Krawalle: Internet-Pranger auch für 1.-Mai-Chaoten

Aktualisiert

KrawalleInternet-Pranger auch für 1.-Mai-Chaoten

Nicht nur Hooligans, auch anderen Schlägern oder Krawallbrüdern droht die öffentliche Zurschaustellung: Die Polizeien in Zürich, Bern und der Ostschweiz wollen bei schwereren Vergehen künftig vermehrt mittels Fahndungsfotos nach mutmasslichen Tätern suchen.

von
Annette Hirschberg

Die Bilder vom Bahnhof Kreuzlingen schockierten die Schweiz: Drei 18- bis 20-jährige Jugendliche schlagen beim Aufgang zum Perron grundlos auf zwei Passanten ein und lassen diese verletzt liegen. Publiziert wurden sie am Donnerstag von der Thurgauer Kantonspolizei. Der Erfolg des Videos ist durchschlagend: Bereits am Tag der Publikation konnten zwei der drei Täter verhaftet werden.

Ungewöhnlich ist, dass die Aufnahmen zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Denn dazu braucht es eine Einwilligung der Justizbehörden. In diesem Fall war das der Kreuzlinger Untersuchungsrichter Patrick Müller. Er griff zu diesem Mittel, weil das Vergehen der drei Täter schwer ist und die Ermittlungen der Polizei ergebnislos verliefen.

Kein Unterschied zwischen Hooligans und anderen Randalierern

Bis vor Kurzem wäre dies undenkbar gewesen. Doch dieses Jahr liessen Justizbehörden mehrerer Kantone zum ersten Mal Bilder gewalttätiger Hooligans auf Polizeiseiten veröffentlichen. Und der Internet-Pranger wird nicht auf Krawallmacher aus der Fussballszene beschränkt bleiben. «Wir unterscheiden nicht zwischen Hooligans und anderen Randalierern», sagt Marco Cortesi, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei. Im Klartext heisst das, auch die Chaoten vom 1. Mai müssen fürchten, im Internet zur Schau gestellt zu werden. «Wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind und die Staatsanwaltschaft einwilligt», bestätigt Cortesi.

Pranger bei schweren Vergehen

Auch die Berner Kapo, die heute Freitag erste Hooliganbilder vom Cupfinalspiel am 20. Mai publiziert hat (Hompage Kapo Bern), kann sich weitere Veröffentlichungen vorstellen. «Das ist möglich, muss aber von Fall zu Fall entschieden werden», sagt Kapo-Sprecher Jürg Mosimann. Ähnlich sieht es in St. Gallen aus. «Es ist eine Frage der Schwere des Vergehens», sagt Thomas Hansjakob, erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. Einem Fahndungsfoto im Internet stimmt er dann zu, wenn für die Taten ein Jahr Freiheitsstrafe oder mehr beantragt werden. So hat die St. Galler Kapo im Januar Bilder von 18 Hooligans veröffentlicht, die 2008 im Barrage-Spiel im alten Stadion Espensmoos Randale machten. «Gefordert werden für alle Angeklagten 12 bis 18 Monate Gefängnis.»

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