Aktualisiert 11.08.2007 19:10

Interimstrainer Bohners eigenartiger Abgang

Beim Dreiländerkampf Schweiz - Deutschland - Rumänien in Schaffhausen gab Wolfgang Bohner, der Interimstrainer der vier «Rebellinen» um Ariella Kaeslin, nach nur dreimonatiger Tätigkeit seinen Abschied - ein eigenartiger Abgang.

Der Turnverband (STV) kommt nicht zur Ruhe. Da glaubten die Verantwortlichen, nach der von den Turnerinnen erzwungenen Entlassung von Cheftrainer Eric Demay eine gangbare Übergangslösung gefunden zu haben. Und nun verschwindet der Ersatztrainer trotz gültigem Vertrag zum ungeeignetsten Zeitpunkt durch die Hintertür.

Nach eigenen Angaben hatte Bohner auf den 1. August um Beurlaubung gebeten. Von STV-Präsident Hanspeter Tschopp und Chef Leistungssport Ruedi Hediger war er darauf ersucht worden, wenigstens in den beiden Länderkämpfen gegen Tschechien und nun in Schaffhausen noch zu assistieren. Für weitere Konzessionen war Bohner nicht bereit, und die STV-Chefs wollten den Abwanderungswilligen auch nicht zum Verbleib zwingen.

Eine Begründung für sein vorzeitiges Ausklinken wollte der 49-jährige Deutsche nicht geben, «um vor der WM keine Unruhe ins Team zu bringen». Mit seinem Schweigen bewirkte er aber genau das Gegenteil und öffnete Spekulationen Tür und Tor, zumal er erwähnte, in einem Brief an den Verband die Gründe offen gelegt zu haben.

Gemäss Präsident Tschopp und Leistungssportchef Hediger ist in diesen Briefen aber nichts von derartiger Tragweite aufgeführt, das einen solchen Schritt drei Wochen vor dem wichtigsten Wettkampf des Jahres gerechtfertigt hätte. So monierte Bohner, er hätte sich von diversen Gruppierungen bei den Kampfrichtern, Trainerkollegen und auch den Turnerinnen nicht ausreichend unterstützt gefühlt.

Auch das Einvernehmen mit Interims-Cheftrainer Fabien Martin, dem er auf dem Papier unterstellt war, sei nicht das beste gewesen. Weil der eine nur französisch und der andere nur deutsch sprach, liess die Kommunikation tatsächlich zu wünschen übrig, aber von einem Disput will Martin nichts wissen. Aussagen stünden sich teilweise diametral gegenüber, fand Leistungssportchef Hediger.

So fragt man sich, ob Bohner sich bei der WM in seinem Heimatland mit der faktischen Rolle eines Assistenten nicht abfinden konnte? Ob er nicht akzeptieren konnte, dass zwei seiner vier Turnerinnen die WM-Qualifikationshürde nicht schafften? Ob er in Stuttgart die Schmach einer allfälligen Niederlage scheute, nachdem er vollmundig eine Olympia-Qualifikation als WM-Ziel genannt hatte. Bohner verneint. Er werde nach der WM in Stuttgart reden. Während der WM wird er dort einen Stand führen in seinem angestammten Beruf als Sportartikelhändler. Ob das ein Rücktrittsgrund war? Nach der WM wird man vielleicht mehr wissen.

Auf jedem Fall hat Bohner trotz seiner anerkennenswerten (Aus-)Hilfe und der guten Arbeit im dreimonatigen Temporärjob dem Verband mit diesem Verhalten einen Bärendienst erwiesen. Professionel verhielt sich Ariella Kaeslin: «Ich bedaure seinen Weggang. Er hat uns gut vorbereitet, aber jetzt stelle ich mich auf die neue Situation ein. Die letzten zwei Wochen vor der WM kann ich auch mit einem andern Trainer zusammenarbeiten.»

(si)

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