Spam-Streit: Internet-Attacke auf Genfer Anti-Spam-Firma
Aktualisiert

Spam-StreitInternet-Attacke auf Genfer Anti-Spam-Firma

Das Projekt Spamhaus in Genf erstellt Blacklists von Versendern unerwünschter Werbung. Damit zieht es den Zorn der Spammer auf sich. Diese rächten sich nun mit einer riesigen DDoS-Attacke.

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rey/dsc
Seit Mitte März steht das Projekt Spamhaus virtuell unter Beschuss.

Seit Mitte März steht das Projekt Spamhaus virtuell unter Beschuss.

Die in Genf ansässige Anti-Spam-Organisation Spamhaus ist angeblich Opfer einer der grössten Cyber-Attacken in der Geschichte des Internets geworden. Der Angriff ist nach Einschätzung von Experten so gross angelegt, dass inzwischen auch die Nutzung des ganzen Netzes beeinträchtigt wird. Dies hat sich mittlerweile allerdings als völlig übertriebene Behauptung herausgestellt (siehe Update am Artikelende).

«Es ist ein kleines Wunder, dass wir überhaupt noch am Netz sind», sagte Spamhaus-Vertreter Vincent Hanna. Wie ein Angreifer gegenüber «Spiegel» sagt, habe sich «die halbe russische und halbe chinesische Internet-Industrie» daran beteiligt.

Auf der schwarzen Spam-Liste gelandet

Spamhaus führt eine Blacklist von Unternehmen, die Spam-Nachrichten verschicken. Die Organisation aktualisiert diese Liste ständig und trägt so dazu bei, dass unerwünschte Mails - vom Viagra-Angebot bis zur dubiosen Finanzanlage - ausgefiltert werden.

Im Auftrag von Unternehmen, die in ihren eigenen Augen ungerechtfertigt auf einer solchen Liste gelandet waren, führte die Gruppe Stophaus die massive Hacker-Attacke durch. Gegenüber «Spiegel» rechtfertigt sich ein Sprecher: In den Augen der Angreifer ist Spamhaus eine Art selbsternannte Internet-Polizei, die willkürlich in das Internet eingreift und entscheidet, welche Daten verschickt werden können.

Mit riesigen Datenmengen beschossen

Bei sogenannten DDoS-Attacken werden so riesige Datenmengen mutwillig auf eine Webseite geleitet, dass der Server sich aufhängt. Derartige Attacken gebe es bereits seit Mitte März, sagte Spamhaus-Sprecher Hanna. Bislang habe man noch die Oberhand behalten. Falls die Seite aber wirklich völlig lahmgelegt werde, könnten Spammer ihre Massenmailings ausweiten, warnte er.

Der Experte Patrick Gilmore von Akamai Technologies sagte, die Attacke sei so umfangreich, dass auch andere Nutzer des Internets betroffen seien. Zu den auftretenden Problemen gehörten lahme oder unterbrochene Verbindungen.

Update 28. März:

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, entpuppt sich die angeblich globale Internet-Attacke als viel Rauch und sehr wenig Feuer. Der US-Blog Gizmodo ging der Frage nach, ob das Internet in den Grundfesten erschüttert wurde. Kurze Antwort: Nein. Es gab zwar tatsächlich einen grossangelegten Angriff auf die Spamhaus-Server. Abgesehen davon gab es aber keine spürbaren Auswirkungen. Dies sagten die Vertreter mehrerer grosser Hosting-Unternehmen gegenüber Gizmodo. Global sei nur der Hype um die totale Internet-Apokalypse gewesen. (rey/dsc/sda)

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