Aktualisiert 21.06.2011 17:44

Telefonmarketing Internet-Pranger für unseriöse Krankenkassen

Verbotener Telefonterror durch Krankenkassen soll gestoppt werden. Mit Meldeformular und Schwarzer Liste will Santésuisse den Fehlbaren an den Kragen.

von
Jessica Pfister
Bald im Netz zu finden: Liste der Krankenkassen, über deren Telefonmarketing sich die Leute beschweren.

Bald im Netz zu finden: Liste der Krankenkassen, über deren Telefonmarketing sich die Leute beschweren.

«Guten Tag. Sie sind sicher daran interessiert, weniger Krankenkassenprämien zu bezahlen? Bei welcher Kasse sind Sie versichert? Ich kann Ihnen mit Sicherheit ein günstigeres Angebot unterbreiten.» Bis anhin konnte man bei diesen Anrufen nicht mehr tun, als der Dame und dem Herr der entsprechenden Versicherung beziehungsweise der Maklerfirma zuzuhören oder das Gespräch mehr oder weniger höflich zu beenden.

Ab sofort können sich genervte Anrufer jedoch wehren und die fehlbaren Kassen an den Internet-Pranger stellen. Der Krankenkassenverband Santésuisse hat nun ein entsprechendes Meldeformular im Internet aufgeschaltet. Denn der seit dem 1. Juni geltende Ehrenkodex verbietet Krankenkassen die «telefonische Kaltakquise» für die Grundversicherung. Erlaubt bleiben lediglich Beratungen für Zusatzversicherungen und Anrufe von Krankenkassen, bei denen der Versicherte innerhalb der letzten fünf Jahre grundversichert war.

Meldeformular im Internet

Und so funktioniert die Beschwerde: Wer von einem Telefonmakler trotz Verbot eine Grundversicherung angeboten bekommt, kann das Meldeformular von Santésuisse ausfüllen. «Wir haben das Formular seit dieser Woche aufgeschaltet», bestätigt Sprecherin Silvia Schütz. Um sicher zu gehen, dass der Dachverband die eigenen Mitglieder nicht ungerechtfertigt beschuldigt, verlangt die Santésuisse laut Schütz auf dem Meldeformular detaillierte Angaben wie der Name der Versicherung oder bei Maklern der Name der Organisation. «Sind die Angaben auf dem Formular vollständig, nehmen wir mit der entsprechenden Krankenkasse Kontakt auf.»

Die fehlbaren Krankenkassen werden laut Schütz regelmässig auf einer Liste zusammengefasst und auf der Internetseite von Santésuisse publiziert. «Wir rechnen damit, die erste Liste in frühestens drei Monaten aufzuschalten.» Man müsse jetzt erst einmal schauen, ob und wie das Meldeformular genutzt werden. Intern sollen die Beschwerden auf jeden Fall wöchentlich ausgewertet werden.

Keine Sanktionen

Sanktionen gegen die aufgelisteten Kassen könne der Verband allerdings keine durchführen. «Wir erwarten vom öffentlichen Pranger aber eine abschreckende Wirkung», so Schütz.

Bund überwacht Umsetzung

(jep)

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