Kommunikationsexperte: «International spielen Schweizer wichtige Rolle»
Aktualisiert

Kommunikationsexperte«International spielen Schweizer wichtige Rolle»

Ein Kommunikationsexperte lobt Bundespräsident Burkhalter für seinen Erfolg in Moskau. Das zeige einmal mehr: Die Schweizer seien geschickte Diplomaten.

von
ala
Auf Augenhöhe: OSZE-Präsident Didier Burkhalter trifft auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Auf Augenhöhe: OSZE-Präsident Didier Burkhalter trifft auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Für seinen Auftritt in Moskau erntet Bundespräsident Didier Burkhalter von Politikern aller Lager viel Lob. Auch von Kommunikationsexperte Iwan Rickenbacher erhält der Aussenminister gute Noten. «Das war sehr souverän», urteilt Rickenbacher. «Burkhalter interpretiert seine Rolle als OSZE-Präsident mit viel Geschick.» Dabei komme dem Romand zugute, dass er als Minderheitenvertreter in der Schweiz wisse, dass bei Konflikten gegenseitige Rücksichtnahme wichtig sei.

Vor seinem Amtsantritt als Bundespräsident wurde Burkhalter von Kritikern gerne als «graue Maus» bezeichnet. Zu Unrecht, findet Rickenbacher. Doch auch er zeigt sich überrascht, wie routiniert Burkhalter die schwierige Situation gehandhabt hat. «Er hat bisher keine Fehltritte gemacht und ist sehr diskret – Chapeau!», sagt Rickenbacher. «Burkhalter hat mit dem Aussendepartement sein Parkett gefunden.»

Fehltritte von Bundesräten

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Fauxpas verschiedener Bundesräte, die als Bundespräsidenten nicht alle positiv auffielen. So hat Ueli Maurer 2013 auf seiner China-Reise das Massaker von 1989 an Studenten auf dem Tiananmen-Platz mit den Worten relativiert, er denke, man könne «den Strich längst unter diese Geschichte ziehen». Vier Jahre davor endete die Reise von Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach Libyen in einem Debakel. Und auch das Kopftuch, das Micheline Calmy-Rey während eines Iran-Besuchs trug oder Christoph Blochers Kritik der Schweizer Rassismusstrafnorm in der Türkei sorgten in der Schweiz für Wirbel.

Dennoch ist Kommunikationsexperte Rickenbacher der Meinung, dass sich die Schweizer im Allgemeinen recht trittsicher auf dem internatonalen Parkett bewegten. «Die Fehltritte der Bundesräte wurden meist nur im Inland als Fehltritte wahrgenommen.» So habe Diplomat Tim Guldimann während der Ukraine-Krise bisher sehr erfolgreich agiert. Auch Figuren wie Jakob Kellenberger – Staatssekretär und später Präsident des Roten Kreuzes – oder Alt-Bundesrat Adolf Ogi – ehemaliger UNO-Sonderberater für Sport – zeigten, «dass Schweizer international eine wichtige Rolle spielen».

Gute Diplomaten dank politischem System

Den Grund dafür sieht Rickenbacher nicht zuletzt in der Multikulturalität und Mehrsprachigkeit der Schweiz – und dem politischen System. «Dadurch sind Politiker oder Diplomaten für die Anliegen von Minderheiten sensibilisiert.» Dazu komme ein ausgezeichnetes Bildungssystem und eine gute Diplomatenschule. Als eines der offensten Länder in Europa komme die Schweiz zudem viel mit dem Ausland und anderen Sensibilitäten in Kontakt.

Rickenbachers Fazit: Krasse Fehltritte kommen bei Schweizern selten vor. «Ganz im Gegensatz zu einigen unserer Nachbarn», sagt Rickenbacher und verweist auf Alt-Kanzler Gerhard Schröder, der vor einigen Tagen mit Putin dessen Geburtstag feierte. Oder auf den ehemaligen Premier Italiens, Silvio Berlusconi, der mit Bunga-Bunga-Partys und unzähligen Prozessen von sich reden gemacht hat.

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