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Interner seco-Bericht kritisiert McDonald's

39 von 54 kontrollierten McDonald's-Filialen in der Schweiz verstossen gegen das Arbeitsgesetz.

Nicht erlaubte Nacht- und Sonntagsarbeit von Jugendlichen, Arbeitszeiten von mehr als 6 Tagen in Folge - und dies oft ohne Pausen, wie ein seco-Bericht zeigt.

«Schwere Verstösse» wurden in 25 Fast-Food-Lokalen festgestellt, leichte in 14 Restaurants. In 15 Filialen war alles in Butter. Dies geht aus einem Schreiben von Christiane Aeschmann, Ressortleiterin Arbeitnehmerschutz beim Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), an die kantonalen Behörden hervor. Der Brief liegt der SDA vor.

Publik gemacht hat ihn die linke Tessiner Wochenzeitung «Area», die in ihrer Ausgabe vom Freitag gross über das Thema berichtet. Auf der Homepage des Blattes (www.area7.ch) ist der Artikel seit Donnerstagabend abrufbar.

Schwere Verstösse in den Randregionen

Aus dem seco-Bericht geht hervor, dass die in den Kantonen BS, BL, LU, NE, SG, TI und VD durchgeführten Kontrollen «schwere Verstösse» gegen das Arbeitsgesetz zu Tage gebracht haben. Die Palette reicht von fehlenden Pausen über den Einsatz von Jugendlichen während der Nacht bis hin zu fehlenden Papieren.

In FR, GE, SH und SO wurden bei den Stichproben «leichte Verstösse» festgestellt. In ZG, SZ und TG war hingegen alles in Ordnung. Zu den Kantonen AG, BE, GL, GR, JU, NW, OW, UR, VS und ZH wurden keine Angaben gemacht.

Gewerkschaft fühlt sich bestätigt

Mauro Moretto, der Zentralsekretär der Gewerkschaft unia, zeigte sich über die Ergebnisse des seco-Berichts nicht überrascht: «Jedes Mal, wenn wir Missstände aufdecken, heisst es, dass es sich um einen Einzelfall handle, den man sehr bedaure», sagte er in einem Interview mit «Area».

Moretto begrüsst die Kontrollen in der ganzen Schweiz. Denn diese würden McDonald's dazu zwingen, sich an das Arbeitsgesetz zu halten. Arbeitnehmer, die den Mut aufbrächten, die Missstände anzuprangern, würden nur die Spitze des Eisberges bilden: «Personen, die aus Not solch prekäre Jobs angenommen haben, überlegen es sich zehnmal, ehe sie Verstösse melden.»

Treffen zwischen seco und McDonald's

Beim seco hält sich die Begeisterung über die Publikation der Testergebnisse in Grenzen: «Die Kantone haben im Auftrag des seco und mit Wissen von McDonald's Kontrollen bezüglich der Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeiten durchgeführt», sagte seco-Sprecherin Rita Baldegger am Donnerstag auf Anfrage.

Die Resultate und das weitere Vorgehen würden Ende April mit der Direktion von McDonald's Schweiz besprochen werden. McDonald's bestreitet die im Bericht aufgeführten Fakten nicht, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme vom Donnerstagabend schreibt.

Wie schwerwiegend sie seien, werde aber erst die abschliessende Sitzung mit dem seco zeigen. Deshalb wolle man die Ergebnisse des Berichts nicht im Detail kommentieren.

Es werde allerdings zunehmend schwieriger, «die sehr restriktiven und zum zum Teil nicht mehr zeitgemässen Vorschriften einzuhalten», bemängelt das Unternehmen. Denn die Nachfrage nach flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit wachse zusehends.

(sda)

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