen vorheriger Taten verantworten.

Fauler fieser Frauenschläger

Noch weniger geeignet für das Aufziehen eines Kindes ist aber der 17-jährige Schüler Elvir. Nicht nur, dass er sich vor der Arbeit drückt, weil das einfach nichts für ihn sei. Er sagt auch noch, Freundin Nadine müsse das Geld für die Familie beibringen, deren zweite Hauptaufgabe er gleichzeitig in der Küche sieht. Ein Macho vom Feinsten, der auch noch frank und frei zugibt, seiner ein Jahr ältere Geliebten schon mal eine «geklatscht» zu haben. Und das würde er wieder tun, spricht er auch noch in die Kamera.

Dieser menschliche soziale Abgrund zeigt auch, wohin die Fernsehreise gehen wird. Der Soap-Charakter macht die Show: Nicht die Kinder werden im Vordergrund stehen, sondern wie die Chaotenpaare mit dem Druck klarkommen werden. Im Fall der beiden «traditionellen» Männer dürfte schon jetzt feststehen: Sie werden ihren Frust an ihren Partnerinnen auslassen. Diesen jungen Frauen kann man nur wünschen: Werdet nicht auf Probe erwachsen, sondern richtig, damit ihr die Einsicht und Kraft findet, eure faulen Anhängsel loszuwerden!

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