Aktualisiert 14.06.2004 11:59

Internet-Kriminalität auf dem Vormarsch

Die Verdachtsfälle auf Internet-Kriminalität haben in der Schweiz im ersten Halbjahr 2004 markant zugenommen. Harte Pornografie bildet dabei einen Schwerpunkt.

Die Koordinationsstelle des Bundes überwies bis Mitte Juni mehr als 200 Dossiers an die Justizbehörden - doppelt so viele wie im ganzen Jahr 2003.

2003 konnte die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internet- Kriminalität (KOBIK) mehr als 100 Verdachtsfälle weiterleiten, wie deren Leiter Philipp Kronig gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

«Uns stehen derzeit einige sehr gute technische Hilfsmittel zur Verfügung», begründet er den Anstieg. Bereits die 100 Verdachtsfälle des Vorjahres seien im internationalen Vergleich ein sehr gutes Ergebnis gewesen. Es sei daher denkbar, dass die Zahl auch wieder sinke.

500 bis 600 Meldungen monatlich

Rund drei Viertel der Verdachtsfälle, die die KOBIK an die Strafverfolgungsbehörden weiterleitet, gehen auf Recherchen der Koordinationsstelle selbst zurück. Das übrige Viertel beruht auf Meldungen Dritter, die bei der KOBIK eingehen.

Die Zahl der Meldungen bewege sich konstant zwischen 500 und 600 pro Monat, seit die KOBIK im Januar 2003 ihre Arbeit aufgenommen habe, sagte Kronig weiter.

Kinderpornografie, Spamming, Betrug

Nach wie vor bilden Kinderpornografie und harte Pornografie im allgemeinen einen Schwerpunkt der Arbeit der KOBIK. Die Koordinationsstelle hat diesen Auftrag von den kantonalen Justizbehörden erhalten und richtet ihre Recherchen entsprechend aus.

Ein Handlungsbedarf besteht mehr denn je: «Kinderpornografische Darstellungen werden immer brutaler und die Opfer immer jünger», sagt Kronig. Die Opfer stammen nach wie vielfach aus Entwicklungsländern.

Dabei besteht ein enger Konnex zwischen Sextourismus und Kinderpornografie. Letztere sei vor allem in jenen Entwicklungs- oder Schwellenländern ein Problem, die touristisch besser erschlossen seien, sagt Kronig.

Die Meldungen Dritter deckten dagegen die verschiedensten Themen ab, sagte Kronig. Dazu gehören neben Kinder- und harter Pornografie etwa das so genannte Spamming (Massenversand unerwünschter Werbemails) oder Betrug bei Internet-Auktionen.

Automatische technische Überwachung

Für ihre Recherchen, das so genannte Monitoring, greift die KOBIK auf eine automatische technische Überwachung der verschiedenen Kanäle des Internet zurück. Dabei beschränkt sie sich auf Sachverhalte aus der Schweiz.

«Wir starten nicht mit einer Suchmaschine wie Google irgendwelche Abfragen», erklärt Kronig. Stattdessen werden Homepages, Newsgroups, Chatrooms oder Tauschbörsen mit spezieller Software überwacht. In jedem Bereich müsse aufgrund von dessen Eigenheiten anders vorgegangen werden, sagt Kronig.

Verdeckte Ermittlungen - etwa die Kontaktaufnahme mit Leuten, die kinderpornografisches Material anbieten - sind dagegen Sache der Strafverfolgungsbehörden. Das KOBIK beobachte lediglich, sagt Kronig. Bei den Justizbehörden stelle die verdeckte Ermittlung das letzte Mittel dar.

(sda)

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