Aktualisiert 19.05.2007 19:47

Internet-Betrüger machen Kasse mit entführter Madeleine

Skrupellose Betrüger haben Internetseiten mit Adressen eingerichtet, die jener der offiziellen Website für die Madeleine-Suche täuschend ähnlich sind.

Die internationale Welle des Mitleids mit der kleinen Madeleine wird von Betrügern missbraucht, um im Internet Kasse zu machen. Derweil hält die Anteilnahme am Schicksal des vor mehr als zwei Wochen in Portugal entführten vierjährigen Mädchens und seiner Familie an.

Durch die von vielen Freiwilligen unterstützte internationale Vermisstensuche haben Millionen von Menschen Poster, Fotos und Videos mit Hilfsaufrufen gesehen. Die Ermittlungen der Polizei scheinen derweil kaum voranzukommen.

Skrupellose Betrüger haben nach Angaben der britischen Zeitung «Daily Mail» vom Samstag Internetseiten mit Adressen eingerichtet, die jener der offiziellen Website für die Madeleine-Suche täuschend ähnlich sind. Online-Gangster wollten so an Kreditkartennummern und andere persönliche Angaben von Spendern herankommen.

Zudem versuchten Online-Ganoven, mit Werbebannern von Unternehmen auf vermeintlichen Madeleine-Seiten Geld zu machen. Die Familie des Mädchens reagierte mit Empörung: «Es ist eine Schande, dass Leute die allgemeine Hilfsbereitschaft derart ausnutzen», sagte Madeleines Onkel John McCann der Zeitung. «Ich benutze das Wort Parasiten nicht gern, aber dies sieht ganz danach aus.»

Bei jedem Klick auf ein Werbefenster können Website-Betreiber den Agenturen von Firmen, die ihre Links für Internet-Werbung freigegeben haben, geringe Beträge in Rechnung stellen. Angesichts der bislang geschätzten 80 Millionen Online-Besuche auf der offiziellen Madeleine-Homepage gehen Experten davon aus, dass viele Gutgläubige auf Internet-Seiten mit ganz ähnlichen Namen gelandet sind und den Betreibern allein schon durch das Anklicken von Werbebannern zu Einkünften verholfen haben.

Inzwischen haben Millionen von Menschen in vielen Teilen der Welt einen zweiminütigen Videofilm mit Bildern Madeleines gesehen. Er war erstmals am Mittwoch beim international übertragenen UEFA-Cup-Finale in Glasgow gezeigt worden. Der britische Fussballverband nahm das Video am Samstag in das Beiprogramm für das FA-Cup-Finale zwischen dem FC Chelsea und Manchester United auf.

Derweil haben sich aus mehreren Ländern Reisende bei der britischen Polizei gemeldet, die meinten, das vermisste Mädchen möglicherweise gesehen zu haben. So berichtete eine 45-jährige Norwegerin, ihr sei vor mehreren Tagen an einer Tankstelle in Marokko ein kleines blondes Mädchen an der Hand eines etwa 30-jährigen Mannes aufgefallen. Das Kind habe auf Englisch gefragt: «Kann ich Mama bald sehen?»

Bei der britischen Polizei hiess es dazu, man leite alle Hinweisen umgehend an die portugiesischen Kollegen weiter. Die Polizei in der Algarve, wo Madeleine am 3. Mai aus der Ferienwohnung ihrer Eltern in dem Badeort Praia da Luz entführt worden war, suchte nach Angaben portugiesischer Zeitungen in leer stehenden und verlassenen Häusern und auch im Meer nach ihr.

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