Interne Kritik am ETH-Gentech-Feldexperiment

Aktualisiert

Interne Kritik am ETH-Gentech-Feldexperiment

An der ETH Zürich regt sich Widerstand gegen das Feldexperiment mit gentechnisch verändertem Weizen in Lindau ZH.

24 Mitarbeitende haben sich in einem offenen Brief an die Schulleitung gewandt und deren Vorgehen kritisiert.

«Wir sind befremdet, wenn Sie im Namen der gesamten ETH- Forschungsgemeinschaft sprechen», schreiben die Angestellten in ihrem Brief. Es gebe an der ETH zahlreiche Mitarbeitende, die ethische Grundlagen ihrer Arbeit über die Ziele der Schulleitung stellten.

Je komplexer und interdisziplinärer Forschungsgebiete würden, desto schwieriger seien die Risikoprognosen, halten die Angestellten aus dem Mittelbau der Hochschule weiter fest. Ausserdem müssten vor einem Versuch wie demjenigen in Lindau nicht nur die technischen Risiken, sondern auch die ethischen Konsequenzen für die Öffentlichkeit geklärt sein.

ETH verweist auf «hohe Kritikkultur»

ETH-Sprecher Rolf Probala zeigte sich über das Vorgehen der Mitarbeitergruppe erstaunt. Der Vizepräsident Forschung habe die Kritiker zu einem Gespräch eingeladen, bestätigte Probala auf Anfrage einen Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Dienstag.

Es gebe an der ETH jedoch viele Möglichkeiten, Kritik ohne öffentlichen Brief anzubringen, sagte Probala. Bei 20 000 Mitarbeitenden sei es ausserdem selbstverständlich, dass nicht alle mit dem Vorgehen der Schulleitung einverstanden seien.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des offenen Briefes wollten am Dienstag auf Anfrage der sda zum offenen Brief keine weitere Stellung nehmen.

Versuchs-Beginn nach langer Debatte

Die ETH startete am letzten Donnerstag nach einer jahrelangen Debatte mit dem Gentech-Feldexperiment in Lindau. Ende Februar entschied das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) gegen eine Beschwerde der Gentech-Kritiker. Damit wurde der Weg für den ETH-Versuch frei.

Das Experiment auf der Versuchsstation in Lindau ZH dient gemäss ETH der Grundlagen- und Biosicherheitsforschung. Dabei soll die Resistenz von Weizen gegen Brandpilze untersucht werden. Der Versuch dauert vier Monate.

(sda)

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