Aktualisiert 06.06.2005 20:36

Internet: Illegaler Handel mit Arzneimitteln

Das Heilmittelinstitut Swissmedic hat einen illegalen Internethandel mit Arzneimitteln gestoppt.

Eine von der Schweiz aus betriebene Internetseite, die nicht zugelassene Arzneimittel mit teilweise beträchtlichem Gesundheitsrisiko zum Verkauf anbot, wurde gesperrt. Mehrere Dutzend Kilogramm Arzneimittel wurden beschlagnahmt.

Swissmedic hatte nach Meldungen der Zollbehörden über verdächtige Arzneimittelsendungen eine Untersuchung eingeleitet und die für die Kontrolle des Detailhandels zuständigen kantonalen Behörden informiert, wie sie am Montag in Bern mitteilte. In den vergangenen Monaten seien anlässlich einer Hausdurchsuchung mehrere Dutzend Kilogramm der Arzneimittel sowie Unterlagen beschlagnahmt und anschliessend der Waren- und Geldfluss analysiert worden. Swissmedic weist darauf hin, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Sofern der Server eine Website in der Schweiz sei oder der Versandhandel auf Schweizer Territorium stattfinde, könne die Heilmittelbehörde juristisch einschreiten. So sei vor kurzem eine weitere Internetseite gesperrt worden, auf der nicht zugelassene Arzneimittel beworben und zum Kauf angeboten worden seien.

Über die nun gesperrte Internetseite wurden rund 40 Präparate wie Schlankheitsmittel, Mittel gegen die Alterung, Erektionsstörungen oder zur Stärkung des Immunsystems und der Hirnleistung sowie Produkte zur Aktivierung der Leberfunktion und Antidepressiva zum Verkauf angeboten, wie Swissmedic weiter schreibt. Die teilweise stark irreführenden Heilanpreisungen umfassten zahlreiche schwere Erkrankungen, die eine ärztlichen Diagnose und Therapie erforderten. Auf Grund der wissenschaftlich nicht belegten und behördlich nicht genehmigten Heilversprechen bestand die Gefahr, dass Patientinnen und Patienten sich keiner adäquaten Therapie unterzogen.

Wegen der ungenügenden Beschreibung von unerwünschten Wirkungen und Vorsichtsmassnahmen bestand laut Swissmedic zudem die Gefahr einer unzweckmässigen Einnahme. Die Herstellungsbedingungen der hauptsächlich aus den USA stammenden Produkte seien weder bekannt noch belegt. Ein gesundheitliches Risiko bei der Einnahme habe nicht ausgeschlossen werden können.

Swissmedic schätzt, dass pro Jahr bis zu 40.000 von Privatpersonen über Internet bestellte Medikamentensendungen in die Schweiz gelangen. Bei rund einem Fünftel der Präparate dürfte es sich um Stoffe mit Abhängigkeitspotenzial wie Schlaf-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel handeln. Der Import von Betäubungsmittelhaltigen oder psychotropen Arzneimittel sei für Private gemäss Betäubungsmittelgesetz verboten. Wer andere Präparate für den Eigengebrauch aus dem Ausland beziehe, mache sich zwar nicht strafbar, gehe jedoch ein Gesundheitsrisiko ein, namentlich wenn die Bezugsquelle und die eingeführten Arzneimittel nicht behördlich autorisiert seien.

Swissmedic weist darauf hin, dass der Versandhandel in der Schweiz nur zulässig ist, wenn im Einzelfall eine entsprechende kantonale Bewilligung für eine Apotheke vorliegt, die auch über eine kantonale Detailhandelsbewilligung verfügen muss. Im Versandhandel müsse für jedes Präparat ein von einem Arzt ausgestelltes Rezept vorliegen. Dies gelte auch für Medikamente, die sonst rezeptfrei erhältlich seien.

(dapd)

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