Aktualisiert 02.03.2015 08:33

Digitale Vermögensverwalter

Internet-Start-ups setzen Banken unter Druck

Bankgeschäfte wie Überweisungen lassen sich längst übers Internet erledigen. Ein Zürcher Start-up wagt sich noch weiter vor.

von
Kaspar Wolfensberger
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Die Vermögensverwaltung ist ein wichtiges Geschäftsfeld der Banken (im Bild der Paradeplatz in Zürich).

Die Vermögensverwaltung ist ein wichtiges Geschäftsfeld der Banken (im Bild der Paradeplatz in Zürich).

Keystone/Christian Beutler
Doch auch hier nimmt die Bedeutung des Internets beständig zu (im Bild ein Bankkunde beim Gebrauch eines E-Banking-Tools zur Abwicklung von Überweisungen.

Doch auch hier nimmt die Bedeutung des Internets beständig zu (im Bild ein Bankkunde beim Gebrauch eines E-Banking-Tools zur Abwicklung von Überweisungen.

Keystone/Christian Beutler
Eine Person, die die Vermögensverwaltung ins Netz bringen möchte ist Felix Niederer. Bei seiner Firma True Wealth können Kunden online investieren.

Eine Person, die die Vermögensverwaltung ins Netz bringen möchte ist Felix Niederer. Bei seiner Firma True Wealth können Kunden online investieren.

Daniel auf der Mauer

Der Gang in die Bankfiliale ist heute für die meisten Kunden eine absolute Ausnahme. Wer Geld überweisen oder einfach den Kontostand überprüfen möchte, erledigt das mit Online-Banking. Dieser Trend zur Digitalisierung erreicht jetzt auch die Vermögensverwaltung. Statt des klassischen Anlageberaters aus Fleisch und Blut gewinnt das computerbasierte Wealth Management an Bedeutung.

Auch in der Schweiz gibt es entsprechende Unternehmen. Eines davon ist True Wealth. Ende 2014 haben ETH-Physiker Felix Niederer und Digitec-Gründer Oliver Herren True Wealth auf den Markt gebracht. Es bietet eine Online-Plattform, die Anlegern hilft, in kurzer Zeit ein auf ihr individuelles Risikoprofil ausgerichtetes Portfolio zusammenzustellen. Entsprechend ihren eigenen Wünschen können die Kunden dabei auch festlegen, ob sie lieber in Aktien, Obligationen oder zum Beispiel Rohstoffe investieren möchten.

Gespaltene Meinungen

Eigentlich begrüssen Marktbeobachter, dass die Banken digitale Konkurrenz erhalten. «Unser Finanzplatz braucht einen Wettbewerb von Internet-Finanzportalen. Durch die Vormachtstellung der Grossbanken liegt die Schweiz hier fast noch in der Steinzeit», so zum Beispiel Vermögensverwalter Roger Fromm, Geschäftsführer der Investory AG. Gut seien auch die geringen Gebühren. «Die Plattform ist deshalb auch für Anleger mit tieferen Vermögen interessant.»

Finanzunternehmer und Fintech-Investor Marc P. Bernegger findet ebenfalls lobende Worte für die Funktionsweise der Plattform. Andererseits gebe es für ihn aber ein grosses Fragezeichen: «Ich bezweifle, dass True Wealth mit seinem Geschäft den Sprung in die Gewinnzone schaffen wird.» Um einen substantiellen Profit zu erwirtschaften, müsse True Wealth eine sehr hohe Anzahl an Geldern verwalten. Konkurrenten aus den USA sei dies teilweise gelungen. Dies in der Schweiz in absehbarer Zeit auch zu erreichen, sei aber sehr schwer.

Stark gewachsen

Die Zahlen von True Wealth scheinen allerdings in eine andere Richtung zu weisen: Als das Start-up loslegte, verwaltete es fünf Portfolios von Freunden mit insgesamt 200'000 Franken. Wenige Monate später sind es schon 200 Kunden und acht Millionen Franken.

Die Attraktivität seines Angebots machen laut Niederer primär zwei Faktoren aus. Erstens sei seine Plattform objektiv und hänge nicht, wie ein klassischer Kundenberater, von der Verkaufskommission ab. Zweitens seien die Gebühren sehr tief. «Wahre Qualität in der Vermögensverwaltung zeichnet sich primär durch tiefe Kosten aus, das bringt langfristig mehr Rendite», erklärt Niederer.

Investoren wurden aufmerksam

Der schnelle Erfolg hat grosse Firmen und Investoren auf True Wealth aufmerksam gemacht. Wie die «Weltwoche» berichtet, zeigte beispielsweise die Swisscom Interesse am jungen Anlageberatungsunternehmen. Der Grund: Als IT-Dienstleistungsunternehmen hat die Swisscom in der Finanzindustrie überragende Bedeutung erlangt. Deshalb versucht das Telekomunternehmen beständig innovative Finanzdienstleistungen voranzutreiben.

Auf ein mögliches Kaufinteresse von Swisscom angesprochen, winkt Digitec-Gründer Herren aber ab. «Ein Verkauf steht jetzt nicht zur Diskussion. Wir freuen uns aber über jeden zufriedenen Kunden und wollen weiter wachsen.» Dabei bleiben die beiden Gründer realistisch: «Man kann sich natürlich nicht jeden Monat verdoppeln. Aber wenn wir Ende Sommer tausend Kunden haben, sind wir sehr zufrieden», so Niederer.

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