Aktualisiert 05.06.2014 15:06

Handy und Spotify

Internet verdrängt bei Jungen das Radio

1,6 Millionen Franken soll Roger Schawinski für das Zürcher Jugendradio 105 hingeblättert haben – doch gerade bei den Jugendlichen verliert das Radio offenbar an Bedeutung.

von
ram
Radio-Pionier Roger Schawinski und die Crew des Jugendsenders Radio 105.

Radio-Pionier Roger Schawinski und die Crew des Jugendsenders Radio 105.

Radio-Pionier Roger Schawinski musste tief in die Tasche greifen, um sich gegen seine Mitbieter durchzusetzen: Knapp 1,6 Millionen Franken soll der 68-Jährige für den Jugendsender bezahlt haben. Doch lohnt sich eine solche Investition? Anstatt das Radio einzuschalten, holen sich viele Jugendliche ihre Songs heute über Internetplattformen wie Youtube oder Spotify.

«Musik ist ihnen sehr wichtig, aber Radio hören die Jugendlichen nur noch nebenher», sagt Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie, in einem Bericht der «NZZ am Sonntag». «Heute füllen Handy und Internet fast die ganze mediale Freizeitgestaltung der Jungen aus.» Dies belegt auch eine Studie der ZHAW, an der Süss unterrichtet. So gaben 2012 gerade mal knapp die Hälfte aller befragten Jugendlichen an, mehrmals pro Woche Radio zu hören. Zwei Jahre vorher waren es noch deutlich über 60 Prozent.

Energy-Chef: «Faszination am Radio ist ungebrochen»

Dani Büchi, Geschäftsführer von Radio Energy, bestätigt im Artikel zwar, dass das Radio generell gegen Plattformen wie Spotify etc. zu kämpfen habe. Diese könnten es aber nicht ersetzen. Der Hörer wolle weiterhin über lokale Ereignisse informiert werden, über das Wetter, den Verkehr. Zudem gebe es kein Medium, das geeigneter sei als das Radio, wenn man am Duschen oder Autofahren sei.

Bei den Jungen sei die Faszination ebenfalls ungebrochen. «Jede Woche haben wir 10 bis 20 Anfragen von Schulklassen für Führungen durchs Studio.»

Schawinski: «Spotify und Youtube sind keine Konkurrenz»

Auch für Roger Schawinski ist es «völliger Unsinn», dass sich die Jugendlichen nicht mehr fürs Radio interessieren sollen. «Aber sie wollen kein Mischmasch, sondern einen Sender der glasklar auf ihr Bedürfnisse zugeschnitten ist wie 105.» Es stimme, dass Junge generell weniger traditionelle Medien nutzten. Doch: «Das Radio kommt ihnen entgegen, weil sie es via App auf dem Handy empfangen können.» Plattformen wie Spotify oder Youtube empfindet Schawinski nicht als Konkurrenz. «Die sind ok – aber im Gegensatz zum Radio weder aktuell noch persönlich.»

Um die Zukunft seines neu erworbenen Jugendsenders macht sich der Radio-Pionier keine Sorgen – zumal dieser bei weitem nicht nur von Teens und Twens verfolgt wird. Laut Radiocontrol beträgt das Durchschnittsalter des 105-Hörers 33 Jahre. Kein Widerspruch, findet Schawinski. «Damit hat 105 das klar jüngste Publikum aller Sender.» Auch gewisse über 30-Jährige wollten schliesslich wissen, welche Musik im Trend liege oder welche Clubs besonders angesagt seien.

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