Aktualisiert 06.04.2011 16:20

Provider VS. Switch

Internet-Provider haben die Nase voll

Der staatliche Internet-Verwalter Switch missbrauche seine Marktmacht, beklagen die privaten Hosting-Provider - und gehen auf die Barrikaden.

von
Oliver Wietlisbach
Hosting-Provider ägern sich: Switch leitet seine Kunden auf die Seite seiner Tochterfirma Switchplus weiter.

Hosting-Provider ägern sich: Switch leitet seine Kunden auf die Seite seiner Tochterfirma Switchplus weiter.

Die angespannte Beziehung zwischen den privaten Hosting-Providern und der staatlichen Domain-Registrierungsstelle Switch ist auf dem Gefrierpunkt angelangt. Die Provider warfen Switch heute Morgen an einer Medienorientierung «diskriminierendes und marktverzerrendes» Verhalten vor. Für rote Köpfe bei den Providern sorgt die Tochtergesellschaft Switchplus, mit der das Mutterhaus die private Konkurrenz frontal angreift.

Während Switch im Auftrag des Bundes lediglich für die Verwaltung und die Vergabe der Internetadressen zuständig ist, bietet Switchplus seit zwei Jahren auch lukrative Webhosting-Dienstleistungen an, die vorher den 300 bis 500 privaten Providern vorbehalten waren. Da die Provider ihr Geld nicht mit der Vergabe von Internet-Adressen machen, sondern primär mit dem Web- und E-Mail-Hosting, sehen sie ihre Felle davonschwimmen.

Domain-Verwalter Switch in der Kritik

«Die Provider stossen sich nicht per se an der neu erwachsenen Konkurrenz», sagte Franz Grüter, CEO von green.ch. Untragbar sei indes, dass die Registerstelle Switch auf ihrer Website auf die Hosting-Angebote ihrer Tochtergesellschaft verlinkt, während die Dienstleistungen der privaten Provider nicht oder kaum sichtbar seien. In der Schweiz sei der Name «Switch» gleichbedeutend mit «Domain registrieren», so dass ein Grossteil der Kunden beim Kauf Ihrer Internet-Adresse auf switch.ch fast zwangsläufig über die Hosting-Angebote von Switchplus stolpern müssen, so Grüter.

Provider fordern gleich lange Spiesse

Die Provider fordern daher, dass die Kunden auf switch.ch die freie Wahl des Hosting-Anbieters erhalten. Switch sieht dies bereits gewährleistet, da die Registrierungstätigkeit auf der Seite nic.ch. betrieben werde. «Hier werden alle Partner (Hoster) von Switch gleichberechtigt dargestellt.»

Switchplus wurde 2009 aus der Taufe gehoben und hatte bis November 2010 bereits zehn Prozent Marktanteil bei der Domain-Registrierung erobert. Die 48 anderen staatlich zugelassenen Domain-Wiederverkäufer kommen insgesamt auf einen Marktanteil von 25 bis 45 Prozent – rund die Hälfte der Domain-Vergaben laufen somit direkt über Switch ab. «Dieser Marktanteil ist nicht durch den Wettbewerb zustande gekommen, sondern durch die Bevorzugung seitens der Registerstelle Switch», sagte Claudius Röllin, Marketing-Chef von Hostpoint.

Switch fürchte den offenen Markt, da der Domain-Verwalter ab 2015 seine staatlich zugesicherte Monopolstellung verlieren könnte. Daher bringe sich der Monopolist, der heute rund 1,5 Millionen .ch- und .li-Adressen verwaltet, mit Switchplus in Stellung, um bereits einen Fuss in den rentablen Webhosting-Markt zu setzen. Switch bestätigt auf Anfrage, dass Switchplus zur Zukunftssicherung nach 2015 lanciert wurde, da die unklare Situation «ein substantielles Risiko – sowohl auf der Ertragsseite als auch für die in diesem Bereich beschäftigten Mitarbeitende - bedeutet.»

Fronten sind völlig verhärtet

Da Switch seine marktbeherrschende Position missbrauche, haben im Herbst 2009 elf Provider beim Zürcher Handelsgericht und der Wettbewerbskommission (WEKO) Anzeige eingereicht. Switch verzichtete in der Folge darauf, auf der eigenen Webseite die Tochter Switchplus als vorselektierten Standard-Anbieter für Hosting-Lösungen anzupreisen. Allerdings leitet nach wie vor ein prominent platzierter Button (siehe Bild) auf das Angebot von Switchplus weiter.

«Der eigentliche Skandal ist aber, dass die WEKO den Fall verschleppt und unzulänglich untersucht hat», beklagt Grüter. Deshalb haben die Provider am 28. März eine Aufsichtsbeschwerde gegen die WEKO eingereicht. Eine angeforderte Stellungnahme der WEKO ist noch ausstehend.

«Die Hosting-Provider haben die Nase voll», begründet Anwalt Rolf Auf der Mauer den Schritt. Man habe jahrelang das Gespräch gesucht, aber Switch bewege sich keinen Millimeter. Switch-Sprecher Roman Eugster kontert den Vorwurf: «Wir haben in der Vergangenheit mehrfach unsere Gesprächsbereitschaft angeboten und eine einvernehmliche Lösung angestrebt. Die Hoster sind darauf nicht eingegangen.» Die Vorwürfe seien hinlänglich diskutiert und entkräftet worden. «Sowohl das Handelsgericht Zürich als auch die WEKO konnten die Vorwürfe nicht bestätigen, weshalb die Verfahren eingestellt wurden.»

«Staat soll Private nicht konkurrenzieren»

Sukkurs erhalten die Hosting-Anbieter von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. «Der Staat soll sich auf die Kontrolle konzentrieren und nicht private Provider konkurrenzieren.» Die als Stiftung organisierte Non-Profit-Organisation Switch erziele dank überteuerten Domain-Gebühren rund 15 Millionen Franken Gewinn. So koste eine Internet-Adresse in der Schweiz 17 Franken pro Jahr, während Kunden in Deutschland lediglich 1,90 Euro bezahlten. Die Provider werfen Switch daher vor, in den letzten Jahren rund 40 Millionen Franken Reserven angehäuft zu haben, die nun unter anderem in Werbekampagnen für Switchplus fliessen würden.

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