Aktualisiert 26.07.2011 15:54

Millionen-Business

Internetsex - Schweizer sind Europameister

Von wegen prüde Schweizer: In keinem anderen europäischen Land suchen Web-Nutzer aktiver nach unverbindlichen erotischen Kontakten. Und sie sind bereit, sehr viel Geld dafür auszugeben.

von
Alex Hämmerli
Immer mehr Schweizer suchen auf dem Netz nach einer ungezwungenen Sex-Affäre.

Immer mehr Schweizer suchen auf dem Netz nach einer ungezwungenen Sex-Affäre.

Das Internet hat sich innert wenigen Jahren zum beliebten Flirtplatz für sexhungrige Schweizer entwickelt. Seit Anfang Jahr loggen sich monatlich 445 000 Schweizer bei Portalen für private Sexkontakte ein. Pro 1000 Einwohner sind das mehr als 58 – das ist europaweiter Rekord! Das berichtet die Vergleichs-Seite «Singleboersen-Vergleich.ch».

Ein Blick über die Grenzen zeigt: Pro 1000 Einwohner kommen die Briten auf 52, die Schweden auf 48 und die Deutschen auf 44,5 Nutzer von Casual-Dating Webseiten wie C-Date, Ashley Madison, Adult Friend Finder oder Meet2cheat. Weit abgeschlagen sind die Spanier, Polen, Portugieser und Italiener: Sie kommen auf 20 bis 30 Casual-Dater pro 1000 Einwohner.

Millionen-Umsätze

Schweizer lassen sich ihre erotischen Abenteuer auch gerne etwas kosten: «Schweizer zahlen alles, egal, was man verlangt», sagt Henning Wiechers, Geschäftsführer der Firma Metaflake, zu der Singlebörsen-Vergleich gehört.

Zum Vergleich: In der Schweiz zahlen Männer für eine Premium-Mitgliedschaft bei einem der drei grössten Casual-Dating-Portalen zwischen 180 und 300 Franken für drei Monate. In Deutschland sind es zwischen 105 und 140 Franken. «Die Unternehmen investieren deshalb grosse Summen in Schweizer Werbung», so Wiechers. In Spanien dagegen treffe man kaum je auf Plakate oder Fernsehspots von Casual-Dating-Seiten.

Casual-Dating Portale machten 2010 in der Schweiz 10,5 Millionen Franken Umsatz. Das sind über 28 Prozent mehr als 2008. Und auch dieses Jahr rechnet man bei Singlebörsen-Vergleich mit einem ordentlichen Wachstum. Wiechers geht von einem Plus zwischen 10 und 20 Prozent aus. Noch einmal richtig zulegen werde Ashley Madison. Denn das Unternehmen betreibe eine aggressive Werbe- und PR-Strategie mit dem Slogan «Gönn dir eine Affäre».

Die Höflichkeitsbarriere fällt

Für Daniel Baltzer von Singlebörsen-Vergleich ist die Schweizer Führerschaft beim Casual Dating kein Wunder: «Die Schweizer sind bekannt für ihre charmante und höfliche Art. Sie sind aber auch zurückhaltend, weshalb sie das eine oder andere erotische Abenteuer verpassen.» Beim Kontakt über einschlägige Webseiten falle diese «Höflichkeitsbarriere» weg, «schliesslich weiss jedes Mitglied genau, dass es auf dem Portal um die Suche nach einer ungezwungenen erotischen Affäre ohne Bindungsabsichten geht.»

Jeder dritte Nutzer ist eine Frau

Sexkontakte im Netz sind übrigens auch bei Frauen beliebt: Über ein Drittel der Schweizer Nutzer von Online-Erotiktreffs sind weiblich. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass die Webseiten meist nur für Männer zahlungspflichtig sind; Frauen flirten dagegen gratis.

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